Öffentlicher Dienst

Öffentlicher Dienst: 3500 streiken vor Finanzministerium

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Vor zwei Wochen waren es nur 1000 Beschäftige des öffentlichen Dienstes – doch am Donnerstag zogen schon 3500 Menschen von der Uni zum Finanzministerium.

München - Mit so vielen Teilnehmern hat die Gewerkschaft nicht gerechnet! Über 3500 Arbeitskräfte aus dem öffentlichen Dienst sind am Donnerstag in München auf die Straße gegangen!

Sie versammelten sich vor dem Finanzministerium und forderten mehr Lohn. Gleichzeitig wehrten sich die Betroffenen gegen Kürzungen in der betrieblichen Alterversorgung. Verdi hatte Beschäftigte von Unikliniken, Autobahn- und Straßenmeistereien, Theatern, Verwaltungen, Gerichten, Hochschulen und diversen Behörden zu Warnstreiks aufgerufen. In München waren die Auswirkungen vor allem an den Unikliniken zu spüren. Im Rechts der Isar waren nach Verdi-Angaben nur sechs von 30 Operationssälen belegt, in Großhadern lediglich sieben von 20. Die Versorgung sei aber sichergestellt gewesen. Der stellvertretende Landesbezirksleiter von Verdi, Norbert Flach, war erstaunt über die vielen Teilnehmer: „Wir hoffen, dass das die Arbeitgeber zum Überdenken ihrer Positionen bringt.“ Die Gewerkschaften verlangen 5,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 175 Euro zusätzlich. In der tz sprechen die Angestellten:

Wir retten Menschenleben

Sabine Johann (26), Dajana Beer (22), Marina Müller (27) und Maria Warmuth (25) aus Regensburg: "Wir sind Kolleginnen und arbeiten als OP-Schwestern in der Uni-Klinik in Regensburg. Weil wir in der Herzchirurgie täglich Menschenleben retten, unzählige Überstunden schieben und auch schon mal 23 Stunden am Stück arbeiten, haben wir mehr Geld verdient. Bei uns bleibt heute ein OP-Saal geschlossen."

Es geht um die Versorgung

Elke Preiss (43), Polizistin aus Deggendorf: "Gemeinsam mit 20 Kollegen bin ich heute aus Niederbayern angereist, um für unsere Versorgung zu kämpfen. Ich arbeite im Vorzimmer meines Chefs. Bei uns läuft alles zusammen. Wir sind mehr wert, weil wir genauso viel arbeiten wie unsere verbeamteten Kolleginnen und Kollegen."

München ist zu teuer

Sebastian Fürst (22), Bühnentechniker aus München: "Heute wäre eine Vorstellung im Prinzregententheater, die ich zusammen mit acht anderen Mitarbeitern als Bühnentechniker begleiten müsste. Auf uns muss man heute verzichten, weil wir die schlechte Bezahlung nicht mehr hinnehmen. Mit meinem Gehalt bei einer 44,5 Stundenwoche kommt man in München einfach nicht weit – auch wenn ich nur eine kleine Wohnung habe. Und jetzt will man uns auch noch die Renten kürzen!"

Ich helfe meinen Kollegen

Werner Preisinger (60), Kartograf aus Ebersberg: "In unserem Fall geht es hauptsächlich um die Verlagerung des Berufsstandortes. Insgesamt sollen 190 Leute des Landesvermessungsamtes von München nach Hof ziehen. Mich persönlich betrifft es zwar nicht mehr, für meine jüngeren Kollegen gehe ich aber heute selbstverständlich auf die Straße. Auch unsere betriebliche Altervorsorge wollen wir verteidigen. Die Renten fallen sowieso schon viel zu niedrig aus."

Fairer Lohn für faire Arbeit!

Malte Hauß (34), Förster aus München: "Warum ich heute hier bin? Das ist schnell erklärt: Ich fordere fairen Lohn für faire Arbeit! Das Leben wird immer teurer. Ganz speziell der Münchner Wohnungsmarkt ist eine Katastrophe. Nur die Löhne entwickeln sich nicht mit. Ich bin kein Beamter wie einige meiner Kollegen, mache aber denselben Job. Die Unterschiede in der Bezahlung sind gravierend. Das wollen wir nicht hinnehmen. Nur wenn man sich bemerkbar macht, kann man etwas verändern."

Wir halten für andere den Kopf hin!

Michael Killer (34) & Oliver Vogl (50, r.) aus München: "Unser bei der Situation ist ähnlich. Der eine hat eine Familie, der andere will gerade eine gründen. Aber wie soll das hier in München gehen? Das ist mittlerweile nicht mehr finanzierbar! Die 5,5 Prozent mehr Lohn wären da ein Anfang. Schließlich halten wir als Feuerwehrmänner für andere den Kopf hin."

Johannes Heininger

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