OB-Pflichten noch bis 15. Juli

Ude: Zwei Monate Sonderurlaub für Wahlkampf

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OB Christian Ude beim Stadtgründungsfest mit Tänzern und Wirtschaftsreferent Dieter Reiter.

München - Noch einen Monat lang muss Christian Ude (SPD) in München seine OB-Pflichten verrichten, dann ist Wahlkampf-Zeit. Dazu nimmt Ude zwei Monate Sonderurlaub.

Er bereitet sich auf den Urlaub vor - aber mit Ausspannen hat das überhaupt nichts zu tun … Noch vier Wochen lang ist Christian Ude (65, SPD) als Oberbürgermeister im Amt, bevor er sich voll in den Wahlkampf-Endspurt in Sachen Landtag stürzt - am 15. September steht der Urnengang an. Ude hat sich deshalb extra zwei Monate unbezahlten Urlaub genommen. Zum Wiesn-Anstich am 21. September wäre das Stadtoberhaupt zwar wieder da - wenn es nach seinem Geschmack geht, allerdings nur für maximal sechs Wochen. Denn dann will er ja als Ministerpräsident regieren …

Ab 15. Juli heißt es für Ude Redenschwingen (etwa im Bierzelt in Hohenberg bei Wunsiedel) oder mit Parteifreunden in Nürnberg, München und Augsburg auf Stimmenfang gehen. Etwa mit Peer Steinbrück und der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Es ist das Alternativprogramm zum Amtszimmer im Rathaus, wo Ude Unterschriftenmappen wälzt oder Besprechungen und Konferenzen im Rathaus hält.

Warum darf der OB eigentlich vom 15. Juli bis 15. September Urlaub nehmen, um gegen seinen schwarzen Kontrahenten Horst Seehofer (CSU) zu punkten? „Sonderurlaub für den Wahlkampf steht allen Staatsbediensteten zu. Mit der Regelung sollen Überschneidungen vermieden werden“, sagt er. Und: „Die Regelung gilt genauso für jeden Polizisten oder Lehrer.“ Was Ude für besonders bemerkenswert hält: „Ich muss mir dafür Urlaub nehmen, was die Vertreter der Staatsregierung seit zwei Jahren ununterbrochen in ihrer Dienstzeit machen: Wahlkampf. Dafür können ihnen auch noch ihre Stäbe in den Ministerien und der Staatskanzlei zuarbeiten.“

Ude muss für den Wahlkampf-Urlaub auf rund 12 000 Euro OB-Gehalt verzichten. Bisher haben die Aufgaben als Oberbürgermeister und die Landtags-Pläne viel Zeit beansprucht. Ude: „Ich kann keine Aufsichtsratssitzungen sausen lassen. Ich habe meinen Wahlkampf bislang nur in meiner Freizeit absolviert. Wenn ich als Oberbürgermeister spreche, darf ich nicht in Wahlkampftiraden schwelgen.“ So manche biss-ige Bemerkung rutscht ihm im Stadtrat dann aber doch immer wieder raus … Die bisherige Folge für Ude: „Ich arbeite 60 Stunden die Woche, ich -sitze oft noch bis über Mitternacht zu Hause am Schreibtisch. Das Glas Wein gibt es erst danach, früher war schon um 22 Uhr Zeit dafür.“

So viel verdienen Münchens Bosse!

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Der Tag beginnt schon um halb sechs oder sechs. „Das habe ich aber schon in meinen letzten 20 Jahren als Oberbürgermeister so gehandhabt.“ Das Einzige, was Ude sich und seiner Frau Edith dieses Jahr an Auszeit gegönnt hat, war eine Woche Mykonos in den Pfingstferien. Allerdings: immer erreichbar per Fax … Während des Wahlkampfurlaubs wird Ude das Stadtgeschehen allerdings nicht aus dem Blick verlieren. Er sagt: „Ich kann während dieser Zeit auch in die Vollversammlungen des Stadtrates zurückkommen.“

Zum Wiesn-Anstich am 21. September wäre der Oberbürgermeister ohnehin wieder da. Ob er dann nur noch bis Ende Oktober Stadtoberhaupt bleibt, um dann die Staatskanzlei zu übernehmen - oder doch bis zur Rathauswahl im Frühjahr? Ude: „Ich stelle mich auf beide Szenarien ein. Keiner kann das Wahlergebnis seriös voraussagen. Bei allen Umfragen muss man von einem Swing von je drei Prozent ausgehen.“

Die Amtsgeschäfte wird vor allem Bürgermeisterin und Parteifreundin Christine -Strobl übernehmen. Die sagt: „In den Ferien habe ich schon öfter den OB vertreten, dieses Mal dauert es halt nur länger.“ Und dann grinst sie schelmisch: „Nur beim Anzapfen auf der Wiesn ist er wieder da, was mich ja schon ein bisschen ärgert …“

Johannes Welte

 

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