In München nicht machbar

U-Bahnen im 90-Sekunden-Takt: Darum bleibt's ein Traum

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Der 90-Sekunden-Takt scheitert auch an den zu langen Fahrgastwechselzeiten.

München - St. Petersburg kann es. Paris kann es. Doch München kann es nicht. Die Rede ist von einem 90-Sekunden-Takt der U-Bahnen zu Spitzenzeiten auf allen zentralen Abschnitten.

Zu dieser Einschätzung sind Stadt und Verkehrsgesellschaft (MVG) gekommen. Die Thematik haben zwei CSU-Anträge vom Dezember 2013 und Juli 2014 ins Rollen gebracht.

Darin wurden Lösungsansätze für ein stärker frequentiertes U-Bahnsystem nach dem Pariser Vorbild erbeten. Vorläufiges Fazit: Eine weitere Taktverdichtung gibt das Münchner U-Bahnnetz nicht her. Wenn überhaupt, wäre eine Kapazitätserweiterung nur durch den Bau einer zusätzlichen Linie möglich, die von Norden nach Süden verläuft. Laut MVG ist schon der Einstieg in den Zwei-Minuten-Takt eine Herausforderung. Pro Stunde rollen dann 30 statt 24 Züge über die Gleise.

In Paris hat man es mit einer Grundsanierung der dortigen Hauptstrecke der Metro geschafft, stündlich 42 Züge fahren zu lassen. Zu den Stoßzeiten kommt dann alle 85 Sekunden ein Zug. Ein Ziel, das München nicht erreichen kann. Die MVG begründet das mit einer zu hohen Fahrgastwechselzeit. Heißt: Die Zeitspanne vom Einfahren des Zuges über das Ein- und Aussteigen der Fahrgäste bis hin zum Ausfahren ist viel größer als in Paris. In München kann der Fahrgast entscheiden, wie lange ein Zug im Bahnhof steht. Eine genau geregelte Einstiegszeit gibt es dehalb nicht. Würde man dann noch mehr Züge einsetzen, kommt es zu Staus in den Tunneln – nicht nur im Brandfall ein schwieriges Szenario. Die Wartezeiten würden sich sogar verlängern.

Weitere Gründe, warum man das Pariser U-Bahn-System nicht mit dem hiesigen vergleichen kann: Die Bahnsteige sind kürzer und Zugänge gibt es meist nur an den Enden. Die Fahrgäste verteilen sich also nicht gleichmäßig, was beim Einsteigen wiederum zu Verzögerungen führt. Zusätzlicher Nachteil: Münchner U-Bahnen verkehren im Mischbetrieb. Vom selben Bahnsteig fahren also Züge mit unterschiedlichen Zielen ab, was den Fahrgastwechsel erschwert. Die Branddirektion des Kreisverwaltungsreferats stellt klar, dass eine Taktverdichtung nur infrage käme, wenn es dafür Brandschutzkonzepte gibt. Wenn’s im Tunnel brennt, muss jeder Zug den nächsten Bahnsteig anfahren können.

Das U-Bahn-Netz wurde vor fast 50 Jahren geplant. Damals lebten eine Million Menschen in München. Heute sind es knapp 500 000 mehr. Das rasante Wachstum hatte man in die Planung nicht miteinbezogen. Deswegen ist es eng im Untergrund.

Johannes Heininger

Münchens schönste U-Bahnhöfe

U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Unter Münchens Erde liegen zahlreiche Schmuckstücke. Sehen Sie hier die schönsten U-Bahnhöfe der Stadt. © Bodmer
Der brandneue U-Bahnhof Münchner Freiheit strahlt nach der 20-monatigen Umbauphase in neuen Farben (U 6). © Schlaf
Ein faszinierend helles Stück „Münchner Freiheit“: Der Münchner "Lichtpapst" Ingo Maurer hat der U-Bahnstation mit seiner Farb- und Lichtgestaltung und den Deckenspiegeln Leben eingehaucht. © Schlaf
Transparenz, Offenheit, Freundlichkeit – das ist der neue U-Bahnhof Münchner Freiheit. © Schlaf
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Farbenfroh, freundlich und großzügig: Der Georg-Brauchle-Ring (U 1). © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Die U-Bahn-Station ist nach dem ehemaligen zweiten Bürgermeister Münchens, Georg Brauchle (CSU, 1915 – 1968) benannt. © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Absoluter Hingucker sind die Wandflächen, die der renommierte Künstler Franz Ackermann gestaltet hat. © Schlaf
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Vielleicht der geheimnisvollste Ort im Münchner U-Bahnnetz: der U-Bahnhof Westfriedhof (U 1). © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Die 3,80 Meter breiten Lampenschirme und die Beleuchtung stammen von Lichtdesigner Ingo Maurer, der auch die neue Münchner Freiheit konzipiert hat. © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Spektralfarben satt und Glasschutz vor den lebenswichtigen Säulen und dunklere Farben Richtung Tunnel: der Candidplatz in Giesing (U 1). © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Es ist nur ein Detail an einer Wand der Station: ein kleiner Schmetterling, auf den Flügeln steht „R. Knoll“ und „A. Wagner“. Dies sind die Namen der beiden Gestalter der Bahnsteigwände. © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Die Säulen der Station sind übrigens lebenswichtig: Der Bahnsteig, der in einer Kurve liegt, muss den Verkehrs- und Erddruck der Oberfläche aushalten – hier kreuzt auch die Candid­brücke am Mittleren Ring. © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Eine faszinierende Mischung aus Hell und Dunkel, eine atemberaubende Architektur – und ein kühnes Konstrukt, durch das Tageslicht in den Schacht fällt: Das ist der U-Bahnhof St.-Quirin-Platz (U1). © Bodmer
U-Bahnhöfe in München: Die Schmuckstücke der Stadt
Wenn man die Rolltreppe nach oben fährt, ist die muschelförmige Glaskuppel zu sehen, die den Blick auf einen Park öffnet. © Bodmer
Auch ein Schmuckstück in Münchens Untergrund: Der U-Bahnhof Dülferstraße (U 2). © Bodmer
Die farbenfrohe Wandgestaltung ist von der Münchner Künstlerin Ricarda Dietz, die hohen Rundbögen und die "Orgelpfeiffen" an den Säulen erinnern an eine Kirche. © Bodmer
Auf dem Weg nach oben grüßen die bayerischen Farben. © Bodmer
Die mächtigen Schwingen der Station „Am Hart“ erinnert an einen Windkanal. © Bodmer
Mit seiner blau-weißen Farbgebung verweist die Station auch auf das, was an der Oberfläche ist: dem Forschungs- und Technologiezentrum von BMW. © Bodmer
Der U-Bahnhof "Am Hart" wurde 1993 eröffnet. Geplant wurde er von Hilmer + Sattler und ­dem U-Bahn-Referat. © Bodmer
Die U-Bahnstation "Hasenbergl" (U 2). © Bodmer
Wie ein langes Segel wirkt die Deckenverzierung auf den Betrachter – und vermittelt somit leise: „Wo soll’s hingehen?“ © dpa
Der Bahnsteig hat keine Säulen und ist relativ hoch, der graue Granitbelag wird durch dreieckige Muster aufgelockert und gleichzeitig aufgepeppt. © Bodmer
Es mag schönere, spektakulärere und interessantere Bahnhöfe geben als den in Thalkirchen – aber sagen Sie das mal Kindern! © Bodmer
Die allermeisten werden diese Station zum Lieblingsbahnhof erklären. Und dafür sorgen die Wandbilder von Ricarda Dietz, die am Wochenende aus Tausenden Kinderkehlen ausgiebig kommentiert werden („Elefant! Giraffe!“). © Bodmer
„In keinem Bahnhof sonst wird so klar und deutlich auf die Attraktion an der Oberfläche hingewiesen wie hier in Thalkirchen“, sagt Architektin Cornelia Dissing. Eben auf den Tierpark. © Bodmer
Überhaupt besticht der Ort durch seine Helligkeit und Klarheit. Keine Säulen stören Weg und Blick, nur wenige Bänke behindern die freie Kinderwagenfahrt für frohe Babys. „Es ist ein sehr freundlicher Bahnhof, auch wegen seiner harmonischen Farbgebung“, beobachtet Dissing. © Bodmer
Klarheit ist bei Zweckbauten wichtig. So wie hier: Wo der Ausgang Richtung Tierpark ist, gibt die mächtige, angenehm flache Rampe vor. „An den Rampenwänden mussten andere, unempfindlichere Platten und Materialien verwendet werden als an der Rückwand des Bahnsteiges, da er anfälliger ist. Somit haben die Tiermotive auch ein anderes Erscheinungsbild.“ Wird den Kindern ziemlich egal sein – Hauptsache, hier geht’s weiter mit den Tieren! Gleich sind wir im Zoo! © Bodmer
Die „grüne Lunge“ Münchens im Untergeschoß: Der U4-Bahnhof Böhmerwaldplatz erinnert an einen Wald. © Bodmer
Der Bahnhof wurde am 27. Oktober 1988 eröffnet und strahlt eine besondere Harmonie aus. © Bodmer
Nur ganz am Ende des Bahnsteigs, zum Nebenausgang hin und hinter der Rolltreppe, findet doch noch ein kleines Waldsterben statt: Die armen, weitgehend unbemerkten Säulen sind klein, dürr, fast weiß. Aber wer steht schon so weit hinten im Wald? © Bodmer
Das 15. Wiesn-Zelt: Die U-Bahnstation Theresienwiese U4/U5. © Bodmer
Die Station ­gibt sich ganz Münchnerisch in Gelb und Schwarz – zudem erinnert die Konstruktion an ein Oktoberfestzelt. © Bodmer
Eines von Ricarda Dietz’ Wandbildern – sie stellen typische Szenen auf der Wiesn dar. © Bodmer

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