Drama auf Innsbrucker Ring

Schrecklicher Unfall: Fahrer muss in den Knast

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Ein Bild der Zerstörung hat sich damals den rettungskräften geboten.

München - Es sollte eine heitere Geburtstagsfeier werden und endete in einem Drama mit einem Toten und vier Schwerverletzten. Jetzt stand der Todesfahrer vor Gericht.

Lukasz S. raste in der Nacht des 22. Oktober mit seinem Honda auf der Kreuzung Ottobrunner Straße/Innsbrucker Ring in einen BMW. Dessen 55-jähriger Fahrer war sofort tot, Lukasz S. und seine drei Mitfahrer wurden schwer verletzt. Am Mittwoch verurteilte das Amtsgericht S. zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren.

Damit findet ein außergewöhnlicher Fall seinen vorläufigen Abschluss. Die Richterin sprach von „einem der krassesten Verkehrsunfälle“, den sie bisher in einer Verhandlung erlebt habe. Ebenso sahen das der Staatsanwalt und der Anwalt der Nebenklägerin.

Lukasz S., 29 Jahre alt, Maler- und Lackierermeister ohne Vorstrafen, hatte an dem besagten Abend zuviel getrunken und sich trotzdem hinters Steuer gesetzt. S. muss mit mindestens 0,98 Promille unterwegs gewesen sein. Er selbst sagt, er könne sich nur bruchstückhaft an den Verlauf des Abends erinnern. Seit längerem versucht er vergeblich, seine Gedächtnislücken mit psychologischer Hilfe zu schließen. Auch seine drei Mitfahrer, zwei Arbeitskollegen und ein weiterer Freund, hatten auf viele Fragen der Richterin nur eine Antwort: „Das weiß ich nicht mehr.“

Dennoch hat das Gericht sich ein Bild des schicksalhaften Abends gemacht. Der beginnt mit einer Geburtstagsfeier im Haus eines der Männer. Es gibt Sekt; ob S. zu dem Zeitpunkt schon mittrinkt, bleibt unklar. Danach fährt er die Gruppe in den „Hufnagel“, ein Lokal in der Ottobrunner Straße. Es ist Karaoke-Abend, gute Stimmung, die Männer bleiben nicht die ganze Zeit zusammen. Irgendwann, vermutlich gegen 1 Uhr nachts, brechen sie gemeinsam auf in Richtung Kultfabrik, dem ehemaligen Kunstpark Ost. Die Männer sprechen noch darüber, ob sie ein Taxi nehmen sollen, doch S. fühlt sich „fit“ und fährt los, die Ottobrunner Straße entlang.

Ein Augenzeuge, der auf ein Taxi wartet, sieht einen Wagen, der deutlich schneller als die anderen vorbeirast – mit rund 100 km/h, wird das Unfall-Gutachten später feststellen. Der BMW-Fahrer kommt vom Innsbrucker Ring. Er fährt bei Grün in die Kreuzung, Lukasz S. bei Rot. Nach dem Zusammenprall überschlägt sich der BMW mehrfach. S.’s Honda schiebt zwei geparkte Autos zusammen. Zwei Zeugen leisten sofort Erste Hilfe. Den BMW-Fahrer können sie ebenso wenig retten wie später der Notarzt. Der Jurist, verheiratet, drei Kinder, stirbt noch am Unfallort.

Lukasz S., selbst verheiratet und zweifacher Vater, bereut das Geschehene. Er sitzt während der Verhandlung wie versteinert auf seinem Platz, bleich, die Hände im Schoß verschränkt. Er hat der Witwe einen Brief geschrieben und sich entschuldigt. Als der Staatsanwalt drei Jahre Freiheitsstrafe fordert, kämpft S. mit den Tränen. Verurteilt wird er wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs.

Michaela Kakuk

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