Radl-Rambo stellt sich! Opfer ringt mit Tod

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Orhan S. (74) liegt im tiefen Koma auf der Intensivstation.

München - Ein Radl-Rambo hat am Mittwochabend in der Hansastraße Orhan S. umgefahren, der seitdem mit dem Tod ringt. Die Familie fahndete auch auf eigene Faust - mit Erfolg.

Orhan S. ringt seit Mittwochabend auf der Intensivstation mit dem Tod.

Seine Familie hat Zeitungen, Radiosendern und dem Fernsehen unzählige Interviews gegeben. Sie hat 1000 Flugblätter verteilt und aufgehängt – und sie hat unablässig an einen Mann appelliert, endlich zu seiner Verantwortung zu stehen. Seit Mittwochnachmittag ist die Familie von Orhan S. (74) am Ziel: In Begleitung seines Anwalts hat sich der Radl-Rambo gestellt, der am Mittwoch vor einer Woche den ehemaligen Lehrer niederfuhr – und flüchtete.

Der Tatort vor der Hansastraße 24: Am Donnerstag behinderte schon wieder ein Fahrzeug auf dem Gehsteig die Fußgänger. In genau dieser Situation kollidierte Orhan S. (74; kl. Foto) mit dem Radfahrer.

Der Mann, ein 30-jähriger Münchner aus Laim, hatte am Mittwochabend mit seinem Fahrrad Orhan S. umgefahren. Es war gegen 23.10 Uhr, als der folgenschwere Unfall passierte. Der 74-jährige Orhan war zusammen mit seiner Frau Ülkü und einer gemeinsamen Freundin auf dem Gehweg an der Hansastraße unterwegs.
Auf Höhe der Hausnummer 24 musste Orhan S. auf den Radlweg ausweichen, weil ein Transporter den Gehweg blockierte. Der Rentner blickte sich um, trat dann auf den Radweg. In diesem Augenblick schoss ein Geisterradler – noch dazu – ohne Licht heran.

Der Aufprall war so heftig, dass Orhan S. rückwärts auf den Boden knallte – und mit dem Hinterkopf auf den Asphalt krachte. Er war sofort bewusstlos. Der Radler rappelte sich wieder auf. Er blieb zunächst am Unfallort, wechselte mit Orhans Frau ein paar Worte.

Als der Krankenwagen heranraste, schwang sich der Rambo auf sein Radl und flüchtete in die Dunkelheit.

Sein Opfer kam mit einer lebensgefährlichen Hirnblutung und Brüchen von Nase, Wangenknochen und Stirnbein ins Klinikum rechts der Isar. Hier liegt der einst so vitale 74-Jährige im tiefen Koma.

Seine Frau und sein Sohn wachen seit acht Tagen an seinem Bett, streicheln ihn, halten ihm die Hand, sprechen mit ihm. „Wir wissen nicht, ob er jemals wieder gesund wird“, sagt Sohn Umut (28).

Dass der feige Radl-Rambo sich endlich gestellt hat, ist für die Familie eine Erleichterung. Trotzdem: „Wir sind wütend darüber, dass er eine Woche dazu gebraucht hat.“

J. Mell

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