Ärger in der SPD

Ude tritt wieder bei den Grünen auf: Freundschaft geht vor Genossenschaft

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Alte Freunde: Hep Monatzeder wirbt für eine Veranstaltung mit Christian Ude.

Die Kluft zwischen der SPD und ihrem Alt-OB Christian Ude wird immer größer. Ude tritt erneut gemeinsam mit Hep Monatzeder auf. Die Genossen sind sauer, Ude versteht das nicht.

München - Die Wunden sitzen seit 2014 tief. Christian Ude hatte bei seiner Verabschiedung im Deutschen Theater ungewöhnlich deutliche Kritik an der SPD geäußert. Nur wenige Tage zuvor hatten die Genossen in den Verhandlungen um eine Kooperation im Münchner Rathaus wohl damit kokettiert, der CSU die Besetzung des Kreisverwaltungsreferates zu überlassen. Das sorgte für Missmut bei Ude, der sich nicht gern an die schwarzen Zeiten von Hans-Peter Uhl und Peter Gauweiler erinnern mag. Dass er aber nun im Deutschen Theater so grantelte, seinen Nachfolger nicht mit einem Wort erwähnte, sorgte wiederum bei der Partei für Verstimmungen.

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Verhältnis zwischen Ude und Reiter angespannt

Auch das Verhältnis zwischen Ude und OB Dieter Reiter (SPD) gilt seitdem als angespannt. Unlängst hatten sich die Genossen erst darüber echauffiert, dass Ude bei einer Veranstaltung seines Freundes, des ehemaligen Dritten Bürgermeisters Hep Monatzeder, auftrat. „Wenn jemand mit dem politischen Gegner Wahlkampf macht, selbst, wenn er mit der Person befreundet ist, muss er damit rechnen, dass das bei uns nicht auf Freude stößt“, sagte SPD-Chef Alexander Reissl.

Nun tritt Ude erneut gemeinsam mit Monatzeder auf. In dessen Wahlkreis, zu einem Kabarett-Abend. Gar nicht witzig, finden die Genossen. Zumal es in Pasing auch einen SPD-Kandidaten gibt, der gegen Monatzeder und Bürgermeister Josef Schmid (CSU) im Münchner Westen antritt. Florian Ritter. „Gelinde gesagt ist er nicht erfreut“, sagt ein Genosse.

Offiziell will das Thema niemand mehr kommentieren. Aber: „Wir sind angefressen bis zum Gehtnichtmehr“, sagt dann doch einer. Und ein anderer bezeichnet das Ganze als „Vollkatastrophe, insbesondere in dem Gäu, um den es geht“.

Harter Konkurrenzkampf zwischen Grün und Rot

Der Stimmkreis München-Pasing gilt als tiefschwarz, seit Jahren ist er in CSU-Hand. Darum werden Josef Schmid auch gute Chancen eingeräumt. Dass zudem ein namhafter Grüner dort antritt, soll bei SPD-Mann Ritter ohnehin schon keine Jubelschreie ausgelöst haben. „Wahrscheinlich glaubt Christian Ude immer noch, dass Grüne und SPD Hand in Hand gehen“, sagt einer aus der Partei. „Aber das ist nicht mehr so, die Grünen sind mittlerweile unserer schärfster Wettbewerber.“ Bei der Bundestagswahl etwa ist es der Ökopartei gelungen, die Genossen in der Stadt München zu überholen: 17,2 zu 16,2 Prozent.

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Christian Ude sagte gestern unserer Zeitung: Die Veranstaltung mit Hep Monatzeder sei „reiner Ausdruck einer persönlichen Freundschaft, die sich jahrzehntelang im Rathaus bewährt hat“. Monatzeder war von 1996 bis 2014 Bürgermeister unter OB Ude. Monatzeder war selbst schon Gast bei Veranstaltungen des Alt-OB, unlängst etwa bei „Ude & Friends“ im Prinzregententheater. „Persönliche Freundschaft kennt keine Parteigrenzen“, sagt Ude.

Unerwähnt darf ihm zufolge außerdem nicht bleiben, „dass ich jede Woche mehr als zwei Veranstaltungen für die SPD mache, allerdings in ganz Bayern“. Er werde allen helfen, die „mich darum gebeten haben“. So etwa die SPD-Landtagskandidaten Ruth Waldmann (Milbertshofen), Isabel Zacharias (Schwabing), Michael Ott (Mitte) und Markus Rinderspacher (Ramersdorf). „Ich wüsste nicht sehr viele, die in so vielen Stimmkreisen wie ich Veranstaltungen für die SPD machen“, sagt Ude. Weitere Nachfragen seien jedoch aussichtslos. „Jetzt ist allerdings der Terminkalender voll.“

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Pasing Mein Viertel“.

Sascha Karowski

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