Tod in der U-Bahn: Wie konnte die Tür aufgehen?

+
Der U-Bahnhof Innsbrucker Ring: 300 Meter nach der Haltestelle öffnete sich die Tür bei voller Fahrt, der Mann war sofort tot.

München - Nach dem tödlichen Unfall in der U-Bahn mit einem 28-Jährigen schließen die Verkehrsbetriebe einen technischen Defekt aus. Zeugen berichten, der Mann habe an der Waggon-Tür hantiert.

Es war wohl eine Schnapsidee - geboren im Übermut nach einem feucht-fröhlichen Fest: Während der Fahrt mit der U5 gelang es einem 28-Jährigen in der Nacht zu Samstag im Tunnel, die Waggon-Tür zu öffnen. Vor den Augen seiner Freunde stürzte er zwischen den Bahnhöfen Innsbrucker Ring und Ostbahnhof in den Tunnel. Als man ihn fand, gab es keine Rettung mehr.

Mit seinen Freunden feierte der ledige Münchner am Freitagabend in Riem auf einer Geburtstagsparty. Nach Mitternacht brach die Clique geschlossen in Richtung Innenstadt. Mit der U-Bahn fuhren die etwa zehn jungen Leute zum Innsbrucker Ring und stiegen dort gegen 0.50 Uhr in den letzten Waggon der U5 zum Ostbahnhof. Nach Aussagen zweier unbeteiligter Augenzeugen traktierte der 28-Jährige plötzlich die Tür. 300 Meter nach dem Innsbrucker Ring ging die Tür bei einem Tempo von fast 80 km/h tatsächlich auf. Der Mann verlor das Gleichgewicht - und war plötzlich weg! Das alles ging so schnell, dass keiner seiner Freunde mehr eingreifen konnte. Jemand zog die Notbremse. Am Ostbahnhof setzte der U-Bahn-Fahrer sofort die Rettungskette in Gang. Die Strecke wurde gesperrt, der Notarzt rückte aus.

Schließsystem funktionierte einwandfrei

Vier Männer der U-Bahnwache machten sich auf die Suche. 300 Meter hinter dem Bahnhof Innsbrucker Ring fanden sie den 28-Jährigen. Er hatte beim Sturz in den Tunnel so schwere Kopfverletzungen erlitten, dass er auf der Stelle tot gewesen sein muss. Die geschockten Freunde wurden vom Kriseninterventions-team betreut. Die Polizei beschlagnahmte den ganzen Zug. Es handelt sich um die Baureihe A - die erste Münchner U-Bahn-Generation vom Oktober 1971.

In der Nacht testeten Polizei und MVG-Techniker das Schließsystem. Es funktionierte einwandfrei. Jedoch wies ein Türblatt eine Wölbung auf - Folge eines heftigen Tritts oder Schlags? MVG-Sprecherin Bettina Hess: „Nur mit gezielter Manipulation oder eben grober Gewalt lässt sich eine Tür während der Fahrt ansatzweise aufdrücken.“ Auch die Feuerwehr kann die Türen im Notfall nur mit großer Kraft öffnen.  Jetzt ermittelt der  Staatsanwalt. Die Videokamera im Zug nahm das Geschehen übrigens nicht auf. Die Festplatte war defekt.

So funktionieren die Türverschlüsse

Beim Unglückszug der Baureihe A sowie bei den neueren Zügen der Reihe B öffnet und schließt sich die Tür durch Luftdruck, der in die Schließzylinder gepumpt wird. Dieser Luftdruck drückt die Tür auch während der Fahrt zu, bis der Fahrer die Türen wieder zum Öffnen freigibt. Gleichzeitig werden die Türen über ein mechanisches Schloss zwischen Tür und Wagen ver- und entriegelt. Das Anfahren ist blockiert, bis alle Türen geschlossen und gesichert sind. Dann geht im Fahrerstand eine grüne Kontroll-Leuchte an. Es gibt einen Not-Hebel, mit dem Fahrgäste die Türen öffnen können, er wurde in diesem Fall nicht benutzt. Beim neuen C-Zug der U-Bahn werden die Türen, wie auch bei S-Bahn sowie Nah- und Fernverkehrszügen, mit Elektromotoren gesteuert.

Dorita Plange

auch interessant

Meistgelesen

Münchnerin ärgert sich über Vodafones miese TV-Masche 
Münchnerin ärgert sich über Vodafones miese TV-Masche 
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
Großeinsatz in Flüchtlingsunterkunft am OEZ
Großeinsatz in Flüchtlingsunterkunft am OEZ
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion