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Übles Gezerre um einen Buben

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Kinder leiden oft am meisten unter dem Sorgerechts-Streit der Eltern. © dpa

München - Petra M. (Name geändert) hielt sich stets für eine gute Mutter. „Ich habe mich doch immer liebevoll um meinen Sohn gekümmert“, sagt die Münchnerin. „Zehn Jahre lang waren wir ein perfektes Team.“

Ihre Stimme zittert bei diesen Worten. Gut drei Wochen hat sie ihren Sohn nun nicht mehr gesehen. Ihr Ein und Alles. Und warum? Weil bei einem Streit ums Sorgerecht vor dem Münchner Amtsgericht die Richterin urplötzlich entschied: Der Bub kommt zum Vater!

Der Fall von Petra M. ist zweifelsohne merkwürdig: Es geht um Streitereien, um Eifersucht, um Liebe. Und es ist ein Fall, wo jeder die Lösung aus den Augen verloren zu haben scheint. Auch die Richter – zum Leidwesen eines Kindes…

Seit gut eineinhalb Jahren streiten sich Petra M. und ihr Noch-Ehemann um das Sorgerecht des Sohnes. Das Problem: Der Vater fühlt sich benachteiligt, er dürfe sein Kind nur selten sehen, behauptet er. Es wird ein Schlichtungs-Gespräch organisiert, die Beratungsstelle wird eingeschaltet. „Wir haben viel probiert, eine Lösung zu finden“, so Petra M. zur tz. Vergebens! Vater und Mutter werden sich nicht einig, zu groß ist die Abneigung, die Eifersucht. Es kommt zu einem Gerichtstermin Ende November.

Und da passiert es: Obwohl der Bub bis dahin immer bei seiner Mutter lebte, obwohl er selbst vor Gericht äußert, lieber bei seiner Mama bleiben zu wollen und obwohl die Mutter als völlig unbescholtene Bürgerin gilt – entscheidet die Richterin: Der 10-Jährige kommt jetzt zum Vater. Petra M. sei unter anderem zu uneinsichtig, wenn es um das Teilen des Sorgerechts gehe. Eine Lektion?

„Mein Sohn wurde einfach ins Richterzimmer gebracht. Plötzlich durfte ich ihn nicht mehr sehen.“ Der Vater hat – in Absprache mit den Behörden – sogar organisiert, dass er mit seinem Sohn (trotz Schulzeit) eine Woche in den Urlaub darf. Petra M: „Plötzlich stand ich alleine da.“ Seitdem versucht die Mutter, Kontakt zum Sohn aufzunehmen. „Aber niemand geht ans Telefon.“ Sogar die Schule wechselte das Kind auf die Schnelle.

Petra M. wird Weihnachten wohl alleine sein. Zwar hat sie Beschwerde gegen das Urteil beim Oberlandesgericht eingereicht – eine Entscheidung wird es dort erst im Frühjahr 2010 geben. „Aber ich vermisse meinen Sohn doch so, und er vermisst doch auch mich.“ Ein einfaches Gespräch – vielleicht würde es endlich die Lösung bringen…

age

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