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Bahn frei für die U9 in München: Stadtrat stimmt Projekt zu – Opposition schimpft über „Wolkenkuckucksheim“

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Von: Sascha Karowski

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So soll er mal aussehen: Der Bahnhof der U9 unter dem Hauptbahnhof.
So soll er mal aussehen: Der Bahnhof der U9 unter dem Hauptbahnhof. © MVG

München bekommt eine neue U-Bahn. Der Stadtrat hat am Mittwoch zugestimmt, für die U9 schon jetzt ein Bauwerk unter dem Hauptbahnhof zu errichten.

München - Brigitte Wolf von der Linken ist gemeinhin für fundierte, nüchterne Redebeiträge im Münchner Stadtrat bekannt. Am Mittwoch jedoch musste sie an sich halten. „Sonst werde ich unflätig.“ Ganz gelang das nicht. Wolf nannte den Glauben an eine Realisierung der neuen U-Bahn U9 „hirnverbrannt“, einige lebten im „Wolkenkuckucksheim“. Der Stadtrat stelle heute die Weichen dafür, dass München zu einer total verschuldeten Stadt werde. „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es nicht gehen wird.“ Wolf bezog sich damit unter anderem auf die Kostensteigerungen und die Verzögerungen bei der zweiten Stammstrecke. Mit ähnlichem rechnet die Politikerin auch bei der U9. Der Stadtrat jedoch glaubt daran, dass die U9 nicht nur gebaut, sondern auch von Bund und Freistaat entsprechend gefördert wird. Das Gremium votierte am Mittwoch mit großer Mehrheit für den Bau einer sogenannten Vorhaltemaßnahme unter dem Hauptbahnhof, eine Art Trog, in dem künftig die Haltestelle für die Trasse unterkommen soll. Die Kosten belaufen sich auf geschätzt 562 Millionen Euro.

Neue U9 in München - Grünen-Chefin schimpft: „Kann nicht sein, dass uns der Bund in der Luft hängen lässt“

Von Bauchgrummeln etwa sprach Grünen-Chefin Mona Fuchs am Mittwoch. Zwar habe der Freistaat mittlerweile eine Förderung von zehn Prozent in Aussicht gestellt, allerdings fehlt eine solche Zusage vom Bund nach wie vor. Und da die Gesamtkosten der U9 auf vier Milliarden Euro geschätzt werden, ist seit jeher klar, dass die Stadt das Projekt nie und nimmer allein wird realisieren können. „Es kann nicht sein, dass Bund uns komplett in der Luft hängen lässt“, sagte Fuchs. Es gebe dennoch ein deutliches Ja zur U9. „Wenn wir den ÖPNV gut ausgelastet, aber nicht überlastet haben wollen, müssen wir jetzt handeln.“

Die Notwendigkeit der U9 unterstrich SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl. „Die Fahrgastzahlen sind seit der Eröffnung der U-Bahn um fast das Zehnfache gestiegen, daher brauchen wir den Bypass.“ Also solcher wird die U9 von Fachleuten gern bezeichnet. Die Trasse soll auf 10,5 Kilometern von der Impler-/Poccistraße über den Hauptbahnhof zur Münchner Freiheit verlaufen. Fünf neue Bahnhöfe entstehen.

U9 in München: Stadtrat muss zustimmen, ansonsten drohen Verzögerungen bei zweiter Stammstrecke

Dass der Stadtrat trotz fehlender Förderzusage des Bundes bereits jetzt der Vorhaltemaßnahme zustimmen muss, ist der zweiten Stammstrecke geschuldet. Das Bauwerk soll im Zuge dieses Projektes errichtet werden. Andernfalls müsste die Bahn umplanen, was erneut zu Kostensteigerungen und Verzögerungen führen würde.

Dass in Sachen Finanzierung immer wieder auf den Bund und Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) verwiesen wird, ärgert Stadtrat Fritz Roth (FDP). „Es ist ungeschickt, wenn man denjenigen, von dem man Milliarden einfordert, öffentlich versucht bloßzustellen.“ Es gebe zudem noch keine Planung für die U9, mithin auch keinen offiziellen Antrag auf Fördergelder. „Ihr wollt auf Zuruf einfach vier Milliarden Euro haben, Herr Scheuer könnte bei Euch in die Lehre gehen.“ Gemeint war damit der ehemalige Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der seinerzeit der Stadt eine Finanzierung zugesagt hatte.

U9 in München - ÖDP-Chef glaubt nicht mehr an die Umsetzung: „Es ist zu viel passiert“

Nach der Förderzusage des Freistaates liege der Ball aber tatsächlich bei der Ampel im Bund, erwiderte CSU-Stadträtin Veronika Mirlach. „Die U-Bahn ist voll, wir brauchen die Entlastung.“ Das stritt Tobias Ruff (ÖDP) auch nicht ab, das Geld für die U9 würde er aber lieber in andere Projekte zur Verkehrswende stecken, die rascher umsetzbar seien. „Wenn die U9 unabdingbar ist für Verkehrswende, dann frage ich mich, wann die kommt: 2040? 2050?“ Er glaube jedenfalls nicht mehr an die Umsetzung. „Es ist zu viel passiert.“ Als Münchner Stadtrat müsse man gegenüber dem Bund selbstbewusster auftreten, sagte OB Dieter Reiter (SPD). „Freunde, wir sind die größte Kommune in Deutschland. Ich habe nicht vor, klein bei zu geben.“

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