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Demonstranten in München protestieren gegen Ukraine-Krieg: „Überleben der Demokratie steht auf dem Spiel“

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Von: Nadja Hoffmann

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Vereint unter der ukrainischen Flagge: Am Stachus fanden sich am Samstag 5000 Menschen ein, um gegen Putins Überfall zu demonstrieren.
Vereint unter der ukrainischen Flagge: Am Stachus fanden sich am Samstag 5000 Menschen ein, um gegen Putins Überfall zu demonstrieren. © Marcus Schlaf

Auch in München sind die Menschen gegen Putin und seinen Invasionskrieg gegen die Ukraine auf die Straße gegangen. Bis auf einen Vorfall am russischen Generalkonsulat verliefen die Proteste am Wochenende friedlich.

München - Blau und Gelb sind die Farben der Ukraine*. Es waren am Wochenende aber auch die Farben, die München* prägten. Das Rathaus erstrahlte in Blau-Gelb, genauso wie die Allianz Arena. Ein Zeichen der Solidarität mit der Ukraine. Bei drei großen Demonstrationen zeigten viele Münchner außerdem, was sie vom Angriff auf Russlands Nachbarland halten.

München: Breite Front gegen den Ukraine-Krieg

Angesichts der schlimmen Bilder in den Nachrichten war die Stimmung am Samstagmorgen auf dem Stachus bedrückt. Viele der 5000 Demonstranten waren geschockt von den Ereignissen, hatten Angst vor einem Krieg in ganz Europa. Die Menschen, die aus der Ukraine stammen, bangten um ihr Heimatland und ihre Lieben. So wie Maryna Mudra, eine der Organisatorinnen der Demo. Die 42-Jährige ist in Kiew aufgewachsen und vor 21 Jahren nach Deutschland gekommen. Ihr Vater und viele Freunde leben noch in der Ukraine. „Meine Heimatstadt erlebt schon die zweite Nacht Bombenangriffe. Es werden Zivilisten getötet“, sagte sie.

Schon seit acht Jahren organisiert Mudra mit anderen Proteste gegen die zunächst schleichende Invasion. „Das ist kein Konflikt mehr, das ist Krieg“, sagte sie. „Das Überleben der Demokratie steht auf dem Spiel.“ Mit dieser Angst ist sie nicht allein. Auch Mila Shirokikh war sichtlich mitgenommen: „Mein Herz ist gebrochen“, sagte die 60-jährige Russin unter Tränen. „Ich kann all das nicht in Worte fassen. Es ist so schrecklich. Putin ist ein Killer.“

Auch vor der Oper wurde am Sonntag protestiert.
Auch vor der Oper wurde am Sonntag protestiert. © Marcus Schlaf

München: Großdemos gegen Ukraine-Konflikt verliefen friedlich

Wie die Großdemo am Stachus verlief auch ein zweiter Protest am Samstag mit 4000 Teilnehmern an der Feldherrnhalle friedlich. Die Friedensbewegung hatte dazu aufgerufen. Einige Redner sprachen ihrer Tradition gemäß davon, dass die Nato auch ein Aggressor sei, dass Deutschland aus der Nato austreten müsse und dass keine Waffen an die Ukraine geliefert werden dürften. Damit stießen sie überwiegend auf Missfallen. Der Großteil der Demonstranten zog weiter vor das russische Generalkonsulat, auf das vereinzelt Flaschen geworfen wurden. Dabei ging ein Fenster zu Bruch. Ein Münchner (28) wurde verhaftet. Am Sonntag folgte eine Mahnwache an der Oper, bei der wieder tausende Menschen ihre Wut gegen Russland zum Ausdruck brachten.

Viele konnten ihre Tränen nicht zurückhalten.
Viele konnten ihre Tränen nicht zurückhalten. © Marcus Schlaf

Ukraine-Konflikt: Anteilnahme und Aktionen im Umland

Nicht nur in der Stadt München, im gesamten Verbreitungsgebiet unserer Zeitung zeigten Menschen ihre Anteilnahme an den Geschehnissen in der Ukraine. So wurde etwa in Peißenberg das Rathaus blau-gelb angestrahlt. In Fürstenfeldbruck riefen am Samstag Gastronomen über die sozialen Medien dazu auf, Spenden für die Ukraine vorbeizubringen. Am frühen Sonntagmorgen rollte bereits ein Hilfskonvoi mit fünf Fahrzeugen zur polnisch-ukrainischen Grenze. „Es war schön zu sehen, dass der Krieg in Europa jetzt das wichtigste Thema für alle ist“, berichtet Florian Weber, einer der Initiatoren und Stadtrat (Die Partei). Eine Mitarbeiterin der Brucker Kult-Kneipe Unterhaus ist Ukrainerin. Sie reiste nach dem russischen Angriff an die Grenze, um ihre Familie in Empfang zu nehmen. So kam die Sache ins Rollen.

„Wir wollten eigentlich zuerst mit nur einem Sprinter losfahren. Aber die Hilfsbereitschaft war der Wahnsinn“, erzählte Weber von unterwegs aus. Derweil will der Ortsverband der Grünen im Tegernseer Tal ein besonderes Zeichen setzen. Am Mittwochnachmittag will er vor die Villa des russischen Oligarchen Alisher Usmanow ziehen – der Milliardär gilt als enger Vertrauter von Russlands Machthaber Putin und bewohnt seit 2014 zeitweise die Prachtvilla am Schorn. Die Kundgebung, so heißt es, werde noch angemeldet. Merle Hubert/Nadja Hoffmann *tz.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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