Angestellte sagen aus

Überfall in der Lindwurmstraße: „Wir hatten Todesangst“

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Mussten aussagen: Susanne R. (li.) und Hildegard J., die im Schreibwaren-Laden Opfer eines Überfalls wurden.

Zwei Angestellte eines Schreibwarenladens wurden Opfer eines brutalen Überfalls. Vor Gericht trafen sie ihren Täter wieder - und machten einen mutigen Auftritt.

München - Es war einer der schlimmsten Tage ihres Lebens. Am 24. Januar wurden Hildegard J. (63) und Susanne R. (30) in der Lindwurmstraße in ihrem Schreibwaren-Laden überfallen. Gestern mussten sie dem Räuber nun erneut gegenübertreten – als Zeugen vor dem Landgericht, wo Rando V. angeklagt ist.

„Er kam reingestürmt und hat sofort die Kasse aus der Verankerung gerissen“, sagt Hildegard J., die am Tag des Überfalls hinter dem Verkaufstresen stand. Der Räuber schlug sie mit der Geldkassette und verletzte sie am linken Oberarm. „Es war das erste Mal, dass wir überfallen wurden“, sagt die Verkäuferin. „Ich hatte Todesangst und bin nur froh, dass nicht mehr passiert ist.“

Zum Glück hörte Junior-Chefin Susanne R. die Hilferufe ihrer Kollegin und eilte aus einem Raum im hinteren Bereich herbei. „Mir war gleich klar: Da ist etwas Schlimmes passiert. Es hatte auch laut gescheppert – ich dachte erst, jemand ist gestürzt.“ Plötzlich stand auch sie vor dem Räuber. „Er kam auf mich zu und schlug mich mit der Kasse auf die Stirn.“ So fest, dass Susanne R. eine Platzwunde erlitt. Blutend sank sie zu Boden. „Ich hatte Angst, dass er noch einmal zuschlägt und sie im Genick erwischt“, sagt Hildegard J. „Aber er rannte raus, in Richtung U-Bahn. Dann rief ich die Polizei.“

Die Frauen akzeptieren die Entschuldigung des Täters

Beamte schnappen Rando V. später. Für die beiden Frauen aus dem Schreibwarenladen ist der Täter kein Unbekannter. „Er hatte öfters bei uns eingekauft“, erinnert sich die Junior-Chefin. Bei seinen Opfern entschuldigte sich der Räuber gestern voller Reue: „Ich bedauere, was ich getan habe. Es war die größte Dummheit meines Lebens. Bitte verzeihen Sie mir.“ Was beide akzeptierten. Über die Begründung der Tat konnten sie danach nur den Kopf schütteln. Denn Rando V. war offensichtlich auf eine Liebeschwindlerin hereingefallen, die der Mann aus Estland nie zuvor gesehen hatte und ausgerechnet in München treffen wollte. Nachdem er ihr tausende Euro überwiesen hatte, versetzte sie ihn. „Ich war in großer Geldnot und wollte nur mein Flugticket bezahlen“, gestand V. über seinen Verteidiger Uwe Paschertz ein. Deshalb beging er den Raub, nun droht ihm eine Haftstrafe.

Hildegard J. und Susanne R. konnten gestern nach dem Prozess schon wieder etwas lachen. „Jetzt sind wir erst einmal froh, dass es vorbei ist“, sagten sie und meinten die kräftezehrende Aussage. Aber auch das konnte die Frauen nicht unterkriegen. Schon einen Tag nach dem Raubüberfall waren sie wieder ganz normal zur Arbeit in den Schreibwarenladen gegangen. „Gab es psychische Folgen“, wollte Richterin Nicole Selzam wissen. Antwort: nein. „Wir haben gleich wieder nach vorne geschaut“, sagen die Frauen. Ein mutiger Auftritt.

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