FC-Bayern-Präsident vor Gericht

Uli-Hoeneß-Prozess: Heute wird es ernst

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Uli Hoeneß

München - Der Fall Uli Hoeneß beschäftigt ganz Deutschland. Heute ist Prozessbeginn. Auf der Anklagebank: Der Präsident des FC Bayern. Er hatte sich wegen Steuerhinterziehung selbst angezeigt.

Uli Hoeneß war eine schillernde Figur. Er stand für Erfolg, Zielstrebigkeit, einen Funken Härte. Er war Vorbild für viele Deutsche, gleichzeitig Reizfigur im Fußball. Doch am 20. April 2013 bröckelte die Fassade des Über-Präsidenten des FC Bayern. Denn da deckte der Focus auf: Uli Hoeneß hat sich selbst beim Finanzamt angezeigt. Wegen Steuerhinterziehung. Am Montag, den 10. März 2014, ist nun also Prozessbeginn. Dann wird sich der 62-Jährige vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II verantworten müssen.

Uli-Hoeneß-Prozess: Live-Ticker Tag vier

Uli Hoeneß Prozess: Vier Verhandlungstage angesetzt

Vier Verhandlungstage sind bisher angesetzt, um den Absturz des Uli Hoeneß zu behandeln. Doch wie konnte es zu diesem Fall kommen? Es gibt kaum etwas, das Uli Hoeneß nicht erreicht hat. Als aktiver Spieler holte er mit dem FC Bayern mehrfach die Deutsche Meisterschaft, war DFB-Pokalsieger, sicherte sich den Weltpokal und den Europapokal der Landesmeister, wurde mit der Nationalmannschaft Europa- und Weltmeister.

1979 stieg Uli Hoeneß ins Management des Klubs ein – als damals 27-Jähriger. Im November 2009 legte er dieses Amt nieder und wurde zum Präsidenten gewählt. Als Führungsperson war er kaum weniger erfolgreich: 18 Deutsche Meisterschaften und den UEFA Cup krallte sich der Verein, er wurde Klubweltmeister und schnappte sich zwei Mal die Champions-League-Trophäe. Während sich der FC Bayern zu einer Weltmarke mauserte, schüttelte der Gründer eines Wurst-Imperiums ganz nebenbei prominente Hände und war auf jeder Veranstaltung ein gern gesehener Gast. Doch das war Uli Hoeneß offenbar nicht genug.

Uli Hoeneß hatte geheimes schweizer Konto

Zwischen 2001 und 2006 spekulierte er im großen Stil an der Börse - mittels eines geheimen schweizer Kontos. Eine Millionen-Unterstützung soll er dabei vom damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus erhalten haben. "Es war immer klar, das war ein Konto zum Zocken, für nichts anderes", sagte Hoeneß im Mai 2013 der Zeit. Anfänglichen Gewinnen folgten seinen Angaben zufolge hohe Verluste. Ein Grund, seine Aktivitäten an der Börse zu drosseln.

Ernst wurde es für Hoeneß, als ein Steuerabkommen mit der Schweiz scheiterte: 2010 hatten Deutschland und die Schweiz ein neues Doppelbesteuerungsabkommen unterzeichnet und Verhandlungen zur Legalisierung nicht versteuerter Gelder auf Schweizer Bankkonten vereinbart. Im November 2012 unterzeichneten beide Länder ein Zusatzprotokoll. Demnach sollten Geldanlagen von Bundesbürgern in der Schweiz aus den vergangenen zehn Jahren pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert werden - doch die von SPD und Grünen regierten Bundesländer ließen das Abkommen im Bundesrat scheitern. Auch im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat kam kurz darauf keine Einigung zustande. Auftritt Uli Hoeneß, der vergeblich auf das gescheiterte Steuerabkommen gesetzt hatte.

Fall Hoeneß: Selbstanzeige im Januar 2013

Am 17. Januar 2013 blickte Uli Hoeneß der Wahrheit dann ins Auge: Er zeigte sich selbst beim Finanzamt an, die Staatsanwaltschaft München leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Beamte besuchten den Präsidenten in seinem Haus am Tegernsee - gegen Uli Hoeneß lag ein Haftbefehl vor. Doch dieser wird außer Vollzug gesetzt - angeblich gegen Zahlung einer hohen Kaution.

Auf der Jahreshauptversammlung flossen Tränen

Doch die Selbstanzeige bleibt nicht unbemerkt von der Öffentlichkeit. Am 20. April 2013 berichtet der Focus über den Fall Uli Hoeneß und beruft sich dabei auf die Staatsanwaltschaft. Die Kritiker schreien, auch Kanzlerin Merkel zeigt sich "enttäuscht" - und Uli Hoeneß sich reuig. Er spricht von "Riesenmist", den er gebaut, und von einem "schweren Fehler", den er begangen habe. Und den er versucht, durch die Selbstanzeige wieder gut zu machen. "Ich will reinen Tisch machen", sagte er der Sport Bild. Der Verein stand weiter hinter ihm. Man ist ja schließlich der FC Bayern. Der Chef ist für seine Spieler und Kollegen da. Und die für ihn: Uli Hoeneß bleibt nach einem 8:0-Votum der Mitglieder am 6. Mai 2013 Vorsitzender des Aufsichtsrats der FC Bayer München AG. Auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern im November wird er von den Mitgliedern gefeiert. Tränen fließen.

Reinen Tisch will Uli Hoeneß also machen. Den wird er nun ab Montag vor dem Landgericht München II machen können. An seiner Seite: drei Anwälte. Und das könnte für ihn harte Folgen haben: Denn wer Millionen am Finanzamt vorbeischleust, muss nach einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von 2008 mit höheren Strafen rechnen - auch mit Gefängnis. Welches Schicksal für Uli Hoeneß vorgesehen ist und ob er eventuell sogar um eine Gefängnisstrafe herum kommt, wird ab 10. März der Richter entscheiden. Ausgang ungewiss.

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