Umwerfend: Sade in der Olympiahalle

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Sade auf ihrer aktuellen Tour (hier in Zürich)

München - Es gibt sie tatsächlich! So richtig in echt! Sade Adu, die Sphinx des Soul, bewies nach mehr als einem Jahrzehnt endlich wieder live, dass sie keine schöne Illusion ist.

Sie ist ein lebendiges Wesen, womöglich sogar aus Fleisch und Blut. Sade in der Olympiahalle – das erinnerte an einen hinreißenden Bugatti, liebevoll konserviert, nach vielen Jahren wieder aus der Garage geholt – und atemberaubender denn je. Was für ein glanzvolles Comeback! Magie in Moll! Sie lässt sich Zeit, viel Zeit, bis um kurz vor halb zehn plötzlich ein Gewitter durch die Halle tost. Ein Blitz, ein Feuerball – der Bühnenvorhang entflammt, das Publikum auch. Sade ist da, schwebt aus der dampfenden Unterwelt auf die Bühne und setzt das Jahr 1984 wieder in Kraft. Das gleiche Schwarz am Körper, das gleiche Rot auf den Lippen, die gleichen wagenradgroßen Ohrringe – aus jeder Pore dieser Frau strömt Klasse.

Mühelos enttarnt Sade ihr Alter als albernen Zahlendreher. Die ersten Welthits mit 25 – und jetzt zeitlos schön mit 52. Belanglose Statistik. Viel wichtiger: Madame Adu gibt nicht die kühle Diva ihrer Plattencover. Sie strahlt, scheint auf ihrer grandios illuminierten Bühne jede Minute zu genießen – kein Wunder bei Songs wie dem hypnotischen Love Is Found, dem sehnsuchtsvollen Jezebel oder dem wolkenverhangenen Morning Bird.Sades Stimme klingt voll und warm wie einst bei Smooth Operator, vielleicht noch wärmer. Your Love Is King haucht sie. Sade ist Queen. Und ihre Band, mit der sie seit 1983 spielt, straft alle Lügen, die Sades Musik als loungigen Soundtrack für amerikanische Kaffeehäuser belächeln. Bisweilen dengeln die Gitarren, dass die Caramel Latte Blasen schlagen würde. Am Ende steht Sade in einem weißen, glitzernden Etwas auf der Bühne, die Haare offen, und verneigt sich vor ihren fantastischen Musikern. Die Olympiahalle verneigt sich vor Sade. Much Adu about Wahnsinn.

Jörg Heinrich

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