Unfassbar: Bewohner (86) in Luxus-Altenheim verprügelt!

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Georg S. wurde im Luxus-Altenheim „Kursana“ verprügelt. Sein Betreuer erhebt schwere Vorwürfe

München - Das Thalkirchner Pflegeheim „Kursana“ geriet vor sechs Wochen wegen erheblicher Mängel ins Visier der Heimaufsicht. Jetzt ist dort ein 86-Jähriger von einem anderen Bewohner zusammengeschlagen worden.

Die Heimaufsicht prüft, ob der Demenzkranke zwei Stunden verletzt im Flur lag, bevor er entdeckt wurde. Fest steht aber, dass Heimbewohner Josef W. (Name geändert) in der „Villa München“ am Sonntag gegen 20.15 Uhr über den 86-jährigen Georg S. herfällt, ihn schlägt, mit seinem Gehstock malträtiert und mit Füßen tritt.

Opfer Georg S.

Fest steht auch, dass S. schwer verletzt um 22.15 Uhr in der Rinecker-Klinik aufgenommen wird – mit gebrochenem Oberschenkelhalskopf und zahllosen Hämatomen. „Er hätte ihn umbringen können. Das hat er Gott sei Dank nicht geschafft“, sagt S.s rechtlicher Betreuer, der seinen Namen nicht lesen will. Bis heute wisse er nicht, ob der demenzkranke S., früher leitender Beamter bei der Stadt München, die zwei Stunden zwischen Angriff und Einlieferung ins Krankenhaus im Gang lag. „Ich kann mir vorstellen, dass keiner gespannt hat, dass etwas passiert ist“, sagt der Betreuer. Es gebe im Haus seit längerem „erhebliche Probleme. Bei jedem Besuch sind neue Pflegekräfte da“.

Der Täter war alkoholisiert

W., berichtet der Betreuer weiter, sei alkoholisiert gewesen – und nicht zum ersten Mal durch aggressives Verhalten aufgefallen. Vor einiger Zeit habe der demente Mann schon einmal eine Frau mit seinem Stock angegriffen. W.s Tochter hat sich bei ihm entschuldigt. Die Frau sei selbst verärgert: Obwohl das Heim angewiesen war, W. keinen Alkohol zu geben, bekam er Wein. Sauer ist der Mann, der sich seit 2006 um die Belange von Georg S. kümmert, vor allem auf die Verantwortlichen im Haus. Erst am Tag nach der Schlägerei erfuhr er davon – allerdings nicht vom Heim, sondern vom Arzt im Krankenhaus.

Dass es im Luxus-Seniorenheim nicht zum Besten steht, seit der private Berliner Träger „Kursana“ es im September vom US-Unternehmen „Sunrise“ übernahm, war Anfang Februar offenbar geworden. Da hatte die Heimaufsicht des KVR „erhebliche Pflegemängel“ festgestellt – und einen Aufnahmestopp verhängt. Nicht nur, dass die Fachkraftquote von 50 Prozent nicht erfüllt war, es hatten sich auch Bewohner wundgelegen und 40 Senioren hatten viel Gewicht verloren.

Auch die Heimaufsicht erfährt am Donnerstag erst durch die Zeitungsanfrage von dem Vorfall. Sebastian Groth vom KVR sagt, es sei „nicht akzeptabel“, dass das Heim die Behörde nicht unterrichtet habe. „Zumal wir erst am Mittwoch wieder im Haus waren“. „Man bedauere den Vorfall außerordentlich“, sagt „Kursana“-Sprecherin Michaela Mehls. Die Mitarbeiter hätten aber "sofort, umsichtig und fachlich richtig" reagiert. Es habe bei W. zuvor „nie Hinweise auf körperliche Aggressionen“ gegeben und man reiche ihm „aktiv nur alkoholfreie Getränke“.

Den Betreuer von Herrn S. zu informieren, sei „bedauerlicherweise unterlassen worden“. Ansonsten sei fachlich richtig und sofort reagiert worden.

Caroline Wörmann

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