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Uli Hoeneß: So wird sein Knastleben

München - Revision? Nein. Uli Hoeneß hat seine Strafe vom Landgericht München II akzeptiert! Dreieinhalb Jahre muss er ins Gefängnis. Hoeneß, der Häftling! Die Antworten auf alle wichtigen Fragen.

Revision? Nein. Uli Hoeneß hat seine Strafe vom Landgericht München II akzeptiert! Dreieinhalb Jahre muss er ins Gefängnis. Hoeneß, der Häftling! In rund acht Wochen muss er in der JVA Landsberg antreten. Aber wie wird sein Leben dort? Wie sehen die Haftbedingungen ganz konkret aus? Darüber sprach die tz mit Anton Bachl (62), Vorsitzender des Bundes der Strafjustizbediensteten. Die Antworten auf alle wichtigen Fragen:

Was erwartet Hoeneß am ersten Tag der Haft?

Er wird entkleidet, dann untersuchen ihn ein Arzt und ein Psychologe. Später wird ein Vollzugsplan erstellt, in dem seine Fähigkeiten und Eignungen festgehalten werden. Anschließend erhält Hoeneß seine Gefängniskleidung.

Kriegt er Sonderbehandlung?

Nein. Alle Gefangenen werden gleich behandelt – es gibt keinen Promi-Bonus.

Wie wird er untergebracht?

Die Zellen sind karg.

Normalerweise ist für jeden Häftlung eine Einzelzelle vorgesehen. Aber die Belegungssituation in Bayern ist problematisch – viele Gefängnisse sind stark ausgelastet. Wenn nach Hoeneß’ Haftantritt in der JVA Landsberg (720 Insassen) keine Einzelzelle frei ist, wird er gemeinsam mit einem oder mehreren Gefangenen untergebracht. Es ist möglich, dass Hoeneß die Zelle mit einem Gewaltverbrecher teilt.

Wie groß ist die Zelle und was ist darin vorhanden?

Mindestens sechs Quadratmeter, oft sind es acht bis zehn. Darin stehen ein Bett, ein Stuhl, ein Tisch und ein Schrank, zudem gibt es Waschbecken und eine Toilette. Gemeinschaftsduschen sind auf dem Flur.

Was darf Hoeneß mitbringen?

Nur persönliche Erinnerungsstücke wie Fotos – die Anzahl ist nicht begrenzt, aber der Haftraum muss übersichtlich bleiben und es darf kein Sicherheitsrisiko sein. Wertgegenstände wie Uhren, Schmuck, Münzen oder Handys sind verboten – sie wecken Begehrlichkeiten bei anderen Häftlingen. Einen Fernseher darf er mitbringen oder sich zuschicken lassen.

Kann er die Spiele seines FC Bayern verfolgen?

Die JVA Landsberg verfügt auch über einen Rasenplatz, auf dem die Insassen kicken dürfen – er ist per Zaun geschützt.

Grundsätzlich ja, denn er kann in der JVA gegen Gebühr sogar einen Fernseher mieten. Allerdings bestimmt die Anstalt das TV-Angebot. Bezahlfernsehen ist nicht erlaubt. Hoeneß kann also die Sportschau sehen, Länderspiele im Free-TV sowie Teile der WM und Champions League.

Wie oft ist Besuch möglich?

Theoretisch mehrmals pro Woche, darüber bestimmt die JVA-Leitung, die Mitarbeiter dafür abstellen muss. Als Unternehmer hat Hoeneß Sonderrechte: Teilweise könnte er sogar seine Geschäfte vom Knast aus weiterführen, wenn auch eingeschränkt.

Wird er im Knast arbeiten?

Er muss sogar, solange er nicht Rentner ist – bis zu 40 Stunden pro Woche, außer er ist krank. Möglich sind Tätigkeiten im Baubetrieb, Schreinerei oder Schlosserei. Als Wurstfabrikant wäre er für Küche oder die Anstaltsmetzgerei geeignet. Der Lohn liegt bei zwei bis drei Euro pro Stunde. Als früherer Top-Manager hat er keine Anrechte auf höhere Tätigkeiten.

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Über wie viel Geld darf Hoeneß im Knast verfügen?

Er wird ein Konto in der JVA haben, über das er aber nicht beliebig bestimmen darf – auch nicht, wenn er Geld geschenkt bekäme. Die JVA-Leitung muss Käufe genehmigen. Es soll der Tages-Bedarf gedeckt werden.

Ab wann sind hafterleichternde Maßnahmen möglich?

Der Eingang ist per Eisentor gesichert.

Das hängt von seinem Verhalten und seinem Vollzugsplan ab. Die ersten Monate wird Hoeneß in jedem Fall in seiner Zelle verbringen. Kriegt er danach eine Anstellung (etwa beim FC Bayern), darf er tagsüber raus, um zu arbeiten. Das dient der Resozialisierung – so wie bei Breno! Abends muss er wieder zurück in die Zelle.

Ist eine vorzeitige Haftentlassung für Hoeneß möglich?

Ja. Theoretisch bereits nach der Hälfte der verbüßten Strafe. Wahrscheinlich ist aber, dass Hoeneß nach zwei Jahren guter Führung entlassen wird.

Andreas Thieme

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Rubriklistenbild: © Westermann/dpa

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