Kosten erstattet – Fan darf Ticket dennoch behalten

Udo-Jürgens-Karte ist gerettet

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Dietmar Gaiser (li.) und Werner Müller mit Bildern von Udo Jürgens.

München - Werner Müller (48), Mechaniker aus München, wendet sich an das Team des tz-Bürgeranwalts. Es geht um eine verschenkte Udo-Jürgens-Karte.

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Erlauben Sie mir, dass ich heute etwas persönlicher werde, als ich normalerweise an dieser Stelle bin. Aber im Zusammenhang mit der Geschichte über das ausgefallene Udo-Jürgens-Konzert gingen mir viele Erinnerungen durch den Kopf.

Das erste Mal traf ich Udo in den Anfangsjahren der tz auf einer Party, die deren damaliger Verleger veranstaltete. Dann war ich als Reporter bei mehreren seiner Konzerte vor und hinter der Bühne dabei. Und natürlich habe ich ihn im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit beim Bayerischen Fernsehen immer wieder getroffen und interviewt. Er war kein einfacher Interviewgast. Er konnte ungehalten reagieren, wenn er die Fragen unpassend fand. Trotzdem verband uns eine über die Jahre andauernde gute Bekanntschaft. Dazu gehörte auch, dass er auf Interviewanfragen von mir meist positiv reagierte. Sogar in Fällen, in denen ihm sein Umfeld abgeraten hatte.

Großen Eindruck machte es auf mich immer wieder, wenn er ins Studio kam. Er, der große Star, begrüßte jeden mit Handschlag und stellte sich brav mit seinem vollen Namen vor. Als wenn wir, angefangen bei der Maskenbildnerin bis hin zum Kabelträger, nicht alle gewusst hätten, wen wir vor uns haben. Mit seiner Geste sagte er uns: Ich bin heute euer Gast und als solcher stelle ich mich vor. Zum Abschied das Gleiche. Er gab jedem, der an seinem Auftritt mitgearbeitet hatte, die Hand. Diesmal verbunden mit ein paar Dankesworten. Man könnte zwar meinen, das gehört sich. Aber ich erlebte viele Gäste, die weniger große Stars waren und sich weder vorstellten noch bedankten.

Diesmal verabschiedet er sich nicht aus dem Studio. Diesmal hat er sich für immer verabschiedet. Und jetzt ist es an uns, zu sagen: Danke Udo.

Dietmar Gaiser

Udo-Jürgens-Karte ist gerettet

Der Vater meiner Freundin ist ein großer Fan von Udo Jürgens. Deswegen kauften wir ihm zu Weihnachten eine Konzertkarte für den Auftritt des Künstlers in der Münchner Olympiahalle. Das Geschenk war goldrichtig. Der alte Herr freute sich wahnsinnig. Aber dann starb Udo Jürgens und das Konzert wurde abgesagt. Eigentlich hätten wir die Karte jetzt zurückgeben können. Meine Freundin und ich brachten es aber einfach nicht fertig, dem alten Herrn sein Weihnachtsgeschenk wieder abzunehmen. Durch die vielen Gespräche und Überlegungen war inzwischen auch so viel Zeit vergangen, dass der Rückgabetermin verstrichen war. Können Sie uns helfen, das Geld für die Karte doch noch zurückzubekommen?

Werner Müller (48), Mechaniker aus München

Als wir uns mit Werner Müller in Verbindung setzten, erfuhren wir den ganzen Hintergrund der Geschichte. Der Vater seiner Freundin ist mehr als 80 Jahre alt. Er hat unzählige Platten von Udo Jürgens gesammelt, da aber seine Frau krank ist und laute Musik schlecht verträgt, kann er zu Hause die Platten nur sehr selten hören. Deswegen wäre ein Konzert, bei dem er die Musik ungetrübt genießen kann, ein wunderbares Geschenk für ihn gewesen. Als das Konzert abgesagt wurde, war der Vater so traurig, dass er das Erinnerungsstück daran, also die Karte, rahmte und sie sich über das Sofa hängte. Es wäre also wirklich sehr schwer gewesen, dem alten Herrn klarzumachen, dass er die Karte wieder abgeben muss.

Wir erzählten diese Geschichte dem Veranstalter des Konzerts und der Ticketagentur. Beide waren tief beeindruckt von so viel Liebe und Verehrung für den großen Star. Aber rechtlich gesehen hatten Herr Müller und seine Freundin keinen Anspruch auf Vergütung, denn erstens war der Termin verstrichen, zweitens hätten sie dann die Karte zurückgeben müssen

Trotzdem drückten der Veranstalter und die Kartenvertriebsagentur beide Augen zu. Werner Müller und seine Freundin bekommen nach der Intervention des Bürger-anwaltes den Kaufpreis von 128 Euro für die Eintrittskarte zurück. Diese Ausnahme werde aber nur gemacht, so betonten die Verantwortlichen ausdrücklich, weil sie so viel Liebe und Verehrung für einen Star tief beeindruckt habe.

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