Von wegen nur die Jungen sind gefragt

Über 50: So klappt's mit einem neuen Job

München - Völlig nutzlos! So fühlen sich viele Menschen über 50, die keine Arbeit mehr finden. Im Großraum München gibt es zur Zeit 5100 ältere Langzeitarbeitslose! Ihnen soll jetzt mit einer neuen Einrichtung geholfen werden.

Völlig nutzlos! So fühlen sich viele Menschen über 50, die keine Arbeit mehr finden. All die Lebenserfahrung, Jahrzehnte im Beruf. Und plötzlich braucht einen niemand mehr. Sie fühlen sich abgehängt, aussortiert, auf dem Abstellgleis – und manche trauen sich gar nicht mehr, Bewerbungen zu verschicken. Allein im Großraum München gibt es zur Zeit 5100 ältere Langzeitarbeitslose! Ihnen soll jetzt mit einer neuen Einrichtung geholfen werden: Die gemeinsame Initiative Z.I.E.L.50plus der Jobcenter München, Ebersberg, Bad Tölz, Freising, Erding und Starnberg wurde gezielt gegründet, um älteren Arbeitssuchenden zurück ins Erwerbsleben zu helfen. Gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales richtet sich das Projekt gezielt an ältere Menschen, die Arbeitslosengeld II beziehen (Kontakt: Tel. 089/ 54 49 18 150, www.ziel50plus.de, Mail Email: info@ziel50plus.de). Hier werden sie bei der Jobsuche beraten, bekommen Angebote vermittelt und werden auf Wunsch sogar nach der Zusage weiter begleitet. Viele Unternehmen stellen sogar sehr gerne „alte Hasen“ ein – eben wegen der größeren Lebens- und Berufserfahrung. Zudem profitieren die Firmen von einer altersgemischten Belegschaft: So verbinden sich Elan der Jüngeren und die Erfahrung der Älteren. Die tz hat mit fünf Unternehmen gesprochen, die genau aus diesen Gründen gezielt ältere Mitarbeiter suchen. Erfahrung zählt eben doch!

Wichtige Tipps bei der Jobsuche

Mit diesen Tipps wird die Jobsuche für ältere Bewerber zum Kinderspiel. Brigitte Oblinger, Projektkoordinatorin von Z.I.E.L.50plus verrät, auf was Sie achten sollten:

Nur Mut! Gerade Menschen, die lange aus dem Berufsleben draußen sind, trauen sich nicht mehr viel zu. „Seien Sie selbstbewusst“, rät die Expertin. „Keiner kann verlangen, dass jemand im neuen Job gleich alles kann!“

Stärken finden: Ältere Menschen haben auch neben dem Beruf viele Erfahrungen, sogenannte Softskills wie Teamkompetenz und Organisationstalent, sammeln können – etwa die Sekretärin, die ehrenamtlich Senioren beim Einkaufen half. „Sammeln Sie konkrete Beispiele und schreiben Sie das in die Bewerbung.“ Am besten auf der dritten Seiten in der Bewerbungsmappe.

Suche ausdehnen: Begrenzen Sie Ihre Jobsuche nicht nur auf Ihren ursprünglichen Beruf. „Bewerben Sie sich auch für Stellen, die Sie nicht gelernt haben, aber sich zutrauen.“ Manche Arbeitgeber überzeugt genau diese Zielstrebigkeit!

Hilfe bei der Mappe: Bei der schriftlichen Bewerbung kann man sich in den Jobcentern helfen lassen, hier wird nach Anmeldung beraten oder beim Scannen von Zeugnissen geholfen.

Lücken im Lebenslauf kaschieren: Gerade ältere Bewerber haben oft Lücken im Lebenslauf. „Füllen Sie diese möglichst mit außerberuflichen Tätigkeiten auf“, rät Oblinger – etwa ehrenamtlichen Tätigkeiten, Kinderbetreuung etc. Weiterer Tipp: Geben Sie im Lebenslauf nur Jahreszahlen an und lassen Sie die Monate weg. „2009 – 2010“ hört sich länger an als „Dezember 2009 bis Januar 2010“.

Zeugnisse zusammensuchen: Wer im Laufe der Jahre nicht mehr alle Arbeitszeugnisse oder -nachweise beisammen hat, sollte nicht zögern, bei den alten Arbeitgebern nachzuhaken.

Das optimale Foto:  Am Bewerbungsfoto sollte man nicht sparen! „Achten Sie auf gute Qualität“, sagt die Expertin. „Wenn ältere Menschen nicht richtig ausgeleuchtet sind, sehen sie älter und müder aus, als sie sind.“ Schwarz-Weiß-Fotos schmeicheln generell mehr. Zudem sollte das Foto nicht älter als drei bis vier Monate sein.

Kein Rückporto beilegen: „So signalisieren Sie, dass Sie sowieso mit einer Absage rechnen.“ Wer wenig Geld für Mappen hat, erhält finanzielle Hilfe.

Das richtige Outfit: Hier gilt: Weniger ist mehr! „Verzichten Sie auf eine wallende Haarpracht“, rät Brigitte Oblinger. Tragen Sie seriöse Kleidung, die Ihnen schmeichelt und am besten das gleiche Outfit auch beim Vorstellungsgespräch.

Souveränes Auftreten: Treten Sie im Vorstellungsgespräch selbstbewusst auf. „Halten Sie immer Blickkontakt mit dem Gesprächspartner.“ In brenzligen Situationen hilft die Flucht nach vorne: „Wenn der Arbeitgeber etwa eine echte Lücke im Lebenslauf entdeckt, sagen Sie ehrlich, dass Sie sich da zwei Monate Auszeit genommen haben, um sich neu zu sortieren.“

Praktikum anbieten: Wer im Vorstellungsgespräch das Gefühl hat, es fehlt noch das letzte Quäntchen Überzeugung: Schlagen Sie vor, ein Praktikum zu absolvieren. Aber: „Bieten Sie das deshalb auf keinen Fall schon im Anschreiben an.“

Zuversichtlich sein: Auch wenn Absagen ins Haus flattern: Stecken Sie nicht den Kopf in den Sand. Die Expertin: „Nehmen Sie Absagen nicht persönlich und denken Sie immer daran, was Sie wert sind!“

Mechanik/Elektronik

Gleich 86 freie Stellen hat die Personaldienstleistungsfirma Socco Group zur Zeit zu vergeben – die sollen möglichst mit Über-50-Jährigen besetzt werden. „Altere Mitarbeiter gehen ganz anders an die Arbeit ran, sind sehr zuverlässig und die Firmen profitieren von der Erfahrung“, erklärt Vertriebsleiter Johann Schmidbauer. Für seine Kunden in den Bereichen Medizinherstellung, Elektronik, Logistik und Metallbereich werden aktuell in Vollzeit mit Option auf Übernahme unter anderem gesucht: fünf Feinmechaniker, zwei Kfz-Mechatroniker, zwei Lageristen, sieben Maler und Lackierer, zwei Buchhalter, zwei Staplerfahrer, sechs Dreher, drei Drucker, fünf Maschinenbediener, fünf Metall-Facharbeiter, vier Elektroniker, zwei Werkzeugmacher, zwei Schweißer, drei Mechatroniker und zwei Schlosser.

Reinigungskräfte

Wolfram Wittmann (54) leitet das Dentallabor Wiesmaier & Wittmann in der Euckenstraße (Westpark). Bisher reinigte ein älteres Ehepaar sein Labor: Annemarie (63) und Heinrich Meyer (72). Aus gesundheitlichen Gründen müssen die Meyers aufhören, nun sucht Wittmann Ersatz. Teppiche und PVC-Böden sollte die Reinigungskraft zwei Mal die Woche gründlich säubern. Wittmann wünscht sich dafür gezielt über 50-jährige Mitarbeiter: „Ältere Mitarbeiter sind besonders pflichtbewusst und zuverlässig. Das ist auch eine Frage der Generation.“ Für Wittmann zählen vor allem „Lebenserfahrung und fachliche Erfahrung.“ Außerdem, so Wittmann: „Ich bin ja selbst schon über 50 …“

Freie Verkäufer

Beim Magazin Biss dürfen sich ohnehin nur Über-40-Jährige bewerben, die zudem bedürftig sind – etwa Arbeitslosengeld II beziehen. Jeder Bewerber fängt als freier Verkäufer an, bekommt zehn Ausgaben gratis. Alle folgenden Hefte kauft er für 1,10 Euro ein und verkauft sie für 2,20 Euro – die Differenz darf er behalten. Wer an zwei aufeinanderfolgenden Monaten 400 Ausgaben verkauft, bekommt wie Christian Zimmermann eine Festanstellung und verdient zwischen 700 und 3000 (!) Euro brutto. Zur Zeit gibt’s 42 festangestellte und etwa 55 freie Verkäufer bei Biss, etwa zehn werden als Verstärkung gesucht.

Chauffeure

Die FPS Flotten-Personal Service GmbH sucht gerade zehn Chauffeure und nochmal zehn Fahrzeugpfleger in Voll- oder Teilzeit. Die Firma vermittelt Personal an Autovermieter wie Sixt – und stellt am liebsten Menschen im Alter 50 plus ein. „Gerade im Kundenkontakt und bei der Autopflege glänzen ältere Angestellte“, sagt Personalreferentin Sabrina Weizenbeck. Aber auch fachlich haben es gerade Mitarbeiter über 50 oft besonders drauf: „Unsere älteren Mitarbeiter kennen sich in der Sache aus, haben Erfahrung mit Autos, sind zuverlässig.“ Und: „Sie stehen mit beiden Beinen im Leben – das hat viele Vorteile.“

Metzger und Verkäufer

vinzenzmurr-Chef Markus Brandl sucht händeringend nach Personal: Allein für die Filialen in München hat er 12 Stellen für Fleisch- und Wurstfachverkäufer und 18 Stellen für Metzger zu besetzen! Der Unternehmer hofft auf ältere Bewerber: „Unsere Kunden sind bunt gemischt – bei uns kauft der Schüler wie der Senior ein. Da sollte auch das Team in den Filialen vom Alter her möglichst homogen sein“ Die Jobs sind in Voll- und Teilzeit zu vergeben, es winken sogar unbefristete Verträge. Brandl: „Für uns zählt die Einstellung zum Beruf.“

Aushilfen am Markt

Auf dem Viktualienmarkt haben die Standlbetreiber insgesamt 40 Jobs zu vergeben – auch hier zählt man auf die älteren Semester. Elke Fett, Sprecherin der Marktleute, braucht für ihr Duftschmankerl-Standl eine Aushilfe, die stundenweise an drei Tagen die Woche da ist. Verdienst: 10 Euro netto die Stunde. Die Gärtnerei Schuster sucht für ihr Standl eine Floristin. Auch an anderen Ständen hängen Plakate mit Jobangeboten. Bitte direkt bei den Standln nachfragen!

Christina Meyer, Simon Tischer

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