Umbau missglückt: Schöner sieht anders aus!

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Die neuen Ersatzbäume wirken im Moment noch recht mickrig. 2,25 Millionen Euro hat die Umgestaltung gekostet

München - Rund 2,25 Millionen Euro wurden seit Frühjahr 2011 in den Umbau des Hans-Mielich-Platz gesteckt, doch viele Bürger sind unzufrieden. Schöner sieht anders aus!

Donnerstag Mittag wird der neu gestaltete Hans-Mielich-Platz mit einem kleinem Fest, bei dem auch der erste Wochenmarkt auf seinem neuen Platz stattfindet, seiner Bestimmung übergeben. Rund 2,25 Millionen Euro wurden seit Frühjahr 2011 in den Umbau der Kreuzung in eine Fußgängerzone gesteckt, doch viele Bürger sind unzufrieden. Schöner sieht anders aus!

Die Kühbachstraße wurde Sackgasse, die Hans-Mielich-Straße bekam eine scharfe S-Kurve, in der Mitte entstand eine große Fläche aus Übersee-Granit. Drei Nussbäume im Grasbeet mussten weichen, auch ein Grünstreifen am Rand.

Bei der Bürgerversammlung des Stadtteiles stellten die Bürger dem Platz ein vernichtendes Urteil aus, als die Anwohnerin Barbara Kannewischer das Aufstellen von Blumentrögen beantragte: „Der neue Platz ist eine triste Betonwüste, es wurde alles versiegelt“, bedauert Kannewischer. Der Antrag fand prompt eine Mehrheit!

Vor dem Umbau schmückten den Hans-Mielich-Platz stattliche Haselnussbäume, die einer neuen Platzfläche weichen mussten.

Da ein Teil der Umbaukosten auf die Grundstücksbesitzer umgelegt wurden, sind auch viele Mieter sauer. „Es gab Mieterhöhungen“, berichtet Maximilian Heisler von der Aktionsgruppe Untergiesing. Zwar darf ein Hausbesitzer die Umlagekosten nicht auf die Miete umlegen. Doch Heisler ist sich sicher: „Die Mieterhöhung wird halt anders begründet.“ Eine Hausbesitzerin muss alleine 80 000 Euro berappen: „Wie wir das bezahlen sollen, wissen wir noch nicht.“ Heisler befürchtet nun, dass das Grundstück, auf ein Lagerbau steht, verkauft wird. „Dann entstehen hier wieder Luxuswohnungen.“

Auch die Autofahrer sind unzufrieden. Handwerker Friedrich N. schimpft: „Ich muss jeden Tag mit meinem Transporter über den Platz, dort ist es jetzt so eng, dass sich zwei Autos kaum begegnen können.“ Und die Anwohner der Kühbachstraße erfuhren erst kurz vor dem Umbau, dass ihre Straße, die auch als Aldi-Ausfahrt dient, zur Sackgasse wurde.

Die SPD-Fraktionssprecherin im Bezirksausschuss, Christa Knappik, erklärt: „Wir hatten vor den Problemen gewarnt, aber gegen die Mehrheit von Grünen und CSU keine Chance.“ In den 90er-Jahren habe es viel weniger ambitionierte und billigere Planungen gegeben. Knappik: „Jetzt werden wir uns mit dem neuen Platz anfreunden müssen.“ Die von den Grünen aufgestellte Bezirksvize Melanie Kieweg, die für die Umgestaltung gekämpft hatte, wischt die Kritik weg und kommentiert das Bürgervotum so: „Sagen Sie mir mal eine Veranstaltung, wo jeder zufrieden ist!“ Immerhin seien 38 neue Bäume gepflanzt worden. Dass die Grundstücksbesitzer zahlen müssen, sei gerechtfertigt: „Sie profitieren doch von der Wertsteigerung.“ Anwohner-Autos will Kieweg nicht mehr auf dem Platz sehen: „Der Platz ist fürs ganze Viertel da.“

J. Welte

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Besser als vorher

Die Planung hatte ursprünglich noch weniger Bäume vorgesehen, und es sollte auch eine Fahrspur zur Kühbachstraße bleiben. Wir haben uns als Anwohner dagegen ausgesprochen und wurden berücksichtigt. Wir sind mit dem neuen Platz insgesamt zufrieden, die Kinder spielen schon hier. Die jetzt noch kleinen Bäume werden mit der Zeit größer werden.

Peter Luedicke (50), Architekt 

 

Rote Bänke gehen nicht

Rote Bänke im 60er-Viertel? Wer hat sich das denn ausgedacht?! Die müssen wieder weg! Die sind doch sowieso eher eine Abgrenzung zur Straße als zum Sitzen da. Und dass es hier keine Toiletten für die Kaufleute vom Wochenmarkt gibt, verstehe ich auch nicht. Wo sollen die denn hin, wenn sie den ganzen Tag dastehen?

Eduard Mader (65), Pensionist

 

Pflanztröge raus

Manchen gefällt der neue Platz sehr gut, manchen ist er zu kahl. Wir werden bald neue Pflanztröge, Tische und Bänke aufstellen, dann wird es hier wieder etwas gemütlicher. Während der Bauphase hatten wir hier im Likabitos allerdings erhebliche Einbußen.

Michalis Pissiotis (48), Gastronom

 

Parkplätze weg

Es ist schon schwer für uns jetzt, weil die Kunden nicht mehr vor die Ladentüre fahren und dort parken können. Die nächsten Parkplätze sind jetzt weit weg vom Laden. Unsere Weinkisten sind halt schon ganz schön schwer. Wenn einer unserer Kunden einen Strafzettel kriegt, werden wir das übernehmen.

Karlheinz Krawczyk (65), Weinhändler

tz-Stichwort: Hans Mielich

Hans Mielich wurde 1516 in München geboren und starb dort am 10. März 1573. Er war ein deutscher Maler und Zeichner der späten Renaissance, der vor allem für seine Porträts, Miniaturen und Buchmalereien bekannt wurde. Er wirkte über 30 Jahre lang als Maler des wohlhabenden Bürgertums in München und gilt bislang als einer der bedeutendsten bildenden Künstler der Stadt. Das bekannteste Werk seiner Schule ist der Hochaltar des Liebfrauenmünsters in Ingolstadt.

Kahle Plätze in der Kritik

Der Asphaltsee am Rainer-Werner-Fassbinder-Platz

Die moderne Platzgestaltung der Stadt gefällt den Bürgern nicht immer. So finden die Anwohner den 2003 am S- und U-Bahnhof Feldmoching angelegten Walter-Sedlmayr-Platz schlicht scheußlich. Die leere Platzfläche wird nur durch eine schachbrettartige Mauer getrennt, es gibt keinen Baum weit und breit. Der Platz ist nach dem 1990 ermordeten bayerischen Volksschauspieler benannt. Die Stadt ließ den Künstler Ludger Gerdes die Fläche gestalten. Voriges Jahr versuchte Stadtbaurätin Rosemarie Hingerl einen Anlauf, die kahle Fläche mit vier Platanen zu verschönern. Doch sie scheiterte an der ablehnenden Haltung der Urheberrechtsnachfolgerin des verstorbenen Künstlers Ludger Gerdes.

Auch die Gestaltung des Rainer-Werner-Fassbinder-Platzes im Arnulfpark ist umstritten. Der Künstler Wilhelm Koch schuf hier einen „Asphaltsee“, in den die Titel von Filmen, Hörspielen und Bühnenstücken des Münchner Regisseurs graviert wurden. Anwohner sprechen respektlos vom „Kuhfladen“.

Auch der Willy-Brandt-Platz in Riem oder der zentrale Platz auf der Alten Messe ist vielen Anwohnern deutlich zu leer.

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