Über dieses Plakat diskutiert München

"Mein Sohn ist zum Glück noch zu jung, um mich nach der Bedeutung zu fragen. Ich wüsste nicht, wie ich einem älteren Kind über eine Gummipuppe dieses ernste Thema näherbringen und erklären soll. Prinzipiell finde ich es gut, wenn in solch einem Fall provoziert wird – nur so bekommt man Aufmerksamkeit. Vielleicht hätte das Motiv weniger drastisch sein können. (Carolin U. (36), Mutter eines Sohnes (2)
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"Mein Sohn ist zum Glück noch zu jung, um mich nach der Bedeutung zu fragen. Ich wüsste nicht, wie ich einem älteren Kind über eine Gummipuppe dieses ernste Thema näherbringen und erklären soll. Prinzipiell finde ich es gut, wenn in solch einem Fall provoziert wird – nur so bekommt man Aufmerksamkeit. Vielleicht hätte das Motiv weniger drastisch sein können. (Carolin U. (36), Mutter eines Sohnes (2)

Es gibt gute Gründe, warum der Gesetzgeber Jugendliche unter 18 Jahren vor den allzu eindeutigen Sortimenten eines Sexshops schützt.

In München ist das gerade ganz anders. Dort muss man nur durchs U-Bahn-Untergeschoss (zum Beispiel am Sendlinger Tor) laufen oder an der Bushaltestelle stehen. Und schon drängt sich ein Sexshop-Artikel der abstoßenden Art auf – unübersehbar im Großformat: Ein Puppengesicht mit blondem Engelshaar und rosa Schleifchen – dem ersten Anschein nach kaum älter als 14 Jahre, den grausig rotgeschminkten Gummi-Mund wollüstig aufgerissen. Ein Blondchen für schlichte Ansprüche. Ein Bild, das Touristen aus aller Welt sprachlos zurücklässt und Eltern mit Kindern in Erklärungsnöte stürzt.

Dabei steht das traurige Sexsymbol („Die einzige, die Mann vorher nicht fragen muss“) für eine wirklich wichtige Sache, die sich allerdings erst auf den zweiten Blick erschließt. Die Puppe ist das Zugpferd einer bewusst auf Provokation zielenden Plakat-Kampagne des Münchner Frauennotrufs gegen Gewalt gegen Frauen. Zu sehen noch bis 9. Dezember auf 30 Werbeflächen in U- und S-Bahnen und 40 Großflächen entlang vielbefahrener Straßen wie etwa der Arnulfstraße.

Die Anzeigenkampagne wurde von der Werbeagentur brand.david entwickelt, die zumindest ihr Ziel erreicht hat: Das Puppengesicht polarisiert und löst heftige Diskussionen aus über die Frage, wie weit Aufklärungsarbeit gehen darf.

Manch einem geht dieser unschöne Anblick – noch dazu in der Adventszeit – einfach zu weit. Wie zum Beispiel dem kulturpolitischen Sprecher der CSU-Rathausfraktion, Richard Quaas: „Bei allem Respekt und aller Anerkennung für die Arbeit des Frauennotrufes halte ich dieses Plakat für absolut geschmacklos. Und ich zweifle daran, ob es nur einer einzigen Frau hilft, auch wenn es nur eine Diskussion anstoßen will.“

Zur Adventszeit habe es erst recht nichts an den öffentlichen Plakatwänden zu suchen. Quaas: „Der zuständige Ausschuss sollte sich mit der Frage beschäftigen, ob in diesem Fall die städtischen Zuschussgelder für den Frauennotruf vernünftig verwendet wurden.“

we/dop

Quelle: tz

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