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Ukraine-Krieg und Inflation führen zu Ansturm auf Münchner Tafel: Das sagen Betroffene

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Von: Julian Limmer

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Die Münchner Tafel erlebt derzeit einen enormen Ansturm - Gründe sind etwa der Ukraine-Krieg und die Inflation.
Die Münchner Tafel erlebt derzeit einen enormen Ansturm - Gründe sind etwa der Ukraine-Krieg und die Inflation. © Markus Götzfried

Der Ansturm auf die Münchner Tafel ist riesig. Neuerdings kommen viele ukrainische Flüchtlinge an die Ausgabestellen – immer öfter aber auch Menschen, die früher als Normalverdiener galten.

München - Derzeit herrscht an allen der 28 Ausgabestellen Hochbetrieb. Über 1000 Menschen stehen auf der Warteliste – und Axel Schweiger, Vorstand der Münchner Tafel, sagt: „Ich denke, dass es einige Wochen dauern wird, bis wir das alles abgearbeitet haben.“ Der Grund: Durch den Krieg in der Ukraine versorgt die Tafel zusätzlich rund 1000 Flüchtlinge. Das macht einen Mehrbedarf von fünf Tonnen Lebensmitteln pro Woche. Dabei waren schon vorher rund 22 000 Menschen wöchentlich gekommen.

Durch die stark steigenden Preise wächst nun auch bei anderen Münchnern die Not. „Die Hilfe, die wir leisten, ist noch existenzieller geworden“, sagt Schweiger. Er schätzt, dass sich viele ohne die Hilfe der Tafel mittlerweile nicht mehr satt essen könnten. Hier sprechen vier Münchner, die erst seit Kurzem zur Tafel in Sendling kommen, über ihre Situation.

Ansturm auf die Tafel in München - das sagen die Betroffenen: Franceska D. (27)

„Ich komme momentan gar nicht mehr über die Runden“, sagt Franceska D. Seit sechs Jahren bekommt sie ihr Geld vom Jobcenter. Ein großer Teil davon geht für Lebensmittel drauf. Als sie dann feststellte, dass die Preise im Supermarkt stark steigen, wurde es eng: „Plötzlich wusste ich nicht mehr, ob ich für die ganze Woche noch genug zu essen habe.“ Das Jobcenter vermittelte D. schließlich zur Tafel – seit rund zwei Wochen kommt sie nun regelmäßig nach Sendling. „Ich habe immer einige Taschen und Boxen dabei – es gibt auch warme Speisen. Das Angebot ist gut!“

Ansturm auf die Tafel in München - das sagen die Betroffenen: Ahmet Aksoy (59)

„Auf einmal rutscht man ab“, sagt Ahmet Aksoy. Bei ihm ging es schnell: Erst wurde er krank, dann arbeitsunfähig. Seit einem Jahr ist er nun Gast bei der Tafel – ohne geht es nicht: „Früher habe ich mit 30 Euro im Supermarkt eine ganz Tüte vollgemacht, das geht nicht mehr!“ Von seiner schmalen Erwerbsminderungsrente von 980 Euro blieben ihm nach Abzug aller Fixkosten nur rund 150 Euro im Monat. Einige Lebensmittel wie Aprikosen kann er sich nicht mehr leisten: „Bei der Tafel bekomme ich jetzt jede Woche ein paar Früchte, die ich über die Woche aufteile.“

Ansturm auf die Tafel in München - das sagen die Betroffenen: Klara (27)

„Große Angst“ bekam Klara, als sie merkte, dass sie plötzlich rund 150 Euro mehr pro Monat für Lebensmittel ausgeben muss, erzählt sie. „Ich weiß ja nicht, wo das enden wird.“ Dann habe ihr vor einigen Wochen auch noch das Jobcenter geschrieben, dass sie künftig ihr Geld vom Sozialamt beantragen müsse. Doch der Wechsel habe gedauert: „Über einen Monat bekam ich gar nichts überwiesen.“ Von der Tafel erhielt sie eine Notversorgung: „Sonst hätte ich wirklich hungern müssen.“ Seit einigen Wochen kommt sie nun regelmäßig zur Tafel.

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Ansturm auf die Tafel in München - das sagen die Betroffenen: Tetiana Kachanova (31)

Als es in der Ukraine zu gefährlich wurde, floh Tetiana Kachanova allein mit ihrer dreijährigen Tochter von Lwiw nach München. Seit Anfang März lebt sie nun in der bayerischen Landeshauptstadt – einen Job hat die gelernte Köchin bisher allerdings noch nicht gefunden. Das Geld ist deshalb knapp, erzählt sie: „Ich bekomme zwar etwas vom Jobcenter, davon musste ich aber erst mal Schuhe, Kleidung und auch Schwimmsachen für meine Tochter kaufen.“ Denn aus der Ukraine hat sie bei ihrer Flucht nur eine Tasche mitnehmen können. „Dass es solche Angebote wie die Tafel hier in München gibt, ist deshalb unglaublich wichtig für uns, damit meine Tochter genügend essen kann“, sagt sie. Dafür sei sie Deutschland sehr dankbar. VON JULIAN LIMMER

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