Prozess gegen Präsidenten

Uli Hoeneß trifft auf Richter mit besonderem Ruf

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Uli Hoeneß muss am Montag, 10. März 2014, im Justizpalast in München erscheinen.

München - Für Uli Hoeneß wird es ernst: Er kommt um einen Prozess wegen Steuerhinterziehung nicht herum. Zwar stellt sich der FC Bayern hinter den Präsidenten – doch die Kritik wird lauter. Hoeneß trifft auf einen Richter, dem ein besonderer Ruf vorauseilt.

Uli Hoeneß bläst kurz die Backen auf, bevor er antwortet. Am Montagmorgen steht er vor dem Hotel „Golden Fish“ in Pilsen, wo der FC Bayern heute in der Champions League spielt – er hat sich schon seit einigen Tagen überlegen können, was er nun sagen will. Denn dass diese Fragen kommen werden, wusste er seit vergangenem Donnerstag, dem Tag, als das Landgericht München II entschied, dass der Prozess gegen ihn stattfinden wird. „Damit konnte man rechnen“, sagt der 61-Jährige. Dann aber: „Ich bin sehr überrascht, dass unsere Selbstanzeige vom 17. Januar von den Behörden nicht für wirksam erklärt worden ist. Ich werde mit den Anwälten zusammen in den nächsten vier Monaten sehr hart daran arbeiten, dass unsere Argumente das Gericht überzeugen.“

Uli-Hoeneß-Prozess: Ab Montag wird es ernst

Uli "Hoeneß sollte jetzt zurücktreten"

Was denn nun? Hat er es erwartet oder ist er überrascht? Nun, das ist die Verteidigungslinie. Natürlich wusste auch Hoeneß spätestens seit der Anklageerhebung im Juli, dass er um diesen Prozess aller Wahrscheinlichkeit nach nicht herumkommen wird. Doch das ändert seine Strategie nicht: Er wollte zurück auf den richtigen Weg, hat sich selbst angezeigt und warum das nun ausgerechnet bei ihm nicht funktionieren soll, das überrasche ihn.

Beim FC Bayern ist man jedenfalls vorbereitet. Es dauert nur eine halbe Stunde, da ist bereits eine ausgefeilte Stellungnahme des Vereins da. Der Aufsichtsrat der FC Bayern München AG sei „einvernehmlich“ der Meinung, dass Hoeneß weitermachen soll. Ein Gutachten soll belegen, dass man beides sein kann – Aufsichtsratschef und Angeklagter. Es komme nur darauf an, was für den Verein und die AG am besten ist, heißt es. Hoeneß sei eine „wichtige Führungspersönlichkeit“, habe über 30 Jahre lang „hervorragende Verdienste“ um den Verein erworben. Zwei Umfragen belegten den Rückhalt der Fans für den Präsidenten. Auch den Chefs der Daxkonzerne im Aufsichtsrat sei es erlaubt, Hoeneß mitzutragen, schließlich gehe es um „Pflichtverletzungen im Privatbereich“. Doch es gibt auch Kritik. Der Experte für Unternehmensführung, Christian Strenger, sagte der „FAZ“: „Hoeneß sollte jetzt zurücktreten.“ Auch Transparency International appelliert an Hoeneß’ Vorbildfunktion.

Uli Hoeneß' Richter hat Ruf als strenger Jurist

Das Gutachten des FC Bayern stammt von Gerd Krieger und Sven Thomas – zwei Spitzen-Juristen. Krieger arbeitet für Hengeler Mueller, eine der führenden Wirtschaftskanzleien, Thomas ist Strafrechtler und vertritt unter anderem Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Auch Hoeneß’ Verteidiger Werner Leitner gilt als Star.

Doch nicht nur die Anwälte haben einen Ruf. Auch Richter Rupert Heindl, der Vorsitzende im Prozess gegen Hoeneß, ist kein unbeschriebenes Blatt. Der 47-Jährige gilt als strenger Jurist und stets hervorragend vorbereiteter Richter. Seit anderthalb Jahren sitzt er der Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht München II vor. Im Juni 2010 entschied diese Kammer, sich auf keinen Deal mehr einzulassen. Das heißt, Absprachen zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung wurden seitdem vor dieser Kammer nicht mehr getroffen.

Uli-Hoeneß-Prozess: FCB-Präsident wird viel von sich preisgeben müssen

In jedem Prozess muss daher eine Beweisaufnahme stattfinden. Die wird auch Uli Hoeneß ab dem 10. März kommenden Jahres über sich ergehen lassen müssen. In den vorgesehenen vier Prozesstagen wird er vermutlich viel von sich preisgeben müssen, um Richter Heindl zu überzeugen. Uli Hoeneß ist nicht der erste prominente Angeklagte, der vor ihm sitzt. Im Oktober 2011 wurde der Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Die Wirtschaftsstrafkammer, damals mit Heindl als normalem Richter, ließ den Vorwurf fallen und stellte das Verfahren gegen eine sechsstellige Geldauflage ein. Schuld sei dessen Steuerberater gewesen, urteilten die Richter. Auch Hoeneß verließ sich bei seiner Selbstanzeige auf einen Steuerberater.

Doch bevor der Prozess gegen Hoeneß beginnen kann, muss erst einmal ein passender Saal gefunden werden. Der einzige große Raum ist durch den NSU-Prozess belegt, dort werde das Verfahren gegen Hoeneß nicht stattfinden, sagt eine Gerichtssprecherin. Man denke gerade über Alternativen nach.

Uli-Hoeneß-Prozess: Andrang der Medien könnte wieder zum Problem werden

Vor allem der Andrang der Medien könnte wieder zum Problem werden. Schon im Frühjahr hatte sich die Münchner Justiz im Vorfeld des NSU-Prozesses ordentlich blamiert. Ob man daraus gelernt hat, bleibt abzuwarten. Im Sommer sagte Gerichtspräsident Karl Huber auf die Frage nach dem Raumproblem für einen möglichen Hoeneß-Prozess noch: „Grundsätzlich muss man sagen, dass Strafverfahren nicht durchgeführt werden, damit eine möglichst große Zahl von Journalisten im Saal ist.“

Die Opposition im Landtag fordert schon jetzt, Lehren aus den Pannen zu ziehen. „Es darf erwartet werden, dass sich die bayerische Justiz dem zu erwartenden Ansturm gewachsen sieht“, verlangt SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. Sie müsse sich „organisatorisch top aufstellen“.

Philipp Vetter und Angela Walser

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