tz erklärt wichtigsten Personen

Uli-Hoeneß-Prozess: Das sind die Protagonisten

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Auf welchem Weg Uli Hoeneß am Montag den Justizpalast am Stachus betreten wird - ob Vorder- oder Hintereingang - ist noch unklar.

München - Am Montag wird Uli Hoeneß der Prozess gemacht. Der 62-Jährige muss sich vor Gericht wegen Steuerhinterziehung verantworten. Die tz stellt die wichtigsten Personen des Verfahrens vor und erklärt die Rolle der Protagonisten.

Über 400 Journalisten, 150 Polizisten und 22 Wachtmeister: Das Areal um den Justizpalast am Stachus befindet sich ab Montagfrüh im Ausnahmezustand! Um 9.30 Uhr beginnt im Saal 134 der spektakulärste Steuer-Prozess, den Deutschland je erlebt hat. Auf der Anklagebank muss Uli Hoeneß (61) Platz nehmen, der übermächtige Patriarch des FC Bayern. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Steuerhinterziehung von 3,5 Millionen Euro vor – er soll Kapitalerträge auf einem Schweizer Konto in den Jahren 2003 bis 2009 nicht beim deutschen Fiskus angegeben haben. Uli Hoeneß bestreitet an den vier Prozesstagen den Kampf seines Lebens. Diesmal geht es nicht um Punkte und Titel, sondern um seine Freiheit. Dabei ist der Macher Hoeneß zum Zuschauen verdammt – das Wort werden hauptsächlich Richter, Staatsanwalt, Verteidiger und Zeugen haben. Die tz erklärt die Verfahrensbeteiligten, die Tücken der Selbstanzeige und wie sich Uli Hoeneß in den vergangenen Monaten verändert hat.

Uli-Hoeneß-Prozess: Live-Ticker Tag vier

Die tz erklärt die Verfahrensbeteiligten:

Richter Rupert Heindl (1)

Richter Rupert Heindl gilt als strenger Jurist.

Rupert Heindl hat seine Prinzipien. Etwa, dass Absprachen im Vorfeld eines Prozesses tabu sind! Zwei Mal schon hat ihm der BGH deshalb ein Urteil gekippt. Und umso mehr passt er bei einem so Aufsehen erregenden Fall auf, keine offene Flanke zu bieten und ein revisionsfestes Urteil zu sprechen. Insider vermuten, dass er einen Freispruch schon jetzt ausschließt. Denn Heindl hätte die Anklage wohl nie zum Hauptverfahren zugelassen, wenn Uli Hoeneß’ Selbstanzeige am Ende doch gültig war und damit komplett strafbefreiend wirkt. Rupert Heindl ist seit November 2011 Vorsitzender der 5. Strafkammer am Landgericht München II, seine Laufbahn begann er 1997 am Amtsgericht Wolfratshausen. Heindls Verhandlungsführung ist gefürchtet: Er fragt blitzschnell, scheinbar unverfänglich – und lockt die Angeklagten nicht selten in Widersprüche.

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Staatsanwalt Achim von Engel (2)

Im Saal 134 des Justizpalastes am Stachus in München wird der Fall Uli Hoeneß verhandelt. Die tz erklärt, wer wo sitzt: Richter Rupert Heindl (1), Staatsanwalt Achim von Engel (2), Verteidiger Hanns Feigen (3), Die Zeugen im Fall Uli Hoeneß (4). (Zum Vergrößern hier klicken)

Knallhart ermittelt Staatsanwalt Achim von Engel seit Beginn des Verfahrens gegen den prominenten Angeklagten, Gegner des Bayern-Präsidenten richteten für ihn sogar schon eine eigene Facebook-Fanseite mit dem Titel "Hoeneß Hunter" (Hoeneß-Jäger) ein. Tatsächlich rückt der Ankläger nicht von seiner Theorie ab, dass Uli Hoeneß über bevorstehende Ermittlungen gegen ihn informiert worden war und die Selbstanzeige im Januar 2013 daher nicht aus freien Stücken kam. Achim von Engel ordnete die Hausdurchsuchung im Hoeneß-Haus am Tegernsee an und beantragte den Haftbefehl. Auch im Prozess wird er wohl zu keinen Kompromissen bereit sein.

Verteidiger Hanns Feigen (3)

Einer der drei Anwälte von Uli Hoeneß, Hanns Feigen.

Zwei Jahre auf Bewährung plus Geldstrafe – das wäre der Idealfall für Uli Hoeneß. Genau dieses Urteil hatte sein Verteidiger Hanns Feigen 2009 im Prozess gegen den ehemaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel erreicht. Dem wurde Steuerhinterziehung von rund einer Million Euro zur Last gelegt. Jetzt also Hoeneß: Der Frankfurter Star-Anwalt übernahm das Mandat im Herbst 2013 von Werner Leitner, der bis dahin laufend für den Bayern-Vorstand tätig war. Feigen beharrt darauf, dass die Selbstanzeige gültig war. Er kämpft für den Freispruch. Einmal versuchte er sogar bei Richter Heindl einen Vorstoß, doch das Gespräch in dessen Amtszimmer war schon nach wenigen Minuten vorbei.

Die Zeugen im Fall Uli Hoeneß (4)

Vier Zeugen sind geladen worden, das verspricht einen kurzen Prozess. Allerdings ist noch unklar, wann die Beweisaufnahme beginnt. Alles hängt davon ab, ob und wie viel Uli Hoeneß selbst sagen wird. Reserviert ist dafür der Montagvormittag, am Nachmittag sind dann die ersten Zeugen geladen. Bei drei von ihnen handelt es sich um Finanzbeamte, die an den Ermittlungen beteiligt waren. Zudem soll auch der Hoeneß-Vertraute und ehemalige Steuerfahnder aussagen, der ihm bei der Selbstanzeige geholfen hatte. Gegen ihn läuft ein Disziplinarverfahren wegen des "Verdachts der unerlaubten Hilfeleistung in Steuersachen".

Von Sebastian Arbinger, Stefan Dorner, Michael Knippenkötter, Eberhard Unfried

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Der Fall Uli Hoeneß - die Chronologie

  • 2001: Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus überweist Hoeneß in Form eines Kredits und einer Bürgschaft 20 Millionen D-Mark auf ein Konto bei der Schweizer Bank Vontobel "zum Zocken", wie Hoeneß einräumt.
  • 2002 bis 2006: In diesen Jahren handelt Hoeneß nach eigenen Worten teilweise Tag und Nacht an der Börse und macht weltweit Geschäfte. Die Umsätze lagen wohl im dreistelligen Millionenbereich.
  • 2008: Uli Hoeneß machte nach eigenen Angaben schon in den Vorjahren zu viele Verluste. Mit dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise sei es „endgültig in den Keller“ gegangen, und er habe seine Geschäfte stark reduziert. Trotzdem soll er unterm Strich so viel Gewinn gemacht haben, dass laut Süddeutscher Zeitung eine Steuerschuld von 3,5 Millionen Euro offen blieb.
  • Januar 2013: In diesem Monat überschlagen sich die Ereignisse, und gibt es widersprüchliche Angaben. Fest steht, dass der Stern seit einiger Zeit zu einem Konto eines deutschen Fußballfunktionärs bei Vontobel recherchierte. Am 14. Januar will die illustrierte die Schweizer Bank mit den Recherchen konfrontiert haben, am 16. Januar erscheint die Geschichte online – ohne Nennung des Namens des Funktionärs.
  • 17. Januar 2013: Uli Hoeneß reicht Selbstanzeige bei der Bußgeld- und Strafsachenstelle in Rosenheim ein. Im Stern bezeichnet Hoeneß später die zeitliche Nähe von Selbstanzeige und Recherche als Zufall. Die Selbstanzeige sei über Monate vorbereitet worden.
  • 20. März 2013: Hausdurchsuchung in Uli Hoeneß’ Anwesen am Tegernsee. Ihm wird der Haftbefehl eröffnet, dieser wird gegen eine Kaution und Auflagen außer Vollzug gesetzt.
  • April 2013: Der Focus macht den Fall öffentlich.
  • 30. Juli 2013: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Uli Hoeneß. Diese wird im November vom Landgericht München II unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen.

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