Vom eigenen Anwalt

Uli Hoeneß ermahnt! "Erzählen Sie keinen vom Pferd"

München - Uli Hoeneß ist am ersten Tag seines Prozesses wegen Steuerhinterziehung unter erheblichen Druck geraten. Sogar vom eigenen Anwalt ist er ermahnt worden.

Uli Hoeneß ist am ersten Tag seines Prozesses wegen Steuerhinterziehung unter erheblichen Druck geraten. Der Vorsitzende Richter Rupert Heindl zweifelt offensichtlich die Wirksamkeit der Selbstanzeige des Präsidenten von Bayern München und dessen Ehrlichkeit an. Hoeneß, der in einer Erklärung betonte, „reinen Tisch“ machen zu wollen, hatte zuvor über seinen Anwalt Hanns Feigen überraschend eingeräumt, dass er in Wahrheit insgesamt „deutlich mehr als 15 Millionen Euro“ an Steuern hinterzogen habe.

Uli-Hoeneß-Prozess: Live-Ticker am Tag nach dem Urteil

Die Staatsanwaltschaft wirft Hoeneß vorerst nur 3,5 Millionen Euro an hinterzogenen Steuern vor. Aufgrund von nachträglich eingereichten und noch nicht ausgewerteten Unterlagen ist eine genau Summe der hinterzogenen Steuern nicht zu nennen. Hoeneß' Anwalt Feigen sagte auf Nachfrage, es handele sich nur um eine Schätzung, es könnten 12, 15 oder sogar 20 Millionen Euro sein, die zu den 3,5 Millionen hinzukämen. Unklar aber ist, ob diese Summe noch steuerrechtlich oder strafrechtlich relevant wird.

Uli Hoeneß beginnt fast jeden Satz mit "Ich muss Ihnen ehrlich sagen"

Zu Beginn des Prozesses, der fast pünktlich um 9.31 Uhr begann, wirkte Hoeneß noch den Umständen entsprechend entspannt. Er lächelte, als er um 9.25 Uhr den Saal betrat. Nach der Verlesung seiner persönlichen Einlassung an das „Hohe Gericht“, in der Hoeneß volle Aufklärung ankündigte, sein Fehlverhalten „zutiefst“ bedauerte und versprach, „alles dafür zu tun, dass dieses für mich bedrückende Kapitel abgeschlossen werden kann“, wirkte er erleichtert und zuversichtlich, einen guten Eindruck hinterlassen zu haben. Fast schien es, als bekomme er nach dieser Geste von Demut wieder ein wenig Oberwasser.

Dann jedoch wurde Hoeneß vom Vorsitzenden Richter in die Mangel genommen - und wirkte dabei zunehmend unsicher. Obwohl er beinahe jede Antwort mit dem Satz begann: „Ich muss Ihnen ehrlich sagen“, musste Hoeneß im Verlauf der Befragung sogar energisch von seinem Anwalt ermahnt werden. „Erzählen Sie doch keinen vom Pferd“, sagte Feigen zu Hoeneß, der umgehend zusammenzuckte. Hoeneß hatte zunächst behauptet, es habe für ihn „keine Rolle gespielt“, dass er vor der Abgabe seiner Selbstanzeige am 17. Januar 2013 von Recherchen des Magazins Stern erfahren habe. „Eine ganz große Rolle hat das gespielt“, stellte Feigen richtig.

In dieser Prozess-Phase wirkte Uli Hoeneß nicht vollkommen aufrichtig

Damit signalisierte Feigen, dass die Selbstanzeige, die bei korrekter Erstellung strafbefreiend wirken kann, überhastet und ungenau zusammengestellt worden war. Hoeneß dagegen versuchte zu vermitteln, dass er bereits im Herbst 2012 daran gedacht habe, die dafür erforderlichen Unterlagen zusammenzustellen.

Auch der Vorsitzende Richter schien aber Zweifel an dieser Darstellung von Hoeneß zu haben. Er hielt ihm vor, dass ihm bewusst gewesen sein müsse, dass die Selbstanzeige nicht korrekt gewesen sein könne. Ein ehemaliger Finanzbeamter, der Hoeneß bei der Erstellung der Anzeige unterstützt hatte, verweigerte am Nachmittag zunächst die Aussage.

Hoeneß wirkte bei seiner ersten Befragung Heindl nicht immer aufrichtig. „Ich bin froh, dass jetzt alles transparent auf dem Tisch liegt“, hatte er in seiner persönlichen Erklärung zunächst versichert. Auf mehrfache und präzise Nachfragen von Heindl vor allem zu seinen Devisen- und Spekulationsgeschäften hinterließ er jedoch den Eindruck, als versuche er sich herauszureden, kenne die Wahrheit nicht oder wolle nicht ganz mit ihr heraus. Zudem präsentierte sich Hoeneß als ein blauäugiger und gutgläubiger Börsen-Zocker - zumindest wollte er sich als solcher darstellen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat Hoeneß in sieben Einzelfällen insgesamt 33,5 Millionen Euro aus Kapitalerträgen, Veräußerungsgewinnen und Sonstigem nicht beim Finanzamt angegeben. Dadurch habe sich eine Steuerersparnis von 3,545 Millionen ergeben, darüber hinaus habe Hoeneß rechtswidrig Verlustvorträge von 5,5 Millionen Euro erhalten, sagte Staatsanwalt Achim von Engel. Hoeneß hat dem Finanzamt mittlerweile eine Zahlung von zehn Millionen Euro geleistet. Das wird womöglich am Ende nicht reichen.

sid

Uli-Hoeneß-Prozess: Bilder vom Gericht 

Der Prozess findet im Justizpalast an der Prielmayerstraße statt. © Steffi Wegele
Zahlreiche Medien sind vor Ort. © Steffi Wegele
Wolfgang Böhm (58) steht seit drei Uhr früh in der Schlange. Er kam extra aus Memmingen, um dem Prozess zu folgen. © Angelo Rychel
Biggy Schiller ist Fan des FC Bayern - und von Uli Hoeneß. © Angelo Rychel
Zahlreiche Medien sind vor Ort. © Steffi Wegele
Auch das Polizeiaufgebot ist groß. © Steffi Wegele
Ein Löwenfan demonstriert vor dem Gerichtsgebäude. Auf seinem Bild steht: "Alle Anstifter, Ankäufer, Verwerter gestohlener Steuer-Daten sind Verbrecher!" © Steffi Wegele
Die Sprecherin des Landgerichts, Andrea Titz © Steffi Wegele
Am Montag begann der Prozess um Uli Hoeneß © dpa
Am Montag begann der Prozess um Uli Hoeneß © dpa
Am Montag begann der Prozess um Uli Hoeneß © dpa
Am Montag begann der Prozess um Uli Hoeneß © dpa
Am Montag begann der Prozess um Uli Hoeneß © dpa
Am Montag begann der Prozess um Uli Hoeneß © dpa
Am Montag begann der Prozess um Uli Hoeneß © dpa
Am Montag begann der Prozess um Uli Hoeneß © dpa
Am Montag begann der Prozess um Uli Hoeneß © dpa
Klaus Langguth kam extra aus Hof angereist. Doch einen Platz im Saal bekam der 67-Jährige nicht. Nun ist der ehemalige Finanzbeamte schwer enttäuscht. © Angelo Rychel
Viele Besucher wollten am Montagmorgen einen Platz im Saal erhaschen © Steffi Wegele
Journalisten warten an der Tiefgarage auf Uli Hoeneß © Angelo Rychel
Uli Hoeneß kommt am Justizpalast an © Steffi Wegele
Ralf Kabelka von der Heute Show treibt ebenfalls sein Unwesen © Angelo Rychel
Adrian Hofheinz und Klaus Harreiter sind vor dem Gerichtsgebäude. Hofheinz: "Hoeneß hat niemanden umgebracht. Es wäre das schönste wenn er das Gericht als freier Mann verlässt." © Angelo Rychel
Gerichtssprecherin Titz wird in der Pause von Kameramännern umringt. © Angelo Rychel
Uli Hoeneß trifft im schwarzen Wagen am Justizpalast ein © AFP
Uli Hoeneß trifft im schwarzen Wagen am Justizpalast ein © AFP
Der Andrang vor dem Gebäude war groß © AFP
Im Justizpalast findet der Prozess statt © AFP
Einie Fans haben am montag vor dem Gebäude demonstriert. © dpa
"Knast für Seehofer und Freiheit für Hoeneß", fordert dieser Fan. © AFP
Die Fans verbünden sich mit Uli Hoeneß und versprechen "Sulidarität" © dpa
Uli Hoeneß stand am Montag hinter seinem Stuhl. © dpa
Für die Presse gab es ein Lächeln. © AFP
Ansonsten wirkte Hoeneß ernst ... © dpa
... und angespannt. © dpa
Sulidarität. © Sigi Jantz
Viele Medienvertreter sind vor Ort © Sigi Jantz
Menschen warten © Sigi Jantz
Im Justizpalast findet der Prozess statt © Sigi Jantz
 © Sigi Jantz
Uli Hoeneß im Gerichtssaal © dpa
Der Präsident des FC Bayern wirkte am Montag angespannt © dpa
Er wird über Hoeneß' Schicksal entscheiden: Richter Rupert Heindl © dpa
Staatsanwalt Achim von Engel © dpa
An der Seite von Hoeneß: die Anwälte Hanns W. Feigen und Markus Gotzens (r). © dpa
Nach dem Ende des ersten Prozesstages verließ Hoeneß mit seiner Frau Susi den Justizpalast. © dpa

Rubriklistenbild: © AFP

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