Umfrage zur Architektur: Darf es etwas moderner sein?

Der Neubau des Hotel Königshof steht sinnbildlich für die Zerissenheit der Münchner in Fragen der Architektur.

Die architektonische Mischung aus historischem Stadtbild und moderner Architektur wird von den Münchnern sehr gemischt beurteilt. Das geht aus der aktuellen Umfrage des Regionalinstituts für Marktforschung RIM hervor. Die Debatte um Architektur in der Isarmetropole könnte damit neue Fahrt aufnehmen.

Die Münchner sind gespalten – zumindest wenn es um die Architektur in ihrer Stadt geht. Ein gutes Beispiel für diese Zerissenheit ist der Neubau des Hotel Königshof: Einigen gefällt der Entwurf für das neue Hotel am Stachus, andere schreien Zeter und Mordio. Diese Stimmung gibt nun auch eine Umfrage des Regionalinstituts für Marktforschung RIM wieder. Das Institut hat für die Winterumfrage 709 Menschen aus München und der Region um ihre Meinung gebeten. Die Wissenschaftler hatten gefragt, wie gut es der Stadt gelingt, mit Bauprojekten einen lebendigen Mix aus historischem Stadtbild und neuer Architektur zu schaffen.

Fünf Prozent der Stadtbevölkerung attestieren der Stadt eine sehr gute Arbeit, 39 Prozent eine gute. 32 Prozent finden die Mischung weniger gut, und acht Prozent können mit der Leistung gar nichts anfangen. Der Rest hat dazu keine Meinung.

Auch unter der Umlandbevölkerung ist die Verteilung ähnlich, mit der Ausnahme, dass noch mehr Befragte keine Meinung zu der Thematik haben. 4,9 Prozent der Teilnehmer votierten für „sehr gut“, 30,1 Prozent für „gut“. Weniger gut fanden das Angebot 22,9 Prozent, gar nicht gut 6,4 Prozent.

Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass sich dieser Eindruck in der Gesamtbevölkerung der Region München unabhängig des Geschlechts manifestiert, dass es jedoch hinsichtlich der Altersgruppen der Bevölkerung signifikante Bewertungsunterschiede gibt. Während die jungen Erwachsenen bis 49 Jahre der Stadt mehrheitlich ein positives Urteil aussprechen, überwiegen unter den 50-Jährigen und Älteren die Kritiker.

Längst ist das Thema Architektur in München ein politisches geworden. Die CSUFraktion hatte gefordert, die Kommission für Stadtgestaltung auf den Prüfstand zu stellen. Das Gremium besteht seit dem Jahr 1970 und hat 27 Mitglieder. Sie entscheiden nicht über Baurecht, sondern beraten vielmehr über die Gestaltung und geben Empfehlungen für den Stadtrat sowie die mit dem Vorhaben befassten Behörden ab.

Zuletzt hatten die Pläne des Münchner Architekturbüros OSA für ein Hochhaus am Heimeranplatz zu Diskussionen geführt. Dem Bezirksausschuss gefiel der durchaus kühne, in sich verdrehte Neubau. Die Kommission für Stadtgestaltung kritisierte dagegen ausgerechnet diesen Kniff der Architekten.

Zwischenzeitlich hatten die Grünen auch gefordert, die Mitgliederzahl in der Kommission deutlich zu reduzieren. Die CSU schlägt vor, die Zusammensetzung des Gremiums als auch seine Arbeitsweise zu prüfen. Man müsse den Architekten eine unabhängige Beratung der Stadt ermöglichen. Das setze voraus, dass die ehrenamtliche Tätigkeit honoriert wird, während der Amtszeit keine Architektenleistungen in München erbracht werden und das Mandat auf drei Jahre begrenzt wird.

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