300 Kitas geschlossen

Die traurige Bilanz der Erzieherinnen

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Die Arbeit am Menschen muss mehr wert sein: 4000 Beschäftigte sind am Montag von der Theresienhöhe bis zum Stachus marschiert.
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Hannelore Mares (61) Kinderpflegerin im Kindergarten, ThalkirchenBrutto: 1756 EuroMiete: 450 Euro für 40 Quadratmeter am Westpark„Ich kämpfe hier für die Jugend. Als Pflegerinnen machen wir dieselbe Arbeit wie die Erzieherinnen – einfach weil es zu wenig Personal gibt. Teilweise müssen wir auch Tätigkeiten übernehmen, für die wir gar nicht ausgebildet sind. Trotzdem verdienen wir sehr viel weniger. Das kann doch einfach nicht wahr sein.“
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Nadine Guck (25)Kindheitspädagogin im Hort, HasenberglNetto: 1600 EuroMiete: 1000 Euro in HadernBleiben: 600 Euro„Wir Kindheitspädagogen werden verleugnet. Im Tarifvertrag werden wir nicht berücksichtigt. Aber wir sind doch Akademiker. Nach der Erzieher-Ausbildung habe ich den Bachelor gemacht. Mein Glück: Ich bin verheiratet und muss weniger Steuern zahlen.“
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Stefan Hofmann (29)Erzieher im Hort des Kreisjugendrings, HarthofNetto: 2000 EuroMiete: 1000 Euro für 73 Quadratmeter in Neu-AubingBleiben: 1000 Euro„Ich verdiene nur so viel, weil ich im Harthof sozusagen eine ‚schwierige Tätigkeit‘ ausführe. Eben weil der Hort in dem Stadtviertel liegt. Der Beruf wird nicht geschätzt. Meine Frau studiert, ein Auto können wir uns nicht leisten.“
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Christa Seidl (56)Sozialpädagogin im Stadtjugendamt, GiesingNetto: 1900 EuroMiete: 710 Euro für 2,5 Zimmer in RamersdorfBleiben: 1190 Euro„Ich habe studiert und bin seit 30 Jahren in meinem Beruf tätig. Mittlerweile arbeite ich nur noch 30 Stunden, weil ich nicht mehr so viel schaffe. Für die Verantwortung, die ich habe, sprich Kinder aus ihren Familien nehmen, Pflegeeltern finden und so weiter, fühle ich mich schlecht bezahlt. Kinder sind doch die Basis unserer Gesellschaft!“
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Christine Hundseder (55)Erzieherin im Haus für Kinder, TruderingNetto: 2010 EuroMiete: 610 Euro für eine DienstwohnungBleiben: 1400 Euro„Ich bin im 32. Jahr tätig und habe immer schon einen Nebenjob. Mein Luxus: So kann ich mal länger als eine Woche in den Spanien-Urlaub. In München kann man diesen Job nur machen, wenn man einen Zweitverdiener oder einen Nebenjob hat.“

München - Streikende Erzieherinnen und Erzieher aus München haben uns erzählt, wieviel Geld sie verdienen. Eine Umfrage:

Es ist keine schöne Bilanz, die die Münchner Erzieher, Sozialarbeiter und -pädagogen ziehen. „Unsere Arbeit wird nicht geschätzt“, sagen sie. Vor allem finanziell nicht. Ihre Forderung: durchschnittlich zehn Prozent mehr Lohn! Ihr Mittel: Streik. 300 Kitas im Stadtgebiet bleiben seit Montag für mindestens zwei Wochen geschlossen. Auch Mitarbeiter der sozialen Dienste wie etwa der Jugendzentren streiken. 4000 Frauen und Männer gingen auf die Straße. Mit Trillerpfeifen und Fahnen bewaffnet marschierten sie von der Theresienhöhe zum Stachus.„Wir sind Profis – und das muss belohnt werden“, skandierte ein Sprecher auf der Bühne am Karlsplatz. Verdi hatte zum Streik aufgerufen. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der dbb Beamtenbund setzen sich für höhere Löhne ein. Bitter nötig, wie die Streikenden meinen. Lesen Sie oben beim Durchklicken, was die Münchner verdienen:

Verena Usleber/Fotos: Reinhard Kurzendörfer

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