Paketposthallen-Areal

Umstrittene Hochhäuser: Jetzt testet die Stadt mit einem Trick, wie sie wirken

 Hochhäuser auf dem künftigen Paketposthallen-Areal als Simulation
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Mit Luftballons will die Stadt herausfinden, wie die Hochhäuser auf dem künftigen Paketposthallen-Areal auf die Silhouette der Stadt wirken.

Die Stadt macht bei der Planung der umstrittenen Hochhäuser auf dem Paketposthallen-Areal ernst. Neben einer Bürgerbefragung will sie herausfinden, wie die Türme auf die Silhouette der Stadt wirken - und lässt dafür zum Test Ballons aufsteigen.

Die Planungen für das Areal der Paketposthalle gehen in die nächste Phase. Kommenden Dienstag startet ein Bürgergutachten. 100 zufällig ausgewählte Münchner aller Altersgruppen sollen ihre Denkanstöße für die Nutzung der Flächen geben. Ein Fokus liegt auch auf Gestaltung und Höhenentwicklung der beiden markanten Türme.

Dafür gibt es schon am morgigen Donnerstag sozusagen einen Testlauf. Die Stadt lässt um 7.30 Uhr am Standort in Neuhausen zwei Ballons bis zur geplanten Höhe von 155 Metern aufsteigen. Um zu simulieren, wie sich die Türme in die Silhouette der Stadt einfügen. Bis 9 Uhr werden die kugelrunden Ballons mit vier Metern Durchmesser zum Beispiel vom Olympiaberg, der Donnersbergerbrücke oder dem Rondell bei Schloss Nymphenburg zu sehen sein. Auf Position gehalten werden die Flugkörper, für deren Aufstieg eine Genehmigung des Luftamts eingeholt wurde, über Seile und Umlenkrollen. Den Teilnehmern des Gutachtens dient die spektakuläre Aktion als Zusatz-Info zur persönlichen Meinungsbildung.

Die Teilnehmer der Befragung kommen aus dem gesamten Stadtgebiet

Der Stadtrat hatte zuvor diese Form der Bürgerbeteiligung beschlossen. Damit die Münchner ihre Vorschläge für die Entwicklung des 87 000 Quadratmeter großen Geländes in Neuhausen einbringen können. Das Bürgergutachten läuft von 5. bis 15 Oktober. Die Hälfte der 100 Teilnehmer ist zwischen 14 und 44 Jahre alt. Sie kommen aus dem gesamten Stadtgebiet, zwölf aus dem Bezirk Neuhausen-Nymphenburg. Die von der Stadt beauftragte Projektleiterin Christiane Dienel vom Institut Nexus erhofft sich einen „frischen Blick“ auf die Entwicklung des Areals. wie sie bei dem gestrigen Pressetermin sagt. Auch im Hinblick auf die Frage: „Was wünsche ich mir für mein München der nächsten 50 Jahre?“

Das Paketposthallen-Areal wird neu gestaltet. Im Bild: Investor Ralf Büschl.

Die Teilnehmer arbeiten in Kleingruppen und sollen das Areal unter verschiedenen Perspektiven begutachten. So geht es um die Nutzung der ab 2023 frei werdenden, denkmalgeschützten Paketposthalle, um die Gestaltung der Freiräume, um die Mobilität im Quartier, um die soziale Ausgewogenheit im neuen Viertel - und natürlich um Höhe und Gestaltung der Hochhäuser.

Die Höhe der Türme liegt weit über der im Jahr 2004 per Bürgerentscheid festgelegten Grenze von 100 Metern

Im bisherigen Masterplan für das Paketpost-Areal wurde eine Höhe von 155 Metern vorgeschlagen - also weit über der im Jahr 2004 per Bürgerentscheid festgelegten Grenze von 100 Metern. Rechtlich bindend ist diese Limitierung freilich nicht mehr. Die Bewertung der Bürger hat Dienel zufolge empfehlenden Charakter. Prinzipiell soll auf dem Gewerbeareal im Süden Neuhausens ein neues, unverwechselbares Stadtquartier mit 1100 Wohnungen sowie Büros mit 3000 Arbeitsplätzen entstehen. Den Mittelpunkt bildet die derzeit noch als Briefverteilzentrum genutzte 124 mal 147 Meter große Paketposthalle. Sie könnte künftig als öffentlicher Treffpunkt, als Kulturzentrum oder für sportliche Nutzungen dienen.

Auch Investor Ralf Büschl von der gleichnamigen Unternehmensgruppe ist am Dienstag zugegen. 2018 hatte er das Areal gekauft. „Es ermöglicht eine Chance, für die ganze Stadt ein nachhaltiges Quartier zu entwickeln“, erklärt Büschl. Er sei froh, dass die Bürger eine Chance zur Mitgestaltung hätten. Klar ist, dass der Investor mit dem Nutzungsmix seine Kosten refinanzieren muss. Allein die Revitalisierung der Halle kostet Büschl zufolge um die 100 Millionen Euro. Bis zur Bebauung des Areals ist es laut Büschl noch ein weiter Weg: „Das Projekt wird nicht vor Ende dieses Jahrzehnts abgeschlossen sein.“

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