Überfälle auf Autofahrerinnen

Hohe Haftstrafen für Räuberpärchen

München - Es waren brutale Überfälle auf Frauen: Die Opfer wurden in ihren Autos gefesselt und beraubt. Das angeklagte Räuber-Pärchen wurde nun zu hohen Haftstrafen verurteilt.

Im Prozess gegen ein wegen erpresserischen Menschenraubs angeklagtes Paar hat das Landgericht München I am Mittwoch das Urteil gesprochen. Der Haupttäter Richard H. (37) muss für zwölf Jahre hinter Gitter. Seine Komplizin und Lebensgefährtin Beata V. (27) wurde zu einer Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte für Richard H. die Höchststrafe von 15 Jahren sowie die anschließende Sicherungsverwahrung gefordert. Die Voraussetzungen dafür sah das Gericht jedoch nicht gegeben.

Wie berichtet war das Paar wegen brutaler Übergriffe auf drei Frauen angeklagt. Auf Parkplätzen in Wien, Frankfurt und München überfielen sie die Opfer im Alter zwischen 49 und 72 Jahren und zwangen sie mit körperlicher Gewalt zur Herausgabe ihrer Geldbörsen samt EC-Karten und Pin-Nummern.

Das Opfer aus München, eine 51-jährige Computerspezialistin, wurde besonders schwer verletzt. Sie trat im Prozess als Nebenklägerin auf, war aber nicht persönlich anwesend. Ihre Anwältin machte deutlich, dass die Frau bis heute kein normales Leben führen kann. Sie verbrachte drei Monate in einer psychiatrischen Tagesklinik und ist seitdem in ambulanter Therapie. Ihrem Beruf kann sie nicht mehr nachgehen. Anfangs war sie nicht in der Lage, alleine zum Briefkasten zu gehen. Ihre Türklingel musste abgestellt werden, weil die Frau bei jedem Läuten in Panik geriet. Die Täter hatten sie von einem Parkplatz am Westfriedhof verschleppt und sie im eigenen Auto mehr als eine Stunde lang misshandelt. Allein für diese Tat forderte die Staatsanwaltschaft zwölf Jahre Haft für Richard H., den der Anklagevertreter für hochgefährlich hält. Er kritisierte zudem das überaus respektlose Verhalten des Angeklagten vor Gericht aufs Schärfste.

Am Ende wertete die Kammer das Kerngeständnis beider Täter sowie ihre bisherige Straffreiheit zu ihren Gunsten. Auf der anderen Seite bescheinigte das Gericht ihnen eine „hohe kriminelle Energie“ und sprach von einem „äußerst brutalen Vorgehen“. Der massive Einsatz von Gewalt habe in keinem Verhältnis zu den erwarteten materiellen Vorteilen gestanden. Dennoch, so hieß es in der Urteilsbegründung weiter, seien die Voraussetzungen für die Anordnung der Sicherungsverwahrung nicht gegeben. Nach der Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts hätte Richard H. dafür ein Hang zu schweren Gewalttaten sowie eine hochgradige Gefährlichkeit nachgewiesen werden müssen. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Ann-Kathrin Gerke

Rubriklistenbild: © dpa

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