Brutale Tat am Westfriedhof

Jetzt soll das ungarische Entführer-Duo büßen

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Diese Frau hat eine 51-Jährige entführt und ausgeraubt. Eine Überwachungskamera in einer Bank machte diese Bilder

München - Ein ungarisches Paar soll Autofahrerinnen überfallen, entführt und ausgeraubt haben. Auch in München sind die Täter äußerst brutal vorgegangen. Jetzt soll das Duo büßen.

Das Martyrium, das sie am 21. März durchlitten hat, wird die 51 Jahre alte Münchnerin nie vergessen. Eineinhalb Stunden lang ist sie in der Gewalt der Täter, die sie mit einer Pistole bedrohen. In ihrer Aufregung nennt die Computerfachfrau den Entführern die falsche PIN zu ihrer Bankkarte. Das Gangsterduo fährt mit seinem Opfer zu mehreren Banken – und wird immer verärgerter, als es vergeblich versucht, Geld abzuheben. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft München Anklage gegen ein ungarisches Paar erhoben – wegen erpresserischen Menschenraubs.

Der Münchner Fall ist nicht der einzige, der auf das Konto von Richard H. (37) und seiner Lebensgefährtin Beata V. (27) gehen soll. Auch in Frankfurt am Main und Wien sollen sie im März 2012 auf Parkplätzen Autofahrerinnen mit einer Soft-Air-Pistole in ihre Gewalt gebracht haben. Laut Anklage zwangen sie ihre Opfer mit Todesdrohungen und teils massiven Schlägen dazu, ihnen Bargeld, Wertgegenstände und Bankkarten nebst PIN zu geben. Die Beschuldigten hätten die Vorwürfe im Wesentlichen eingeräumt, erklärte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch am Donnerstag.

Die Serie beginnt am 7. März in Frankfurt, wo das Paar eine 72-jährige Frau, die am Parkplatz Bockenheimer Depot gerade in ihr Auto steigt, bedroht und fesselt. Nachdem Richard H. der Seniorin mit der Waffe – die in allen Fällen ungeladen gewesen sein soll – ins Gesicht geschlagen hat, nennt sie die Geheimnummern für ihre EC- und Kreditkarten. Das Gangsterduo nimmt der Frau noch einen Goldring sowie Handy und Autoschlüssel ab, bevor es flieht – und sogleich 1000 Euro vom Konto der Frau abhebt.

Zehn Tage später sollen die Tatverdächtigen laut Anklage erneut zugeschlagen haben, diesmal in Wien. Am Petersplatz steigen sie in ein Taxi, geben sich als normale Fahrgäste aus. Von der 49 Jahre alten Fahrerin lassen sie sich ins Parkhaus eines Einkaufszentrums chauffieren. Dort zwingen sie ihr Opfer mit vorhehaltener Waffe zur Herausgabe von Bankkarten und PINs. Auch Bargeld, Mobiltelefone und eine Lederjacke nehmen sie mit. Als die Ringe der Taxifahrerin nicht leicht von den Fingern zu ziehen sind, sagt H., er werde ihr notfalls eben die Finger abschneiden.

Ihr letztes Opfer sprechen H. und V. am Park & Ride-Parkplatz der U-Bahn-Station Westfriedhof in München an. Wo der nächste Geldautomat sei, fragen sie die 51-jährige Frau auf Englisch. Als die Computerexpertin, die nach Feierabend ihren BMW holen will, die beiden nicht zur Bank fahren will, zückt H. die Pistole. Das Paar bugsiert die Frau ins Auto und presst mit Schlägen ihre PIN aus ihr heraus. Nach der erfolglosen Tour zu mehreren Geldautomaten lassen die Täter das Auto mit dem gefesselten Opfer gegen 20.30 Uhr an einer Tiefgarage an der Romanstraße zurück. Ein Anwohner entdeckt die veränsgtigte Frau wenig später.

Das Münchner Opfer wird bei dem Überfall schwer verletzt. Als die 51-Jährige in Panik um Hilfe schreit, schlägt H. sie mehrfach in den Bauch und ins Gesicht. Die Verletzungen im Kopfbereich seien „zumindest abstrakt lebensgefährlich“ gewesen, heißt es in der 47-seitigen Anklageschrift, in der 30 Zeugen und 11 Sachveständige benannt werden. Die Frau sei bis heute „psychisch schwer traumatisiert“.

Wann der Prozess vor dem Landgericht München I beginnt, ist noch unklar. Erpresserischer Menschenraub kann mit Haftstrafen zwischen fünf und 15 Jahren bestraft werden. Die Anklage wirft den Beschuldigten zudem besonders schweren Raub und gefährliche Körperverletzung vor.

Acht Tage nach dem Überfall in München wurde das brutale Gangsterpaar in Frankfurt am Main festgenommen. Zum schnellen Fahndungserfolg hatten die gestochen scharfen Bilder der Überwachungskamera einer Münchner Bank beigetragen. Sie zeigten Beata V. beim Versuch, das Konto ihres Opfers zu plündern. Bei einer Routinekontrolle in der Frankfurter Innenstadt erkannten zwei Zivilpolizisten V. Dass es sich um die Gesuchten handelte, darauf wies noch mehr hin: H. und V. trugen Kabelbinder bei sich sowie Nahverkehrs-Tickets aus München. Zudem fanden Ermittler die Kleidung, die sie bei den Taten trugen, und Gegenstände, die sie der 51-jährigen Münchnerin gestohlen hatten.

Caroline Wörmann

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