Klare Worte bei Facebook

Wecker nach Hoeneß-Kommentar bedroht

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Liedermacher Konstantin Wecker.

München - Sein ironischer Kommentar zum Fall Uli Hoeneß hatte Folgen: Konstantin Wecker ist nach eigenen Angaben massiv bedroht worden.

Bei Facebook hatte Liedermacher Konstantin Wecker einen ironischen Kommentar zum Thema Uli Hoeneß unter dem Motto "Freiheit für Uli Hoeneß!" verfasst. Dieser hatte Folgen. Denn wie er jetzt postete, gab es sehr erboste Reaktionen.

"Mir war klar - wenn ich etwas gegen das kapitalistische System und gegen Hoeneß poste, wie in meinem vorletzten Beitrag 'Freiheit für Uli Hoeneß', gibts Ärger", schreibt er. Mit derart massiven Drohungen allerdings habe ich nicht gerechnet. Nur um das einmal klar zu stellen: Wer mich und meine Familie ernsthaft bedroht, wird angezeigt."

Wecker fühlt sich missverstanden: "Den unispirierteren - um es mal höflich zu sagen unter meinen Kommentatoren, ist das System, in dem sie leben, sowieso nicht erklärbar, deshalb dachte ich, sei es hilfreich, es durch die Person Hoeneß in einer Satire zu veranschaulichen. Interessant ist, wie satireresistent manche Mitbürger doch sind und mit welcher geradezu pawlowschen Zwanghaftigkeit meine Gegner den 'Kokainwecker' ins Spiel bringen. Immer wenn Argumente fehlen, mag sein auf Grund völliger Verblödung oder auch nur auf Grund der gängigen Denkfaulheit, zuckt es gewissen Leuten in den Fingern und sie greifen zur Kokskeule."

Er vermutet, dass manche Kritiker sich mit "irgendwelchen legalen Getränken" volllaufen ließen und meint: Es habe noch nie geschadet, nachzudenken. Kokain und Steuerhinterziehung seien zwei verschiedene Gattungen.

Wecker erklärt in seinem langen Statement auch, warum er diverse Facebook-Kommentare gelöscht hat: "Manche Kommentare waren so blöd, beleidigend und rassistisch, dass ich sie schlicht und einfach gelöscht habe. Ist immerhin meine Seite hier und ich lösche wen und was ich will. Andere hab ich wegen ihrer bestechenden Dummheit stehen lassen. Ist ja auch ganz interessant, wer so alles glaubt sich verbal einmischen zu müssen."

Den Kommentar lesen Sie hier.

tz

Mitgefühl von Daum: Reaktionen aufs Hoeneß-Urteil

Christoph Daum: „Ich denke nur an den Menschen Uli Hoeneß und seine Familie. Ich wünsche ihnen allen viel Kraft. Die werden sie nun brauchen, um diese schwierige Zeit gemeinsam gut durchzustehen. [...] Ich gehe davon aus, dass die akribische juristische Aufarbeitung und die Bewertung seiner Fehler zu diesem Urteil geführt haben,“ so Daum, für den die alte Fehde unwichtig ist. „Das ist für mich völlig unerheblich. Das ist jetzt eine Zäsur im Leben, die man aufarbeiten muss. Dafür wünsche ich ihm alles Gute.“ © dpa
Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): „Die Dimension des gesamten Vorgangs, wie er in den letzten Tagen publik wurde, hat auch uns als DFB überrascht. Die großen Verdienste von Uli Hoeneß für Bayern München und den gesamten deutschen Fußball bleiben unabhängig von diesem Prozess bestehen. Die juristische Beurteilung können in einem solchen Fall aber ausschließlich die Gerichte vornehmen, und da muss für Uli Hoeneß das gleiche Recht wie für jeden anderen gelten.“ © dpa
Reinhard Rauball (Ligapräsident): „Das Gericht hat das Urteil nach einem gründlichen rechtsstaatlichen Verfahren gefällt. Angesichts des Strafrahmens des Gesetzes war eine derart harte Sanktion nicht ausgeschlossen. Im Übrigen liegt es ausschließlich bei den Verantwortlichen des FC Bayern München, die Thematik mit Blick auf den Klub zu bewerten und damit umzugehen. Die Verdienste von Uli Hoeneß um den deutschen Fußball bleiben trotz seines von ihm selbst eingestandenen Fehlverhaltens unberührt.“ © dpa
Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt): „Ich bin traurig. Es tut mir unendlich leid für Uli. Ich habe das Ganze eben im Fersehen verfolgt. Das Strafmaß kann ich nicht beurteilen. Ich war im Vorfeld völlig verunsichert nach den ganzen Prognosen der Experten. Ich glaube aber nicht, dass sich das jetzt negativ auf den Fußball auswirkt.“ © dpa
Michael Meister (r., parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, CDU, zur Rheinischen Post): „Das Urteil gegen Hoeneß wird die Steuermoral der Bürger stärken. Es zeigt, dass es sich nicht lohnt, Steuern zu hinterziehen. Wenn man die strafbefreiende Selbstanzeige wählt, muss man sie ordentlich machen. Wir appellieren an jeden, der glaubt, ein Steuerhinterziehungsproblem zu haben, die Selbstanzeige rechtzeitig und voll umfassend vorzulegen.“ © dpa
Toni Hofreiter (Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Grüne im Bundestag in der Rheinischen Post): „Ich halte es für absolut richtig, dass das Urteil so gefallen ist. Es gab weder einen Promi-Bonus noch einen Promi-Malus für Hoeneß. 27 Millionen Euro zu hinterziehen, ist kein Kavaliersdelikt. Hoeneß wird als Bayern-Präsident jetzt zurücktreten müssen.“ © dpa
Eberhard Gienger (ehemaliger Turn-Weltmeister und sportpolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion): „Auf der einen Seite dürfte es für Uli Hoeneß eine Erleichterung darstellen, die Thematik vom Leib zu haben. Andererseits musste er damit rechnen, dass es zu Konsequenzen kommt. Und die Konsequenzen sind die dreieinhalb Jahre. Es wird sich jetzt zeigen, ob das Urteil Bestand hat. Wenn es eine `Lex Hoeneß“ gegeben hätte, wäre das eine Unterminierung des Rechts gewesen. Das kann nicht im Sinne des Rechtsstasts sein." © dpa
Renate Künast (Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschuss, Bündnis 90/Grüne): `Die Haftstrafe ohne Bewährung war unausweichlich. Vor dem Gesetz sind alle gleich. Das Gericht hat seine Aufgabe im Rechtsstaat erfüllt.“ © dpa
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat auf die menschliche Dimension der Verurteilung von Uli Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung hingewiesen. „Ich bin zuallerst menschlich betroffen, weil eine Freiheitsstrafe natürlich für jeden Menschen, und damit auch für Uli Hoeneß, ein gravierender Eingriff ist“, sagte Seehofer am Donnerstag am Rande der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin. © dpa

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