Tausend Dank, stiller Engel

tz-Leserin spendet für zwei Familien in Not

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tz-Reporterin Beate Winterer (2.v.l.) übergibt Familie H. aus Riem die 500 Euro von der unbekannten Spenderin, mit dabei Riem-Arcaden-Chef Wolfgang Kropp (3.v.l.)

München - Ein unscheinbarer Umschlag, darin eine Grußkarte und 500 Euro. Der Absender: unbekannt! Schon zwei solcher Briefe sind der tz-Redaktion in den vergangenen Wochen ins Haus geflattert.

Immer mit der Bitte, das Geld an in Not geratene Münchner weiterzuleiten, über die die tz berichtet hat. Die beschenkten Familien freuen sich riesig über die Finanzspritze. Aber alle fragen sich: Wer ist der stille Engel?

Viel ist nicht über die großzügige Münchnerin bekannt. In ihren Briefen verrät sie nur so viel: „Ich bin nicht reich, doch habe ich mehr als ich verbrauchen kann.“ Deshalb teilt sie ihr Geld mit Waltraud Vogt und ihrer behinderten Tochter Michaela Hengmith und Familie H., deren Wohnung von einer Rakate zerstört wurde.

„Wir sind der Spenderin sehr dankbar. Man findet selten Menschen, die einfach helfen“, sagt der Vater. Mit den 500 Euro will er einen Kühlschrank und eine Gefriertruhe anschaffen. Denn in der Silvesternacht fiel fast die komplette Einrichtung einem Feuer zum Opfer. Während Familie H. in der Messestadt Riem das Feuerwerk bewunderte, setzte eine fehlgeleitete Rakete auf ihrem Balkon Christbaum und Gartenmöbel in Brand. Dann wanderten die Flammen durch die Wohnung. „Wir waren geschockt. Möbel, Elektrogeräte, alles kaputt“, erinnert sich H. Die Versicherung übernimmt nur einen Teil. In ihrer Not wandte sich Familie H. an die Riem Arcaden. Die organisierten für die Zeit der Renovierung eine Unterkunft und sammeln Spenden. „Das Ziel sind 5000 Euro“, sagt Manager Wolfgang Kropp.

Waltraud Vogt und Michaela Hengmith wollen mit dem Geld die Terrasse umbauen.

Waltraud Vogt (58) aus Großhadern muss seit Januar sparen, weil der Staat ihrer Tochter Michaela Hengmith einen Teil der Grundsicherung gestrichen hat. Die 38-Jährige leidet unter einer schweren Form des Down-Syndroms, kann nicht sprechen und braucht Spezialkost. „Warum spart der Staat ausgerechnet bei uns?“, fragte Vogt in der tz. Der SV Sentilo Blumenau machte Michaela zur Begünstigten eines Benefizturniers im Juli. „Bis dahin ist noch lange hin“, schreibt die unbekannte Spenderin und schickt den beiden ebenfalls 500 Euro. „Das rührt mich sehr. Jetzt können wir schon im Frühjahr eine neue Terrasse für Michaela bauen“, sagt Vogt.

Zu gerne würden die Beschenkten wissen, wem sie den Geldsegen zu verdanken haben. Schon im vergangenen Jahr spendeten Leser für einen Witwer (94), dem ein Räuber die Rente stahl. Auch damals war ein Umschlag mit genau 500 Euro dabei. Vielleicht kam auch der vom stillen Engel?

B. Winterer

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