Erfolg ist zweifelhaft

Umweltzone: 35.000 Autos müssen raus

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Sind betroffen: Alexander Hammerschmidt (55, links), und M. Rrusfemi (37, rechts), beide Kfz-Mechaniker aus Dachau

München - Stinker raus! Die Stadt will die Umweltzone verschärfen und 35.000 weitere Autos ab Oktober aus dem Zentrum verbannen. Der Erfolg ist überschaubar.

Dabei bringt die Verschärfung nicht mehr viel, die Münchner Luft wird kaum noch besser. Umweltreferent Joachim Lorenz (Grüne) gibt Gas: „Es überwiegen weiterhin die positiven Argumente.“ Heute soll der Stadtrat entscheiden, aber SPD und CSU treten auf die Bremse!

Denn in dieser dritten Stufe wären viel mehr Fahrer betroffen als bei der zweiten: Heuer bekämen 27 300 Autos und 7673 Laster mit gelber Plakette Fahrverbot! Betroffen sind Diesel mit Abgas-Norm 3 und mit Norm 2 plus Partikelfilter. Vor zwei Jahren waren nur 12 000 Fahrzeuge mit rotem Wapperl ausgesperrt worden.

Dabei bringt die Umweltzone kaum noch etwas – das belegt das Gutachten zur Bilanz seit der Einführung 2008. Damals pusteten die Autos plötzlich dramatisch weniger Dreck in die Luft: Feinstaub reduzierte sich um 31 Prozent! Doch schon die zweite Stufe 2010 brachte keine zwei Prozent mehr. Die dritte Stufe heuer würde keine drei Prozent zusätzlich reduzieren. Ähnlich sind die Ergebnisse der Bilanz an elf Straßen für Dieselruß und Stickoxide.

Auch die Luft ist zunächst deutlich, später nur noch wenig besser geworden. Die gesamte Feinstaub-Belastung ging 2008 um 4,4 Prozent zurück. Das bedeutet: Die Stadt überschritt den Grenzwert an sieben Tagen weniger! 2010 waren es nur 0,35 Prozent. Heuer wären es 0,6 Prozent – immerhin ein Tag weniger über dem Grenzwert.

„Der Minderungseffekt ist zum wesentlichen Teil bereits der 1. Stufe geschuldet“, erkennt auch der Umweltreferent an. 2008 wurden schon die größten Dreckschleudern ausgesperrt, heuer träfe es viel kleinere Stinker. Dennoch seien weitere Verbesserungen zu erwarten – zum Wohl der Gesundheit. Außerdem könnte ein Verzicht Klagen gegen die Stadt befördern.

SPD und CSU haben Zweifel. „Wir sehen viele Fragezeichen“, sagt CSU-Fraktionschef Josef Schmid. Auch SPD-Umweltsprecherin Heide Rieke fehlen für die Abwägung noch Daten – etwa zum Alter der betroffenen Autos. Schließlich müssen deren Besitzer wohl bald neue Autos kaufen.

David Costanzo

Jetzt muss ich den Wagen umrüsten

Die Politiker spinnen doch. Es gibt ganz andere Probleme, um die sie sich kümmern sollen. Ich muss laut Werkstatt jetzt 1500 Euro für das Umrüsten auf einen Rußpartikelfilter zahlen. Das wollte ich eigentlich nicht ausgeben. Aber jetzt bin ich wohl dazu gezwungen.

Georgios Siossios (48), Elektrotechniker aus München

Das Auto ist nur noch die Hälfte wert

Wir fahren oft in die Stadt und müssen uns jetzt ein neues Auto kaufen, weil wir das alte nicht umrüsten können. Für den Wagen bekommen wir bestimmt nur 2000 Euro, obwohl er noch 5000 wert wäre.

Alexander Hammerschmidt (55), M. Rrusfemi (37), beide Kfz-Mechaniker aus Dachau

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