"Und plötzlich war meine Oma weg"

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Julian P. an Unfallstelle Pfarrstraße. Hier ist seine Oma Paula von einem Auto erfasst worden. Die 83-Jährige hatte Glück im Unglück und kann die Klinik bald wieder verlassen

München - Julian P. (18) musste mit ansehen, wie seine Oma von einem Auto erfasst und zu Boden geschleudert wurde. Unfassbar: Die Autofahrerin machte sich einfach aus dem Staub.

Gerade hatte sie noch dort gestanden. Und dann war meine Oma plötzlich weg. Ich war total geschockt“. So schildert der 18-jährige Student Julian P. den schlimmen Moment, in dem seine Großmutter (83) am Montag von einem Auto erfasst und zu Boden geschleudert wurde. Die Autofahrerin ist nicht bekannt. Sie machte sich aus dem Staub, während Julian seine Oma versorgte und meldete sich auch nachträglich nicht bei der Polizei. Darum wird sie nun wegen Unfallflucht gesucht.

Julian und seine Familie sowie Großmutter Paula H. wohnen in Obergiesing in zwei Häusern Tür an Tür. Seitdem die heute 83-jährige, rüstige Seniorin Witwe ist, kümmert sich die ganze Familie um sie. Eine Haushaltshilfe geht ihr zudem ein wenig zur Hand. Am Montag wollte Julian ein paar Besorgungen für seine Mutter erledigen und auch nach seiner Oma sehen. „Sie war nicht da. Ich traf sie wenig später draußen im Pfarrweg auf der Straße. Es war so viel Verkehr. Ich sagte zu ihr: Wart‘ einen Augenblick. Ich geh‘ schnell in die Apotheke und dann bring ich Dich heim.“ Nach ungefähr zehn Schritten hörte er hinter sich ein Hupen, dann kreischten Bremsen. Er fuhr herum, sah seine Großmutter auf der Fahrbahn vor einem silbernen Auto stehen und dann plötzlich nach hinten wegkippen. In Sekundenschnelle war der 18-Jährige zur Stelle: „Sie lag auf dem Rücken vorm Auto und hatte sich den Hinterkopf aufgeschlagen.“ Zusammen mit einem Passanten trug Julian die zierliche Seniorin zu ihrem Haus, brachte sie in ihre Wohnung und setzte sie dort in einen Stuhl: „Sie war ganz durcheinander und fragte immer wieder: Was ist denn passiert?“ Der Notarzt war rasch da und nahm Paula H. mit.

Bevor Julian P. seine Oma heimbrachte, hatte er die Autofahrerin gebeten, auf ihn zu warten. Doch als der Student zurückkehrte, war die Frau (55 bis 65 Jahre alt, korpulent, schulterlanges, graues Haar, Brille) verschwunden. Sie fuhr ein silbernes Auto (eventuell älterer BMW). Julian: „Ich mach ihr gar keinen Vorwurf, weil sie sicher auch überfordert war mit der Situation“, glaubt er. Vor dem Gesetz jedoch ist das Unfallflucht. Das Unfallkommando der Polizei (Tel.: 6216-3322) bittet um Hinweise.

Paula H. ist mittlerweile auf dem Weg der Besserung. Die Wunde am Hinterkopf wurde genäht. An den Unfall selbst hat sie keinerlei Erinnerung mehr. Noch ist sie in der Klinik: „Aber spätestens am Donnerstag holen wir sie wieder heim.“

Dorita Plange

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