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Horror-Tat mitten in München: Schülerin (12) von Mädchen-Gang brutal gequält und erniedrigt

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Es ist eine Tat, die sprachlos macht. Ein Mädchen wurde, mitten in München, auf brutale Weise von Mitschülerinnen gequält. Jetzt sind viele Fragen offen.

München - Diese Szenen verstören jeden, der sie sieht: Ein Mädchen kniet vor einer Gruppe von Jugendlichen. Zwei Wortführerinnen der Gang erniedrigen ihr Opfer, demütigen und schlagen es unter Gejohle der Umstehenden. Die Bande macht sich lustig über das Mädchen, filmt ihre Taten teilweise mit dem Handy. Ausschnitte des Videos liegen unserer Zeitung vor. Das Mädchen, das diesen Horror ertragen musste, ist gerade mal zwölf Jahre alt. Wir nennen es Sandra.

Unfassbare Tat in München: Mädchen von Mitschülerinnen brutal gequält

Ihr Vater berichtet in der tz über das Martyrium seiner Tochter. „Unsere ganze Familie steht unter Schock. Meine Tochter wurde drei Stunden lang geschlagen und misshandelt. Die Täterinnen haben sich von den Jungs Tipps geholt, wie man boxt, damit es richtig wehtut. Es ist wie in einem schlechten Film, wie im Krieg. Mitten in München!“ Die Täterinnen gehen laut dem Vater auf dieselbe Schule wie seine Tochter, eine Realschule auf der Schwanthalerhöhe. Sie seien ein, zwei Jahre älter. Zu dem grausamen Vorfall sei es vergangenen Freitag gekommen – am letzten Schultag vor den Ferien. „Die Mädchen haben meine Tochter nach der Zeugnisvergabe genötigt mitzukommen.“ Man müsse etwas „klären“. Außerhalb des Schulgeländes in einem Hinterhof umzingeln die Jugendlichen Sandra.

Zigaretten auf Körper ausgedrückt, geboxt - Mädchen in München brutal zugerichtet

Es geht mitunter um Konflikte auf dem Balkan – einige der Täterinnen haben hier auch ihre Wurzeln. Sandra muss auf die Knie gehen. Eine Täterin ohrfeigt sie, täuscht immer wieder Boxschläge an, spuckt vor ihr auf den Boden, erniedrigt sie. Sandras Eltern sind derweil noch ahnungslos, „wir haben uns Sorgen gemacht, weil sie um 13 Uhr immer noch nicht daheim war“. Anrufe seien weggedrückt worden. Gegen halb zwei rief Sandra endlich an. „Sie war völlig aufgelöst, hat uns erzählt, dass sie geschlagen wurde.“ An einer Bushaltestelle nahmen die Eltern ihre verängstigte Tochter in Empfang. „Sie hatte ein blaues Auge, an den Armen und Beinen wurden Zigaretten ausgedrückt.“

Horror-Tag mitten in der Stadt: Eine Schülerin wurde von einer Gruppe Mädchen brutal geschlagen und erniedrigt.
Bilder aus dem Original-Video der Horror-Tat, das der tz-Redaktion vorliegt. © tz

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Sandra wurde noch am selben Tag im Krankenhaus untersucht, die Familie erstattete Anzeige bei der Polizei. Die Pressestelle teilt auf tz-Anfrage mit, dass „eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung, Diebstahl und Beleidigung aufgenommen“ worden sei. Strafrechtlich könnten Personen unter 14 Jahren nicht zur Verantwortung gezogen werden. Grundsätzlich gebe es bei Straftaten von Kindern „Maßnahmen des Familiengerichts“. Die Haupttäter werden wohl der Schule verwiesen. Das Referat für Bildung und Sport (RBS) teilt mit, dass sie Hausverbot haben, bis der Ausschluss von der Schule formal besiegelt sei.

Horror-Tat im Westend: Schülerin in Hinterhof brutal zugerichtet

Das RBS bestätigt auf tz-Anfrage den Vorfall, der „sehr brutal“ war. Schulleitung und Schulpsychologin seien eingeschaltet. An Schulen gebe es zwar immer mal wieder Auseinandersetzungen, aber: „Dieser Vorfall ist in seiner Art und Weise absolut einzigartig.“ Fakt ist: Die Jugendkriminalität in München steigt an, Polizeipräsident Thomas Hampel nimmt das Thema sehr ernst. Im Juli fand ein Schwerpunkteinsatz in der Messestadt Riem und in Neuperlach statt. Die Tendenz gibt es aber offenbar nicht nur hier, sondern stadtweit.

Gewalttaten sind keine Ausnahmen mehr. Im Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe setzt man sich deshalb zum Beispiel für einen runden Tisch ein, um Jugend-Gewalt einzudämmen (s. rechts). Holger Henkel (SPD) sieht „nicht nur Einzelfälle, sondern eine Struktur“. Auch seine Söhne seien schon Opfer minderjähriger Gewalttäter geworden. „Aus unserer Sicht gibt es auf jeden Fall Handlungsbedarf. Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.“

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