Verschärfte Umwelt-Zone: Ärger für Mercedes-Fahrer

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Josef Kraft hat nach aufwendiger Suche eine Lösung gefunden, nachdem ihn die Mercedes-Niederlassung und auch der Stuttgarter Konzern auf der Suche nicht unterstützen wollten.

Münchner - Die Münchner Umweltzone wird verschärft. Ab Oktober dürfen nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette in die Innenstadt. Die dafür notwendige Filter-Nachrüstung kann für Fahrzeughalter zum beschwerlichen Hindernislauf werden.

Ein altes Auto sieht anders aus: Der schwere Mercedes von Josef Kraft ist zwar bereits sechseinhalb Jahre alt, hat aber gerade erst 33 500 Kilometer auf dem Tacho. Als Rentner fährt der 75-Jährige aus Germering nicht mehr so viel. Dennoch gab die Mercedes-Benz-Niederlassung München ihrem langjährigen Stammkunden für sein Auto, das er bei ihr Ende 2005 für über 70 000 Euro gekauft hatte, nur einen Rat: Verkaufen – und gleich einen neuen kaufen oder leasen. Grund: Das Fahrzeug darf ab Oktober nicht mehr in die Münchner Innenstadt.

Das war „ein schon etwas unverschämter Rat“, ärgert sich der Mercedes-Fahrer. Denn der Germeringer wollte keinen neuen Wagen. „Mein Auto erfüllt meine Zwecke mehr als genug“, sagt er. Es sei praktisch neuwertig. Außerdem stehe der Verkaufswert in keinem Verhältnis zum Preis eines Neuwagens. Was Kraft brauchte, war ein Rußpartikelfilter. Damit bekommt man die grüne Umweltplakette, die ab Oktober 2012 nötig ist, um in München freie Fahrt zu haben.

Diese Filter gibt es für die meisten jüngeren Dieselfahrzeuge – durchaus auch vor dem Baujahr 2005. Nur für den seltenen Achtzylinder-Diesel in Krafts Auto hat ihn Mercedes nicht mehr im Programm.

Das war vor knapp einem halben Jahr noch anders – auch in der Münchner Niederlassung. „Der Einbau kostet 2499 Euro“, erfuhr Josef Kraft dort telefonisch. Das war im Oktober 2011. Doch davon war schon vier Monate später keine Rede mehr. Der Hersteller Twin Tec liefere keine Filter mehr, erfuhr der Germeringer, als er im Februar 2012 einen Einbautermin in München vereinbaren wollte. Josef Kraft wollte das nicht glauben. Eine Rückfrage per E-Mail brachte ihn aber auch nicht weiter: „Zum aktuellen Zeitpunkt ist nach wie vor kein Partikelfilter lieferbar“, hieß es in der Antwort aus München. Alternativen zu Twin Tec nannte man nicht. „Für andere Hersteller besteht seitens Mercedes-Benz keine Freigabe.“

Eine Rückfrage bei Mercedes in Stuttgart erbrachte ebenfalls kein brauchbares Ergebnis. „Wir haben leider auch keinen Dieselpartikelfilter für den ML 400 CDI auf Lager. Sie können nur noch im Internet danach suchen.“

Doch Josef Kraft wollte Filter und Einbau aus einer Hand. Und er erfuhr: Das gibt es sogar bei Mercedes. Die Niederlassung Augsburg antwortete auf seine Anfrage: „Für Ihr Fahrzeug können wir Ihnen einen Partikelfilter anbieten. Preis inklusive Einbau wäre 3150 Euro. Lieferzeit drei bis vier Wochen.“

Vor allem der erheblich höhere Preis schreckte ihn ab. Der lag immerhin mehr als ein Viertel über dem ursprünglichen Angebot. Ein großer Mercedes-Händler in Baden-Württemberg bot nun auch den Einbau an – für rund 220 Euro weniger als die Niederlassung in Augsburg – aber auch noch recht teuer.

Der 75-Jährige bohrte aber weiter nach und kam zu einem erstaunlichen Ergebnis: Der angebliche Hersteller Twin Tec hat den Filter überhaupt nicht selbst gebaut, sondern nur damit gehandelt. Hersteller war die Firma KAT in Backnang – und sie ist es immer noch. Bei ihr wird der freigegebene Filter, den auch die Münchner Mercedes-Niederlassung im Angebot hatte, nach wie vor gebaut, verkauft und sogar eingebaut – für 2600 Euro.

Josef Kraft fackelte nicht lange, nahm die 500 Kilometer Fahrt in Kauf und ließ sich den Filter vom Hersteller selbst einbauen. Inzwischen hat er auch die grüne Plakette an der Windschutzscheibe seines Autos. Jetzt hofft er, dass seine Odyssee zum Rußfilter wenigstens anderen Fahrern älterer Dieselautos den Weg in die verschärfte Umweltzone erleichtert.

Martin Prem

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