Ehefrau erleidet Schwächeanfall

Eklat und Notarzt bei Ude-Abschied

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Edith von Welser-Ude - hier mit ihrem Ehemann Christian Ude (2.v.l.) und Horst Seehofer (l.) sowie Sigmar Gabriel (r.) - hat beim Abschied des scheidenden Münchner Oberbürgermeisters am Freitag einen Schwächeanfall erlitten.

München - Großer Schock am Rande des Abschiedsfests von Christian Ude! Beim anschließenden Empfang im Silbersaal des Deutschen Theaters erlitt seine Ehefrau Edith von Welser-Ude (75) einen Kreislaufzusammenbruch.

Der Ude-Abschied: Was für ein Drama im Deutschen Theater! Freitag wollte Christian Ude mit einer Gala im generalsanierten Prunkbau der Stadt seinen Freunden und vielen Honoratioren aus ganz Deutschland leise Servus sagen. So lautete das Motto der Feier. Und tatsächlich gab es erst einmal viel Lob und Witz für Ude: von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Vizekanzler Sigmar Gabriel und Städtetagspräsident Ulrich Maly (beide SPD). Auch Udes Nachfolger Dieter Reiter sparte nicht mit Komplimenten. Dann kam Ude an die Reihe, alles andere als entspannt. Der frisch gebackene Alt-OB ging mit Reiters neuer Regierungsmannschaft hart ins Gericht. Wenige Zeit später brach Udes Frau beim Empfang im Silbersaal zusammen. Die tz dokumentiert das ganze Drama..

Udes Frau Edith bricht am Tisch zusammen

Christian Ude schaut besorgt zu, wie seine Ehefrau im Silbersaal behandelt wird.

Großer Schock am Rande von Christian Udes Abschiedsfest! Beim anschließenden Empfang im Silbersaal des Deutschen Theaters erlitt seine Ehefrau Edith von Welser-Ude (75) einen Kreislaufzusammenbruch. Sie wurde mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht.
Nur wenige Ehrengäste bekamen am Freitag mit, was sich gegen 14.30 Uhr im Obergeschoss des frisch renovierten Musical-Tempels zutrug. Edith von Welser-Ude hatte zusammen mit ihrem Gatten, Alt-OB Georg Kronawitter, Wiesn-Stadtrat Helmut Schmid und anderen Honoratioren unter dem bunten Deckenfresko Platz genommen. An den Tischen herrschte fröhliche Plauder-Stimmung, als urplötzlich ein Stöhnen zu hören war und Edith von Welser-Ude rückwärts von ihrem Stuhl stürzte. Es fügte sich glücklich, dass ihre Tochter Diana und ihr Schwiegersohn Bernhard - beide Ärzte -  zur Stelle waren, um der vormaligen First Lady der Stadt Erste Hilfe zu leisten. Christan Ude wirkte bei dieser Szene wie gelähmt.

Mit Tüchern abgeschirmt wird Edith von Welser-Ude in den Sanka geschoben.

Erst allmählich sprach sich im Saal herum, was am Ehrentisch passiert war. Im Foyer, wo noch viele weitere Gäste feierten, bemerkte niemand etwas von den Vorkommnissen. Schließlich kam ein Krankenwagen der Johanniter-Unfallhilfe. Hochgehaltene Tücher schirmten die Szenerie  vor neugierigen Blicken ab. Edith von Welser-Ude war derweil in einen Nebenraum gebracht worden, wo sie unter anderem mit Sauerstoff behandelt wurde. Schließlich wurde noch ein Notarztwagen der Feuerwehr geholt, in dem Edith von Welser-Ude schließlich mit Signalhorn und Blaulicht in eine Klinik gebracht wurde.

Christian Ude begab sich derweil durch ein anderes Treppenhaus in den Innenhof, gab sogar noch einige Autogramme. Gefasst erklärte der frisch gebackene Alt-OB der tz: „Es ist nur eine Kreislaufschwäche. Das Restliche muss nun bei einer Untersuchung geklärt werden.“ Dann ließ er sich mit einem Dienstwagen seiner Frau hinterherfahren.

Edith von Welser-Ude leidet schon seit Jahren unter Problemen an der Wirbelsäule. Im Januar hatte sie sich in einer Klinik am Tegernsee behandeln lassen..

Ude watscht Reiter und die neue Stadtspitze ab

So manch einer hat sich den Abschied von Alt-OB Christian Ude (66) nach 21 Jahren sicher anders vorgestellt: Seine SPD hat bei der Wahl zwar ein historisches Debakel erlebt, aber mit Dieter Reiter (55) den OB-Sessel verteidigt und sich die Macht an der Stadtspitze mit der CSU erhalten. Für die Genossen eigentlich ein Grund zum Feiern. Doch nach dem Ende von Rot-Grün holt Ude aus und watscht reihum alle ab - seine SPD, die neue schwarz-rote Mehrheit und sogar seinen Nachfolger. Ude nennt Reiter nicht einmal namentlich! Genossen wie Konservative sind fassungslos bis wütend. Ist Schwarz-Rot in Gefahr?

Udes Rede beginnt harmlos. „Ich bin bewegt und überwältigt“, bekennt der Alt-OB nach den Lobeshymnen. „Es macht saumäßig Spaß, verabschiedet zu werden.“ Dann kommt er in Fahrt. Seinen Ärger verpackt er nicht nur zwischen den Zeilen.

Über die Bündnisverhandlungen: Er wolle einen biblischen Rat geben: „Suchet der Stadt Bestes.“ Wenn er den Mai anschaue, sei hinzuzufügen: „Irgendwann müsst ihr’s auch finden!“ Er meint natürlich die end- und erfolglosen Gespräche mit Mini-Parteien und ausgebooteten Grünen.

Über Rot-Grün: „Für mich persönlich war das nie nur eine Farbkonstellation, sondern immer ein inhaltlicher Auftrag, rot-grüne Politik zu machen - sozial und ökologisch.“ Die Politik müsse dem Turbokapitalismus die Stirn bieten. „Ich bin stolz, dass das ein Vierteljahrhundert das Leitmotiv der Stadtpolitik gewesen ist. Möge es auch in Zukunft nicht unter die Räder kommen …“

Über die neue Regierung: Schwarz-Rot will nach dem neutralen Wilfried Blume-Beyerle wieder der CSU den KVR-Chefposten überlassen. Da stiegen die Grünen aus. Ude pflichtet ihnen bei: „Es gehört zu den Errungenschaften, dass das KVR aus parteipolitischen Machtproben befreit wurde und unter einem parteilosen Referenten ein Hort der Liberalität geworden ist.“ Bravos mischen sich in den Applaus! Die Mienen schwarz-roter Bündnisfreunde verfinstern sich - die Grünen blühen auf.

Schwarz-rotes Bündnis in Gefahr?

Auch gemünzt auf OB Reiter und CSU-Boss Josef Schmid: „Der Stadtrat möge nach der Wahl bedenken, was er vor der Wahl gesagt hat. Das wichtigste ist Glaubwürdigkeit, hieß ein Buch. Ich halte es für aktueller denn je.“ Jeder versteht die Anspielung: Der CSU-Bürgermeister in spe hatte keine Personalabsprachen treffen wollen, und Reiter hatte sich von den Grünen zum OB wählen lassen. Reiters Namen nennt Ude überhaupt nicht: „Dem Nachfolger“ wünscht er „eine glückliche Hand“. Da hat der rote Neu-OB ja mehr Lob vom schwarzen Seehofer bekommen! Die SPD-Unterhändler erwähnt Ude nicht: SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann, Fraktionschef Alexander Reissl, Bürgermeisterin Christine Strobl.

Die Genossen sind stinksauer: OB Reiter - verschwindet wortlos! Bürgermeisterin Strobl - sagt nichts! SPD-Stadträte - schweigen! Mehrere ätzen hinter vorgehaltener Hand, dass es nach der Wahl ausgerechnet Udes Idee gewesen sei, auf die CSU zuzugehen. Der Ausbruch gefährdet das schwarz-rote Bündnis: Am Montag muss ein SPD-Parteitag noch seinen Segen dazu geben - und in der Partei brodelt es ohnehin schon! Die Grünen jubeln. Kandidatin Sabine Nallinger frohlockt: „Er hat mir aus der Seele gesprochen.“

Mach’s guad, Christian! Bilder zum Abschied von Ude

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Johannes Welte / David Costanzo

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