Neue Hoffnung vor Steuer-Prozess

Kommt Hoeneß so um den Knast herum?

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Kommt Uli Hoeneß ein Schlupfloch zu Gute?

München - Knast oder Freiheit? Das wird für Uli Hoeneß (62) die entscheidende Frage sein, wenn er am 10. März den Sitzungssaal 134 im Justizpalast betritt.

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Die historische Kulisse des neobarocken Gebäudekomplexes am Stachus (siehe unten) dürfte ihn dabei kaum interessieren. Die Frage ist: Schafft er es wie Tennisstar Boris Becker (46) im Jahr 2002, nicht ins Gefängnis gehen zu müssen? Laut OLG-Sprecherin Andrea Titz ist das auch mit einer Kombination aus Bewährungs- und Geldstrafe möglich!

Grundsätzlich hat der Bundesgerichtshof eine Grenze gesetzt: Wer mehr als eine Million Euro Steuern hinterzieht, muss in den Knast! Bei Bayern-Boss Hoeneß stehen aber 3,2 Millionen Euro im Raum.

Becker hatte seinerzeit 1,7 Millionen Steuern entzogen. Er kam mit zwei Jahren davon – der Höchstgrenze für eine Bewährung. Theoretisch wären es drei Jahre Knast gewesen, doch Becker durfte stattdessen eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen bezahlen. Das kostete ihn eine halbe Million.

Dieses Schlupfloch könnte eventuell auch dem Bayern-Präsidenten zugute kommen. Insider rechnen damit, dass ihm ein Schuldspruch von dreieinhalb bis vier Jahren Gefängnis droht. Vorausgesetzt, er legt ein voll umfängliches Geständnis ab – und das hat Deutschlands prominentester Steuersünder mit seiner Selbstanzeige ja bereits getan.

Kann es für Hoeneß noch ein gutes Ende geben? Fragen und Antworten zum Prozess

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OLG-Sprecherin Andrea Titz.

Da bei Hoeneß mehrere einzelne Taten angeklagt sind, könnte er zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und zusätzlich zu einer Geldstrafe von 720 Tagessätzen (entspricht weiteren zwei Jahren) verurteilt werden. Dies bestätigte OLG-Sprecherin Andrea Titz am Freitag. Die Höchstgrenze pro Tagessatz liegt bei sage und schreibe 30 000 Euro! Theoretisch könnte der Angeklagte also zu 21,6 Millionen Euro Geldstrafe verurteilt werden, um dem Knast zu entkommen. Wie das Urteil am 13. März wirklich lautet, weiß allerdings noch niemand. Andrea Titz beugt allen Spekulationen vor: „Es gibt keinerlei Absprachen.“ Rupert Heindl, Vorsitzender der 5. Strafkammer beim Landgericht München II, gehört nicht zu jenen Richtern, die einen schnellen „Deal“ bevorzugen. Da Uli Hoeneß voll geständig ist, hat das Gericht nur vier Zeugen geladen.

Der Saal 134 im Justizpalast wurde mit Bedacht gewählt, da er historisch unbelastet ist. Man wollte Hoeneß auch bewusst nicht während der sitzungsfreien Tage im NSU-Prozess auf jenen Platz setzen, auf dem sonst NSU-Terroristin Beate Zschäpe sitzen muss.

Der Palast am Stachus

Seit 1897 ist der Justizpalast das dominierende Gebäude am Stachus. Bis in die 70er-Jahre fanden hier Strafprozesse statt, auch jener gegen Vera Brühne im Jahr 1962. Im Schwurgerichtssaal fällten die Nazis die Bluturteile gegen die Mitglieder der Weißen Rose.

Gegenüber liegt der kleinere Saal 134, der dem Justizministerium als Tagungsraum dient. Diesen hell geweißelten Raum wählte das Oberlandes­gericht für den Prozess gegen Uli Hoeneß. Dafür werden die Möbel ausgetauscht. 100 Zuschauer finden darin Platz, die Hälfte ist für Journalisten reserviert. Beim erwarteten Andrang müssen viele draußen bleiben. 

Eberhard Unfried

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