Ude hat nun seinen eigenen Kinofilm

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In cineastischer Mission: Christian Ude am Eingang zum Mathäser

München - Am Mittwoch hat ein Dokumentarfilm über Christian Ude Premiere gefeiert. Der Streifen liefert allerdings auch Anlass zur Kritik.

"Bitte kandidieren Sie nicht noch als Kanzler“, hat münchen.tv-Chef Jörg van Hooven den OB noch bekniet. Am Mittwoch feierte sein Dokumentarfilm über Christian Ude Premiere im Mathäser-Kino, vor 750 Gästen im fast voll besetzten größten Saal. Der Journalist wollte den Film nicht noch einmal umschneiden, nachdem er bereits wegen Udes Ministerpräsidenten-Kandidatur Überstunden machen musste …

Die Sache mit dem Kanzler war natürlich ein Spaß, doch sie verdeutlicht das größte Problem. Van Hooven hatte keine Hofberichterstattung betreiben, sondern eine kritische Bilanz nach bald 20 Jahren Ude ziehen wollen. So ein Denkmal hätte dem Münchner OB mit der längsten Amtszeit seit 100 Jahren gebührt. Herausgekommen ist nun ein unfreiwilliger Werbefilm für die höheren Ambitionen.

Schließlich läutet die Doku nun nicht mehr das Ende der Amtszeit, sondern den Anfang des Wahlkampfs ein. Da stellen sich andere Fragen. Nicht mehr: Wer war Ude? Wo kommt er her? Was hat er geleistet? Sondern: Was treibt ihn an? Kann er nicht loslassen? Was will er noch ändern? Doch der Film war fertig, bevor Ude kandidierte.

Man darf bezweifeln, ob sich die unterlegenen CSU-OB-Kandidaten, Hans-Peter Uhl, Aribert Wolf und sogar Peter Gauweiler noch so bewundernd äußern würden – diese Rhetorik, Beliebtheit, Bodenständigkeit …

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Die Doku hat unterhaltsame Momente, etwa wenn der OB vor dem Wiesn-Anstich Gattin Edith von Welser-Ude fragt, ob ihm die Trachtenweste nicht zu arg überm Bauch spannt. Oder wenn die Alt-OBs Hans-Jochen Vogel und Georg Kronawitter über den jungen, wilden, linken Ude lästern, der ihnen das Leben schwer machte. Wie anrührend auch, als sich Ude und seine Edith sich als ihre „Lieblingsmenschen“ bezeichnen. Ganz unbekannt ist das alles nicht.

Und der Protagonist selbst wundert sich: Die münchen.tv-Kamera habe ihn nach Mykonos ins Ferienhaus begleitet und nach China, wo der OB einen Ehren-Professor bekam. Die Szenen finden sich nicht. Auch kein Ude im Dienstwagen, im Amtszimmer, bei der Arbeit. Bürger kommen auch nicht zu Wort. Stattdessen radelt er kurz durchs Bild, dann reihen sich die Aussagen der gleichen Köpfe hintereinander. „Das Amt erscheint im Film unterhaltsamer, als es ist“, sagte der OB der tz. Er selbst habe den Film inter­essant gefunden, scherzte er, aber das müsse das Publikum beantworten. Am 4. Dezember läuft die Doku um 20.15 Uhr auf münchen.tv.

CSU-OB-Kandidat Josef Schmid erkannte in dem Film „ein gehöriges Stück Münchner Stadtgeschichte“. Und sein SPD-Konkurrent Dieter Reiter, der nur einmal durchs Bild huschte, war stolz, „nach so einer Ikone“ zu kandidieren.

Ebenfalls amüsierten sich: tz-Verleger Dirk Ippen mit Gattin Marlene, Harald Strötgen (Stadtsparkasse), Kurt Mühlhäuser (SWM), Julian Nida-Rümelin, Charlotte Knobloch, Blacky und Gundel Fuchsberger sowie Sender-Chef Ulrich Gehrhardt.

David Costanzo

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