Zeitgleich auf der Anklagebank

Hoeneß und Krätz: Woche der Steuer-Wahrheit

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Sepp Krätz (r.) muss zeitgleich mit Uli Hoeneß (l.) auf die Anklagebank.

München - Jetzt ist es amtlich: Die spektakulären Prozesse gegen Uli Hoeneß und Sepp Krätz wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe starten in ein und derselben Woche.

Jetzt ist es amtlich: Die spektakulärsten Prozesse des Jahres starten in ein und derselben Woche! Uli Hoeneß (61) und Sepp Krätz (59) müssen sich beide wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe verantworten. Wenn am Donnerstag, 13. März, gegen den Bayern-Präsidenten das Urteil gesprochen wird, nimmt zeitgleich um 9.30 Uhr der Wiesn-Wirt zum ersten Mal Platz auf der Anklagebank. Die beiden prominenten Angeklagten werden sich allerdings nicht in die Quere kommen: Denn das Hoeneß-Verfahren wurde in den größten Saal des Justizpalastes am Stachus ausgelagert. Krätz dagegen muss in das Strafjustizzentrum. Es wird die Woche der Steuer-Wahrheit! Die tz erklärt die zwei Fälle.

Der Fall Hoeneß

Die Summe: Die Staatsanwaltschaft München II wirft Hoeneß vor, 3,2 Millionen Euro Kapitalerträge auf einem Depotkonto bei der Zürcher Privatbank Vontobel nicht versteuert zu haben.

Der Fall: Der Bayern-Präsident hatte sich im Januar 2013 selbst angezeigt und überwies eine Abschlagszahlung von zehn Millionen Euro an den Fiskus. Die Ermittler ließen die Selbstanzeige allerdings nicht gelten, weil sie angeblich unvollständig und übereilt gestellt worden war. Der Haftbefehl gegen Hoeneß war im März 2013 gegen eine Kaution von weiteren fünf Millionen Euro außer Vollzug gesetzt worden.

Kann es für Hoeneß noch ein gutes Ende geben? Fragen und Antworten zum Prozess

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Die mögliche Strafe: Sollten sich die 3,2 Millionen nachweisen lassen, droht Hoeneß Gefängnis. Allerdings gibt es ein juristisches Schlupfloch, das auch Boris Becker schon zugute kam: Demnach könnten die sieben angeklagten Fälle getrennt bestraft werden – etwa mit zwei Jahren auf Bewährung plus saftiger Geldbuße.

Ablauf: Montag, 10.03., 9.30 Uhr - Dienstag, 11.03., 9.30 Uhr - Mittwoch, 12.03., 9.30 Uhr, - Donnerstag, 13.03., 9.30 Uhr.

Der Fall Krätz

Die Summe: Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt bereits seit November 2010 gegen Krätz. Seine Steuerschuld laut Anklage: rund eine Million Euro!

Der Fall: Nach einer anonymen Anzeige durchsuchten die Beamten die Gaststätte Andechser am Dom und einige Privaträume. Im Fokus standen die Umsätze in der Freischankfläche im Andechser und in der Sektbar des Hippodroms. Eine Sisyphos-Arbeit für Steuerfahnder: Denn sie mussten die tatsächlichen Umsätze – so weit es ging – durch die Einkäufe rekonstruieren, die Krätz bei seinen Lieferanten geordert hatte. Der Rest wurde geschätzt und zur Gesamtbesteuerungsgrundlage aufsummiert.

Die mögliche Strafe: Wenn Krätz und seine Anwälte es schaffen, die Steuerschuld im Prozess unter die ominöse Millionengrenze zu drücken, kann der Wiesn-Wirt auf eine Bewährungsstrafe hoffen. Fraglich bleibt, wie die Stadt über seine Bewerbung für die Wiesn und die Konzession entscheidet.

Ablauf: Donnerstag, 13.03., 9.30 Uhr - Freitag, 21.03., 9.30 Uhr - Freitag, 28.03., 9.30 Uhr.

Sebastian Arbinger

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