Konkrete Ziele sollen bis 2030 umgesetzt werden

Auch für München: Radikaler Parkplatz-Rückbau und allgemeines Tempolimit 30 gefordert

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Bekanntes Bild in München: Stau in der City. Damit soll bald Schluss sein - weil der Fußgängerverkehr in den Blickpunkt rückt.

Der Autoverkehr in Deutschlands Städten soll zugunsten der Fußgänger eingedämmt werden. Das Umweltbundesamt nennt in seinen Forderungen bereits konkrete Zahlen. Vor allem geht es um die Parkplätze.

München - Das Umweltbundesamt (UBA) fordert, dass Deutschlands Städte für Fußgänger lebenswerter und sicherer gemacht werden sollen - zulasten des motorisierten Verkehrs. Das sieht die Fußverkehrsstrategie vor, die das UBA auf dem zweiten deutschen Fußverkehrskongress vorstellt. Der Kongress findet derzeit in Berlin statt. Demnach soll die Zahl der Wege, die jeder Städter zu Fuß zurücklegt, bis 2030 um die Hälfte steigen, die Zahl der getöteten Fußgänger (gut 530 im Jahr 2015) in Städten deutlich reduziert werden. Dafür sollen unter anderem zwei Drittel der Parkplätze wegfallen.

Laut der 55-seitigen Untersuchung namens „Geht doch! Grundzüge einer bundesweiten Fußverkehrsstrategie“ kranken die Metropolen an einer jahrzehntelangen Fehlentwicklung: „Städtebauliche Leitbilder - wie insbesondere die autogerechte Stadt - haben den Fußverkehr im Straßenbild weitgehend als Restgröße an den Rand gedrängt.“ So habe stets die „Flüssigkeit des Verkehrs“ Vorrang, Fußgänger seien die „blinden Flecken der Verkehrspolitik“.

Gehwegen sollen breiter und Bußgelder für Falschparker erhöht werden

Deshalb und auch aus Klimaschutzgründen muss laut Umweltbundesamt gegengesteuert werden. Zu den Vorschlägen zählen 2,50 Meter breite Gehwege, kürzere Wartezeiten für Fußgänger an Ampeln, flächendeckend Tempo 30 in Städten, mehr Zebrastreifen und höhere Bußgelder für Falschparker.

Insbesondere der „ruhende motorisierte Individualverkehr in Großstädten“ - also die Parkplätze am Straßenrand und auf Wohngrundstücken - soll laut UBA arg beschnitten werden. Das würde auch München betreffen. Laut Studie kommt auf jeden Städter eine Fläche von 4,5 Quadratmetern für Parkraum. Diese soll bis 2030 auf 3 Quadratmeter und letztlich 1,5 Quadratmeter reduziert werden. Generell sei eine veränderte Aufteilung des Straßenraums notwendig: Statt von „innen nach außen“ zu planen - also angefangen von Fahrbahnen für den motorisierten Verkehr über Busspuren und Radwege hin zu Gehwegen - sollte das Konzept auf „von außen nach innen“, also vom Gebäude zur Straßenmitte hin, umgestellt werden.

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Keine systematische Planung und Förderung des Fußverkehrs

In den Verwaltungen soll es feste Zuständigkeiten für den Fußverkehr geben. „Fußläufige Erreichbarkeit“ soll als Entwurfs- oder Erschließungskriterium im Baugesetzbuch, in Planwerken und Richtlinien verankert werden. Denn obwohl in den deutschen Kern- und Innenstädten heute bereits rund 30 bis 40 Prozent der Wege zu Fuß zurückgelegt werden, erfahre der Fußverkehr in Programmen und Konzepten von Bund, Ländern und Kommunen keine systematische Planung und Förderung - wohl weil keine direkten wirtschaftlichen Interessen damit verbunden seien.

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Als Ziel gibt das UBA einen Fußverkehrsanteil vor, der bis 2030 von durchschnittlich 27 Prozent in Kernstädten auf 41 Prozent und von durchschnittlich 23 Prozent in ländlichen Kreisen auf 35 Prozent ansteigt. Die Pkw-Dichte soll langfristig auf einen Zielwert von 150 Autos pro 1000 Einwohner in Großstädten sinken.

Die Studie, die auf dem Kongress offiziell an diesem Freitag vorgestellt wird, hat das Deutsche Institut für Urbanistik im Auftrag des UBA verfasst.

Johannes Löhr

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