Über 1300 Münchner warten auf einen Schrebergarten

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Paradiese mitten in der Stadt: Die 8600 Schrebergärten Münchens sind immer begehrter – etwa hier in der Kleingartenanlage an Petuelring/Schleißheimer Straße

München - Immer mehr Gartler in spe warten auf ihr Fleckerl Grün. 1300 stehen momentan auf der Liste. Wartezeit: vier bis zehn Jahre!

Frische Äpfel am Baum, knackiger Salat im Beet, dazu Ruhe und Entspannung: Seit dem Jahr 1905 sind Kleingärten die grünen Oasen in der Betonwüste der Stadt. Und sie werden bei den Münchnern immer beliebter. Vor allem junge Familien besinnen sich in Zeiten häufiger werdender Lebensmittelskandale wieder auf die Vorzüge selbst angebauten Gemüses. Und bei Kosten von 300 bis 400 Euro im Jahr sind die Gärten auch für kleinere Geldbeutel erschwinglich. Doch die Popularität birgt ein Problem. Es gibt einfach nicht genügend Flächen in der Stadt. Die Folge: Immer mehr Gartler in spe warten auf ihr Fleckerl Grün. 1300 stehen momentan auf der Liste. Wartezeit: vier bis zehn Jahre!

Neue Siedlungen anzulegen ist allerdings alles andere als einfach. „Es ist fast unmöglich, bei diesen Grundstückspreisen noch Flächen zu bekommen“, sagt Fritz Kapp, Zweiter Vorsitzender des Kleingartenverbands München. Dabei profitierten alle Münchner von den Kleingärten. Sie bieten bessere Luft, Ruhe, sowie Heimstatt vieler Tiere und Pflanzen. Kapp: „Sie sind die grüne Lunge der Stadt.“

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Und die ist überraschend groß: Auf mehr als 2,5 Millionen Quadratmeter, mehr als sechsmal so viel wie die Theresienwiese, verteilen sich die 83 Anlagen mit insgesamt 8600 Parzellen. Und bald könnten es trotz horrender Grundpreise etwas mehr werden. Bestehende Kolonien sollen ausgebaut werden, neue sollen entstehen. „In Freiham ist eine neue Anlage im Gespräch“, sagt Kapp. Auch für ein Areal an der Hochäckerstraße gibt es Überlegungen. Noch liegen diese Pläne allerdings brach.

Also heißt es warten. Und zwar für alle. „Spezl-Wirtschaft gibt es bei uns nicht“, sagt Kapp. Auch der 71-Jährige hat viel Geduld gebraucht. Vier Jahre stand er auf der Liste, bis er 1978 endlich seine Parzelle auf der sogenannten Jubiläumsanlage an der Drygalski-Allee bekommen hat. Seitdem werkelt der ehemalige Elektromeister Jahr für Jahr im Garten, sät Sellerie, pflanzt Paprika, erntet Erdäpfel.

„Die Liebe zur Natur muss da sein“, sagt er, „und der Wille, sich mit Pflanzen zu beschäftigen.“ Einfach nur eine Hecke um den Garten ziehen und einen großen Grill reinstellen, gehe nicht. So wollen es nicht nur die Kleingärtner selbst. Das Bundeskleingartengesetz schreibt vor, dass mindestens ein Drittel des Gartens mit Obst und Gemüse bepflanzt sein muss. Und darüber wachen Kapp und seine Kollegen wie die Schießhunde. Ordnung muss sein. Schließlich haben alle lange darauf gewartet.

Tobias Gehre

Das gedeiht auf dem Balkon

Wer nicht Jahre auf einen Kleingarten warten will, kann auch den heimischen Balkon in ein grünes Paradies verwandeln. Auch hier lässt sich allerlei Schmackhaftes und Gesundes anpflanzen. Gärtnerin Christine Back aus Laim erklärt in der tz, was wie wann am besten wächst. Ob Salbei, Rosmarin, Thymian oder Petersilie: Kräuter sind nicht sonderlich anspruchsvoll, brauchen wenig Platz und sind daher für den Balkon prädestiniert. Genügend Sonne sollten sie allerdings schon abbekommen. Auch Gemüse wie Radieschen, Salat oder Tomaten fühlen sich auf dem Balkon wohl. Frost müssen Balkon-Gärtner heuer eigentlich nicht mehr fürchten. Wer auf Nummer sicher gehen will, wartet mit wärmebedürftigen Gewächsen wie Basilikum, Gurke oder Zucchini bis nach den Eisheiligen. Werden dann noch der Boden aufgelockert und die Pflänzchen mit organischem Dünger gefüttert, steht dem Ernteerfolg nichts mehr im Wege.

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