Nach der Kandinsky-Ausstellung beginnt der große Umbau

Das Bild vom neuen Lenbachhaus

Der künftige Vorplatz des Lenbachhauses nach den Plänen von Sir Norman Foster, links der bronzefarbene Neubau, rechts der Altbau.

Seit gestern ist die Städtische Galerie im Lenbachhaus geschlossen.

Wenn die Galerieräume in der maroden Villa leer geräumt und auch die ausgeliehenen Kandinsky-Werke der Rekord-Ausstellung (409 020 Besucher!) im Kunstbau wieder auf die Reise nach New York und Paris geschickt sind, beginnen die Vorbereitungen zur Generalsanierung samt Neubau. Erst 2012 eröffnet die Stadt ihr Haus wieder, um den von Stararchitekt Sir Norman Foster entworfenen Komplex reicher – und um viele Millionen ärmer. Die tz stellt das Projekt vor.

Das Lenbachhauswurde 1887 bis 1891 nach Plänen von Gabriel von Seidl für den Malerfürsten Franz von Lenbach als Wohnhaus und Atelier erbaut. Das zunächst L-förmige Gebäude im Stil der italienischen Renaissance ging 1924 an die Stadt über, die den Nordflügel anbauen ließ.

Weltberühmt ist die Galerie für die Sammlung der Blaue Reiter, deren Grundstock 1957 Gabriele Münter legte: Sie schenkte der Stadt eigene Gemälde, Zeichnungen und Grafiken, hunderte Werke ihres Lebensgefährten Wassily Kandinsky und 25 Bilder anderer Blauer-Reiter-Mitglieder. Das Lenbachhaus selbst wurde nach der Kriegszerstörung schnell und mit einfachsten Mitteln wieder aufgebaut. Die Sammlung, die auch Werke zeitgenössischer Künstler beinhaltet, wuchs unablässig weiter. 1969 bis 1972 wurde ein Erweiterungsbau hinter der Villa an der Richard-Wagner-Straße angefügt.

Sanierungsbedarf: Die Ausstellungsflächen in der Villa sind längst nicht mehr zeitgemäß. Es hapert an der Sicherheit für Besucher und Werke: Es gibt Brandschutzmängel, die Diebstahlsicherung lässt zu wünschen übrig, ebenso Statik, Belüftung und Beleuchtung. Von Behindertenfreundlichkeit kann keine Rede sein. Zunächst hatte die Stadt kleinere Sanierungsmaßnahmen geplant, die aber rund 25 Millionen Euro gekostet und grundlegende Probleme nicht gelöst hätten. Deshalb beschloss der Stadtrat 2006 das Großprojekt.

Der britische Architekt Norman Foster(73) gilt seit dem Bau der Berliner Reichstagskuppel als Spezialist für historische Gebäude. Auch beim Lenbachhaus will er sich an den „genetischen Code“ des Hauses halten, den „bürgerlichen, warmen, sympathischen Charakter“ erhalten und seinen Neubau quasi daran anlehnen.

Wie das Lenbachhaus in Zukunft aussehen soll

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Die Städtische Galerie im Lenbachhaus ist in der denkmalgeschützten Villa des „Malerfürsten“ Franz von Lenbach in der Luisenstraße untergebracht. Sie wurde zwischen 1887 und 1891 nach Plänen von Gabriel von Seidl erbaut und 1927 bis 1929 durch Hans Grässel und nochmals 1969 bis 1972 durch Heinrich Volbehr und Rudolf Thönessen erweitert. © dpa
Seinen Weltruhm verdankt das Lenbachhaus aber vor allem der einmaligen Sammlung von Werken der Gruppe Der Blaue Reiter mit vielen Bildern von Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Franz Marc, August Macke, Marianne von Werefkin und Paul Klee. © dpa
Die Rückseite des Lenbachhauses an der Richard-Wagner-Straße. © Haag
Doch die Eröffnung der größten internationalen Kandinsky-Ausstellung seit 30 Jahren am 25. Oktober 2008 markiert für das Münchner Lenbachhaus den Beginn eines vorübergehenden Abschieds. © dpa
Der interaktive Wasserpavillon von Jeppe Hein am Lenbachhaus. © Schlaf
Ein wunderbarerer Ort für eine kleine Erfrischung, vor allem im Sommer. © Schlaf
Der Platz, an dem Franz von Lenbach seine Villa erbauen ließ, wurde von ihm mit Absicht gewählt. Direkt gegenüber dem klassizistischen Königsplatz mit den Propyläen schuf er sich eine Residenz, die er zu einem Zentrum der Kunst in München machen wollte. © Schlaf
Im Januar 2006 sorgte der Kartenvorverkauf für die Franz-Marc-Ausstellung für lange Schlangen rund um das Lenbachhaus. © Kurzendörfer
Ab Februar 2009 wird die Villa drei Jahre lang nach Plänen des britischen Stararchitekten Norman Foster umgebaut und saniert. © dpa
Das ehrgeizige Projekt kostet rund 56 Millionen Euro. Mit der Erweiterung um einen modernen, würfelförmigen Bau mit einer markanten Fassade sollten unter anderem die Besucherströme in das Museum mit der weltberühmten Sammlung “Blauer Reiter“ besser bewältigt werden, so Direktor Helmut Friedl. © dpa
Während das Lenbachhaus in den 1970er Jahren noch jährlich etwa 50 000 Besucher hatte, sind es seit 2000 im Schnitt pro Jahr 200 000. Während der Sanierung werden alle Kunstwerke in einem speziell errichteten Depot gelagert, so Friedl (im Bild).. © dpa

Der Entwurf: Die beiden Gebäudeflügel werden technisch saniert, aber nicht umgebaut. Besucher werden das Museum nicht mehr über den idyllischen Garten und die kleine Eingangstür der Villa betreten, sondern auf der Seite Brienner Straße. Dort befindet sich das würfelförmige Gebäude des Büros Foster: Über einen großzügig gestalteten Platz kommen Kunstfreunde oder auch Kaffeedurstige zum Foyer, Café und dem neuen Museumsshop. Aus der Eingangshalle blickt man auf den freigelegten Kopfbau der alten Villa.

Die Verkleidung des Kubus mit bronzefarbenen Keramikröhrchen machte auf die Politiker und Architekten in der Stadtgestaltungskommission zwar einen ansprechenden Eindruck – in der Simulation. Es wurden aber Zweifel laut, ob das Material nicht schnell schmuddelig wirken könnte. Die Architekten sollen dem Gremium ein Beispiel der Bemusterung im Originalformat vorlegen. Auch die Eingangssituation überzeugte die Experten noch nicht ganz. Der Siebziger-Jahre-Bau hinter dem Lenbachhaus wird abgerissen und durch den noch höheren Foster-Bau ersetzt.

Das Lenbachhaus heute.

Der Zeitplan: Schon vor zwei Jahren begann Lenbachhaus-Direktor Helmut Friedl damit, die Galerieräume zu leeren. Den Anfang machten die frühen Romantiker (Carl Spitzweg, Carl Rottmann, Franz von Kobell). Im Sommer 2008 folgten die Werke von Lovis Corinth, Franz von Stuck, Lenbach und Wilhelm Leibl. Sie lagern jetzt in den Depots auf der Theresienhöhe und rund um die Stadt, müssen noch etwas zusammenrücken für die restlichen Werke, die in den nächsten Wochen ankommen. Möglicherweise gehen einige von ihnen bis 2012 auf Reisen. Welche und wohin, dafür gibt’s noch keinen Plan. Klar ist: Zur Ausleihe kommen nur Häuser von Weltruf in Frage. Der Abriss des Erweiterungsbaus beginnt im Sommer, im Herbst soll der Grundstein für den Neubau gelegt werden. Die Fertigstellung des Gesamtprojekts ist für Ende 2011 angepeilt, die Eröffnung für Frühjahr 2012. Im Kunstbau finden auch während der Umbauzeit Ausstellungen statt.

Kosten: Alles in allem sind 56,2 Millionen Euro für die Erweiterungs- und Schönheitskur bewilligt. 2,5 Millionen wird der Freundeskreis Lenbachhaus beisteuern.

 

Barbara Wimmer

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