Udes Trip an den Bosporus: Istanbul holt Rat 

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Superstar Christian Ude: In Istanbul wollten die begeisterten Studenten Autogramme seines Buches, in dem er über seine Türkei-Erfahrungen berichtet.

Istanbul - Eine Münchner SPD-Delegation, angeführt von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, stattete der türkischen Millionenmetropole einen Besuch ab. So lief der Trip ab.

Die coolste Stadt der Welt zeigt sich kühl beim Besuch Christian Udes und seiner Münchner SPD-Abordnung: Grau ist die Stadt am Bosporus. Am umtriebigen Gastgeber Mustafa Sariguel liegt es nicht, denn er legt seinen bayerischen Freunden „sein“ Sisli quasi zu Füßen.

Der Bürgermeister dieses wohlhabenden 300 000-Einwohner-Stadtteils ist Sozialdemokrat, einer, der an der „türkischen SPD“ verzweifelt, der CHP. Dabei hält er sich für den aussichtsreichsten Herausforderer von Minister­präsident Tayyip Erdogan. Die tz war mit dabei in der Türkei.

Hier in Istanbul bestätigen sich sozialdemokratischen Kandidaten gegenseitig ihre Fähigkeiten. Dieter Reiter, der Ude im Rathaus nachfolgen will, wird von Sariguel scherzhaft zu einem Wahlkampf-Praktikum eingeladen: Er schlägt Rundfahrten mit Lautsprecherwagen vor und frühmorgendliche persönliche Hausbesuche bei den Bürgern. Reiter und seine Ehefrau Petra grinsen …

Nun drängt Sariguel weiter. Er will Ude den Studenten präsentieren, die sich im brechend vollen Hörsaal versammelt haben. Ude bremst: Nein, es sei keine ausgemachte Sache, dass er der künftige Ministerpräsident sei: „Bisher waren die Chancen unserer Partei da immer eher trostlos, meine Kandidatur ist viel mehr mit Risiken und Ungewissheiten belastet als die von Dieter Reiter.“

Der Weg zum Hörsaal ist gesäumt von riesigen Bannern mit Udes Konterfei und türkischen Worten. Sie werben für ein Buch mit gesammelten Ude-Geschichten. Die Studenten wollen sich ein Autogramm sichern, dem OB gehen die fremden Vornamen beim Signieren nicht so flüssig von der Hand. Bei der Lektüre werden die jungen Leute erfahren, wie Ude „vor exakt 40 Jahren“ ins ferne Ostanatolien nach Pülümür reiste und dort lebenslange Freundschaft mit der Aleviten-Familie Kilic schloss. Ein Vorbild für Sariguel ist Willy Brandt, für ihn hat er im „Garten der Revolution“ ein Bronzedenkmal aufstellen lassen. Als es 2007 enthüllt wurde, waren die Münchner natürlich mit dabei.

Diesmal werden – begleitet von einem Pulk örtlicher Pressefotografen – nach einer Gedenkminute rote Nelken niedergelegt. „Ich habe Brandt persönlich kennengelernt, als er in Istanbul war“ – darauf ist Sariguel endlos stolz. Ude rühmt die gelebte Toleranz in Sisli. Auch das Zusammenleben verschiedener Religionen funktioniert hier besser als anderswo im Land. So besuchen Ude und Sariguel einen evangelischen Friedhof und die feierliche Wiedereröffnung der armenisch-orthodoxen Kirche S. Lusavoric. Delikater Höhepunkt: Ude und Sariguel kochen zusammen. Der Termin am Herd wurde für Edith von Welser-Ude organisiert. Sie konnte wegen rasender Rückenschmerzen nicht mitreisen. Das war aber auch der einzige Wermutstropfen der Reise.

B. Wimmer

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