Pickerl an die Windschutzscheibe

Sieht München bald blau? München für neue Diesel-Plaketten 

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Umweltbundesamt verlangt zweierlei Plaketten für Diesel-Autos

Münchens Dieselfahrer im Wechselbad der Gefühle! Wer darf künftig noch in die Innenstädte fahren? Gibt’s eine einheitliche Regelung oder einen bundesweiten Flickenteppich?

München - „Eine einzige Plakette wird nicht reichen“, sagt Maria Krautzberger, die Präsidentin des Umweltbundesamts. Sie fordert eine hellblaue Plakette für nachgerüstete Euro-5- und Euro-6-Diesel sowie eine dunkelblaue Plakette für besonders saubere Diesel, die die Euro-6d- oder Euro-6d-Temp-Norm erfüllen. Das würde heißen: Man würde die Autos in mehrere Untertypen untergliedern. Wer wann mit welcher Plakette wo hineinfahren dürfte, ist noch völlig unklar. Denkbar scheint aber eine Stufenregelung: Am Anfang dürfen alle Diesel in die Innenstadt, später dann zum Beispiel nur noch diejenigen mit dunkelblauer Plakette.

Hellblau oder dunkelbau?

Sieht München also künftig blau? Nicht, wenn es nach dem künftigen Bundesverkehrsminster Andreas Scheuer (43, CSU) geht. Der lehnt jede Form von Kennzeichnung sauberer Diesel-Fahrzeuge ab. „Die blaue Plakette ist fachlich begründet falsch und bedeutet in der Folge Fahrverbote“, sagte er der Passauer Neuen Presse. Zwar hätten die Menschen einen Anspruch auf saubere Luft, man müsse aber auch etwas gegen „Quasi-Enteignung“ von Dieselfahrern tun.

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Diesel-Autos:Welche Lösung wird es für München geben?

Umweltreferentin Stephanie Jacobs will mehrere Plaketten.

Bei der Stadt sorgt diese Haltung für Unverständnis. „Die Stadt München würde grundsätzlich die Schaffung mehrerer neuer Plaketten begrüßen“, sagt Umweltreferentin Stephanie Jacobs (41, parteilos). Sie hält eine Entwicklung der bestehenden Umweltzone für den einzig praktikablen Weg, die Stickstoff-Emissionen in der Stadt spürbar und kurzfristig einzudämmen. Eine Lösung mit mehreren Plaketten könnte laut Jacobs zudem dazu dienen, die Verhätnismäßigkeit zu wahren. Die hatte das Bundesverwaltungsgericht besonders betont. „So könnten in der ersten Stufe nur ältere Fahrzeuge bis zur Abgasnorm Euro 4 ausgeschlossen werden, Fahrzeuge der Schadstoffklasse 5 dürften frühestens zum 1. September 2019 betroffen sein“, sagt Jacobs. Erfahrungen bei einer solchen schrittweisen Einführung von Einfahrverboten hat die Stadt schon durch die Einführung der Umweltzone (grüne Plakette). „Diese kann als Blaupause herangezogen werden.“ 

Wie lässt sich mein Diesel umrüsten?

Gerade für Fahrer von Dieselautos, die die Euro-5-Norm ­erfüllen und noch nicht so ­viele Jahre auf dem Buckel haben, stellt sich die Frage der Nachrüstung ihres Selbstzünders. Die ist theoretisch durchaus möglich. Der ADAC hat es getestet. Dafür wurden die Testfahrzeuge mit einem sogenannten SCR-System zur Reduktion von Stickoxiden in den Abgasen ausgestattet. Die Folge: Innerorts 70 Prozent weniger Schadstoffe! Ein Software-Update, wie es die Autohersteller anbieten, bringt nur eine Reduzierung von etwa 25 bis 30 Prozent. Die Kosten für eine Hardware-Umrüstung liegen – je nach Fahrzeug – bei 1400 bis 3300 Euro. Noch-Umweltministerin Barbara Hendricks (65, SPD) und Verbraucherzentralen-Chef Klaus Müller (47) haben bereits gefordert, die Autoindustrie müsse als Verursacher des Problems für Nachrüstung zahlen. In den USA und Kanada hatte sich die Industrie aufgrund des großen Drucks zu einem Hardware-Update auf eigene Kosten verpflichtet.

Wie lässt sich mein Diesel umrüsten?

Das sagen Münchner zum Diesel-Verbot: Ich mache mir keine Sorgen

Ich glaube, beim Diesel wird nichts passieren. Ich fahre meinen Diesel mit Euro-Norm 6, bis der Leasingvertrag ausläuft. Danach werde ich auf Hybrid umsteigen. Für die Zukunft wünsche ich mir mehr Ehrlichkeit. Elektroautos sind auch nicht das Gelbe (oder das Grüne) vom Ei. Da sind ja schließlich die Batterien – und die müssen ja auch entsorgt werden…Nick Golüke (44), Filmproduzent

Umwelt geht einfach vor

Ich fahre zwar einen Diesel, werde aber bald auf einen Benziner umsteigen. Mein Wagen ist schon zehn Jahre alt – und wenn ich mir Gedanken über einen neuen mache, dann spielt die aktuelle Diesel-Diskussion schon auch eine Rolle. Wenn die zwei Plaketten kommen, dann wird die Luft in der Stadt vielleicht etwas sauberer werden. Umwelt geht einfach vor! Christiane Deissler (25), Studentin

Taxis brauchen Ausnahmen

Es ist noch gar nichts entschieden. Die Stadt muss jetzt überlegen, wie es weitergeht. Aber eines ist ganz klar: Taxis brauchen definitiv Ausnahmen. Sowieso muss man zwischen Privatautos und gewerblich genutzten Fahrzeugen unterscheiden. Man kann doch nicht den ganzen Betrieb lahmlegen. Wir Taxifahrer hoffen, dass die Stadt uns finanziell unterstützt, falls Plaketten kommen. Saed Latef (47), Taxifahrer

Autohändler, Vermieter, Dieselfahrer und ADAC: Das sagen die Betroffenen zum Diesel-Verbot

Lesen Sie hier: Experte im Interview: „Fahrverbote nicht nötig“

mk/ Umfrage Jonas Schumann

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