Udes Donnerwetter: "Ich bin fassungslos"

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OB Christian Ude

Garmisch-Partenkirchen - Am Dienstag soll das Bürgerbegehren gegen die Winterspiel-Bewerbung 2018 anlaufen. Oberbürgermeister Christian Ude findet deutliche Worte.

Der olympische Frieden von Garmisch hielt nur eine Weltmeisterschaft – nüchtern ausgedrückt: zwei Wochen lang. Die WM-Macher hatten kaum das Flutlicht am Gudiberg abgeschaltet, da fuhren die Widersacher der 2018-Bewerbung ihre Computer hoch. Massen-Mailing für die finale Anti-Olympia-Offensive – so wollen sie schnell die nötigen 2000 Unterstützer-Unterschriften für ihr Bürgerbegehren einsammeln. „Stillos“ nennt Münchens OB Christian Ude dieses Vorgehen. Er schickte gestern ein grollendes Donnerwetter ins Werdenfelser Land. Der Adressat ist ausgerechnet ein Genosse: Axel Doering, Ex-SPD-Kreischef, Landratskandidat und jetzt einer der schärfsten Olympia-Gegner.

„Ich bin fassungslos“, sagt Ude der tz. Bereits vor zehn Jahren hatte der OB bei einer Veranstaltung in Garmisch-Partenkirchen für Winterspiele geworben. „Und zwar auf Einladung von Herrn Doering“, erläutert Ude, „er weiß seit 2001, dass dieses Thema ansteht. Doch bis jetzt hat er einen Bürgerentscheid gescheut wie der Teufel das Weihwasser. Ich empfinde es als kurios, so viele Jahre abzuwarten und jetzt plötzlich zu sagen: April, April!“ Nicht nur Ude drängt sich der Verdacht auf, dass Doering & Co. den Zeitpunkt für ihre Attacke ganz bewusst wählten. „Wir haben damit gerechnet“, sagt ein Polit-Insider der tz, „die Strategie der Gegenseite liegt ja auf der Hand: Sie wollen rechtzeitig zum Besuch der Evaluierungskommission noch einen medialen Hammer raushauen.“ Diese IOC-Kontrolleure reisen am nächsten Montag an. Ein Bürgerbegehren, so das Kalkül der Olympia-Gegner, könnte die Kommission als Minuspunkt für München, Garmisch und Berchtesgaden werten.

Daran glaubt Ude freilich nicht – und genausowenig an einen Erfolg der Widersacher bei einem möglichen Bürger­entscheid.

Zunächst einmal brauchen die Initiatoren jetzt rund 2000 Unterstützer – acht Prozent der wahlberechtigten Einwohner von Garmisch-Partenkirchen müssen unterschreiben. Das dürfte den Kritikern allerdings nicht schwer fallen, sie haben in den vergangenen Monaten bereits Adresslisten mit hunderten Sympathisanten gebunkert, wie der Grüne Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann der tz bereits erläutert hatte. Diese Gleichgesinnten sollen jetzt offenbar im Expressverfahren per E-Mail mobilisiert werden.

Eine Volksabstimmung wird im Werdenfelser Land bereits seit mehr als einem Jahr debattiert. Aus dem Gemeinderat kam der Vorstoß, ein Ratsbegehren zu starten. Ganz einfach, um ein für alle Mal Klarheit zu haben, wie die Menschen im Ort zu Olympia stehen. Bei Bürgermeister Thomas Schmid bissen sie damit aber auf Granit. Seine Argumentation: Der Gemeinderat könne seine Pro-Olympia-Beschlüsse nicht mehr zurückdrehen.

Doering und seine Mitstreiter halten dagegen: Die Bevölkerung habe erst sehr spät erfahren, was die Winterspiele 2018 für ihren Ort konkret bedeuten würden. Die Bewerbungs-Bosse hatten die ausführlichen Bewerbungsunterlagen (Bid Book) erst im Januar beim IOC eingereicht.

Am Montag wird es nun ernst – nach den Konkurrenz-Städten Annecy und Pyeongchang nehmen die Olympia-Detektive auch München unter die Lupe. Protest ist programmiert. So soll es unter anderem eine Demo geben (Slogan: „IOC go home“). Aber Ude ficht das nicht an: „Die Gegner wissen, dass sie in der Minderheit sind.“

Uli Heichele, Andreas Beez

Bürgerbegehren: Jetzt wird’s ernst in GAP

Eigentlich sollte das jetzt ja die Zeit zum Genießen und zum Durchschnaufen sein. Garmisch-Partenkirchen nach der Ski-WM, noch ganz im Rausch des riesigen internationalen Lobes.

Aber, weil wir schon vom Rausch reden: Gibt’s jetzt den Kater? Die tz erfuhr: Heute soll das Bürgerbegehren gegen die Winterspiel-Bewerbung 2018 anlaufen. In Garmisch-Partenkirchen wollen die Olympia-Gegner mobil machen und via Unterschriftensammlung verhindern, was sie noch verhindern können. Terminlich passgenau, nämlich eine Woche vor dem Besuch der IOC-Evaluierungskommission, die Bayerns Olympia-Tauglichkeit untersuchen soll.

Axel Doering, Kreisvorsitzender des Bundes Naturschutz und Initiator des geplanten Begehrens, wollte gestern Abend zwar noch nicht über konkrete Inhalte reden. Aber: Er arbeitete zu diesem Zeitpunkt gerade an einer Pressemitteilung, die heute veröffentlicht werden soll. Und, so weit Doering: „Ich habe ja schon vor einiger Zeit gesagt: Wir sind auf einem guten Weg zu einem Bürgerbegehren. Daran hat sich nichts geändert…“ Die tz fragte nach bei Bewerbungs-Sprecher Jochen Färber. Und der sagte das gleiche, was er seit dem vergangenen Sommer im Zwei-Wochen-Rhythmus sagt (nämlich immer dann, wenn wieder mal vom unmittelbar bevorstehenden Bürgerbegehren die Rede ist): „Wir nehmen diese Sache ernst. Aber bevor wir eine konkrete Antwort geben, müssen wir erst einmal die konkrete Fragestellung kennen.“

Die Frage, die in dem Bürgerbegehren zur Diskussion steht, muss einer juristischen Überprüfung standhalten – was Insider immer schon für eine hohe Hürde gehalten haben. Denn: Auch per Bürgerbegehren kann man nicht einfach so beschließen, gegen bestehende Verträge zu verstoßen.

Thomas Schmid, Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen, sagt der tz: „Das ist jetzt die x-te Ankündigung. Sollte es tatsächlich zu einem Bürgerbegehren kommen, dann wird die Sache juristisch überprüft werden. Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass das Thema in Bausch und Bogen zu Gunsten der Bewerbung ausgehen wird. Wir fangen jetzt nicht an zu hyperventilieren.“ Auch nicht angesichts des bevorstehenden Besuchs der Evaluierungskommission. So oder so: Die Sportwelt bleibt gelassen. Alfons Hörmann, Präsident des deutschen Skiverbands, sagt der tz: „Es ist das gute Recht der Olympia-Kritiker, die Stimmung im Ort auszuloten. Ob das sinnvoll ist, muss allerdings jeder Bürger selbst bewerten.“ Hörmann erinnerte daran, dass die Bewerbungsgesellschaft ein sehr nachhaltiges und schonendes Umweltkonzept vorgelegt habe: „Wenn es zu einem Bürgerbegehren kommt, dann treten wir mit guten Karten an.“

bez, hei

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