Sie kamen nach Deutschland um Hilfe zu bekommen

Flüchtlingsfamilie bangt um das Leben zweier Söhne

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Fitore und Milaim K. flohen aus dem Kosovo nach Deutschland, um ihren an Epilepsie leidenden Sohn Erton behandeln zu lassen.

München - Familie K. aus dem Kosovo hoffte in München auf medizinische Hilfe – und muss nun um das Leben zweier Söhne bangen. Ihr unfassbares Schicksal:

Autoreifen qietschen. Ein dumpfer Aufprall, Schreie überall. Die Sekunden, in denen der siebenjährige Erdi vom Auto erfasst wird, verfolgen Vater Milaim K. (34) jede Nacht bis in den Schlaf. Milaim durchlebt die schlimmste Zeit seines Lebens: Nach dem dramatischen Unfall des mittleren Sohnes in Riem liegt nun auch der jüngste Sohn in der Kinderklinik. Er kämpft ein paar Meter vom großen Bruder entfernt mit einer gefährlichen Lungenentzündung.

„Die Angst um meine Jungs bringt mich fast um“, erzählte der Vater der tz. Die Familie war mit ihren drei Söhnen im Januar von ihrer Heimat Pristina nach München gekommen. „Mein Jüngster hat Epilepsie. Da die Versorgung und das Gesundheitssystem im Kosovo so schlecht sind, sind wir nach Deutschland gekommen“, sagt Milaim K.

Der siebenjährige Erdi hatte einen schweren Autounfall, als er beim Spielen einem Ball auf die Straße nachrannte. Erdi überlebte nur dank einer Notoperation.

Die Familie verkauft ihr Haus und leiht sich zusätzlich 2000 Euro für die Reise. „Allein an der ungarischen Grenze sind wir sieben Stunden durch den Wald gelaufen“, sagt Milaim K. In Ungarn habe man ihnen das ganze Geld abgenommen. In München beantragt die Familie Asyl, wohnt in Asyl-Containern in der Messestadt Ost. Milaim und die Buben sind dennoch glücklich, denn endlich soll Erton (4) gut versorgt werden. Die medizinische Behandlung wird bei Asylbewerbern von Ländern und Kommunen übernommen. Auch das ist ein Grund für viele, in Deutschland Asyl zu beantragen, Zwar steht ihnen bisher nur eine notfallartige Minimalversorgung zu, aber die ist oft schon besser als das, was in der Heimat zu bekommen ist. Erton mit seiner Epilepsie ist ein Notfall. Und tragischerweise nun auch Erdi.

Am 25. Februar passiert es: Milaim ist mit seinen beiden größeren Söhnen beim Fußballspielen an der Willy-Brandt-Allee in Riem. Als der Ball wegspringt und auf die vierspurige Straße fliegt, rennt der siebenjährige Erdi instinktiv hinterher. Ein BMW erfasst den Buben und schleudert ihn durch die Luft. Der Vater: „Ich habe gerade nicht aufs Spielfeld gesehen – und nur die Geräusche gehört. Als ich mich umdrehte, hat sich Erdi gerade mehrmals auf der Straße überschlagen. Ich habe nur geschrien. Ich dachte, er stirbt.“

Erdis großer Bruder Eris (8), der alles mitansehen muss, umklammert den Jüngeren und will ihn auch nicht loslassen, als die Rettungskräfte Erdi in einen Helikopter heben. Aber Erdi hat einen Schutzengel: Er überlebt nach einer Not-Operation. „Mein Sohn hat mehrere Brüche am Kopf, seine Zähne haben sich in den Kopf gerammt, Leber und Hüfte sind geprellt“, sagt der Vater. „Wegen der Schmerzen und damit die Schwellung abklingt, haben ihn die Ärzte in einen Tiefschlaf versetzt.“ Welche Schäden bleiben, ist noch unklar. Wie es das Schicksal so will, brütet der kleine Erton, der ohnehin schon an Epilepsie leidet, derweil eine schlimme Grippe aus. In der Kinderklinik des Bruders erkennen die Ärzte sofort: Auch Erton muss hierbleiben. Er hat eine Lungentzündung! Seit einer Woche liegt Erton schon im Krankenhaus. Vater Milaim sagt: „Sein Herz ist sehr schwach.“ Auch wenn beide Kinder wieder gesund werden sollten, liegt ein steiniger Weg vor der Familie. „Als Kosovo-Albaner haben wir kaum Chancen auf Asyl. Aber wir haben da unten nichts mehr. Wie sollen wir dort mit einem chronisch kranken Kind und einem Sohn, der lange unter dem Unfall leiden wird, überleben?“ Der große Sohn Eris (8), der nicht nur den tragischen Unfall hautnah miterleben musste, hat gefragt: „Warum ist alles so schlimm geworden, Papa? Du hast doch gesagt, dass alles gut wird, wenn wir in Deutschland sind.“ Der Vater weiß darauf keine Antwort.

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