Bekannt für harte Urteile

Hoeneß-Richter läuft sich warm

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Uli Hoeneß und sein Richter, Rupert Heindl.

München - Am 10. März beginnt der Prozess gegen Uli Hoeneß. Sein Richter, Rupert Heindl, beweist derzeit in einem Verfahren wegen Internet-Gaunereien, wie er seine Verhandlungen zu führen pflegt.

"Mh, mh!“ Mit gerunzeltzer Stirn hört sich Richter Rupert Heindl die Ausreden des Angeklagten an. Er unterbricht Olaf S. (56) nicht, dem die Staatsanwaltschaft einen Millionenbetrug mit der Internet-Plattform moneypay-europe vorwirft. Mit ruhiger Stimme hakt Heindl nach. Seine Fragen sind so präzise, als arbeite er mit einen Seziermesser. Voraussichtlich am 6. März wird Heindl das Urteil gegen Olaf S. verkünden. Dann hat er noch bis 10. März Zeit, um sich auf Deutschlands prominentesten Angeklagten vorzubereiten: Ulrich Hoeneß, 62 Jahre, wohnhaft am Tegernsee, Präsident des FC Bayern München!

Uli-Hoeneß-Prozess im Live-Ticker

Heindl lehnt Deals grundsätzlich ab

Millionen-Betrüger Olaf S.

Gleich zu Beginn des Prozesses lässt Rupert Heindl zu Protokoll geben, dass keinerlei Vorgespräche mit Olaf S. stattgefunden haben. Einen „Deal“, den viele Richter in großen Wirtschafts-Strafsachen anstreben, gibt es bei Heindl nicht. Grundsätzlich. Heindls Kammer will sich alles anhören und am Ende entscheiden. Bei Uli Hoeneß wird der Richter wohl keine Ausnahme machen. Und bei Heindl kommen gewöhnlich recht harte Urteile raus.
Hart wird es wohl Olaf S. erwischen, der wortreich versucht, die Hauptschuld an den Internet-Gaunereien auf seinen abgetauchten Spezl Sven Sch. zu schieben. Dieser habe die Phantasiewährung „Jodi“ erfunden, auf seinem Mist sei die Idee gewachsen, den Anlegern sagenhafte 360 Prozent Zinsen pro Jahr zu versprechen. „Ich habe das geglaubt“, beteuert der Angeklagte treuherzig. Heindl skeptisch: „Es gibt immer wieder eine neue Erfahrung, dass die Grundsätze der Betriebswirtschaft nicht gelten. Wie sollte das funktionieren?“
Bei seinen Nachfragen stapelt der Richter gerne tief. Etwa: „Das verstehe ich nicht, vielleicht bin ich zu blöd dafür.“ Der Angeklagte redet und redet. Mit scheinbar unverfänglichen Fragen gelingt es Heindl, dass sich Olaf S. zunehmend in Widersprüche verstrickt.

Kann es für Hoeneß noch ein gutes Ende geben? Fragen und Antworten zum Prozess

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Die Lehren für den geständigen Steuerhinterzieher Uli Hoeneß? Trotz dessen Wortgewandheit wäre es besser, die Anwälte sprechen zu lassen. Ausreden, es handle sich etwa um den Fehler des Steuerberaters oder es sei nur ein Versehen gewesen, wird Heindl hinterfragen. Warum fallen so exorbitant hohe Summen nicht auf? Warum kommt es über viele Jahre hinweg zu solchen Versehen? Immerhin ist Hoeneß wegen sieben Fällen der Steuerhinterziehung angeklagt. Das Urteil wird spannend. Sollte Hoeneß Tränen vergießen wie bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern, wird dies bei Rupert Heindl wahrscheinlich wenig Eindruck schinden. Weinende Angeklagte hat der Richter oft erlebt. Für das Strafmaß spielt das keine Rolle.

Eberhard Unfried

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