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Madagaskar - eines der ärmsten Länder der Welt

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Die Kinder sind zwar fröhlich, leben aber in ärmsten Verhältnissen. © Michael Westermann

München - Madagaskar ist in Deutschland – nicht zuletzt aus den gleichnamigen Zeichentrickfilmen – als Natur- und Pflanzenparadies bekannt. Doch die Insel ist eines der ärmsten Länder der Welt.

Es ist das Land, in dem der Pfeffer wächst und in die ganze Welt exportiert wird. Aber die Insel im Indischen Ozean vor der Ostküste Mosambiks zählt zu den ärmsten Ländern der Erde. In Madagaskar leben rund 20 Millionen Menschen auf einer Fläche von 587 000 Quadratkilometern. Das Land ist damit fast 1,5 mal so groß wie Deutschland und nach Indonesien der zweitgrößte Inselstaat der Welt.

Land und Leute

Hauptstadt der Republik Madagaskar ist Antananarivo mit ca. zwei

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Das Leben in den Slums

Millionen Einwohnern. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil in Antananarivo etwa 75 Prozent der Einwohner in Slums leben und oft nicht gemeldet sind. Bindeglied der Bevölkerung, die sich aus südostasiatischen, arabischen, indischen und afrikanischen Zuwanderern zusammensetzt, ist die Nationalsprache Malagasy. 52 Prozent der Bevölkerung sind Anhänger von Naturreligionen, 41 Prozent sind Christen und sieben Prozent Moslems. Die Madagassen gelten als sehr friedliches Volk, das still unter den instabilen politischen Verhältnissen leidet. In vielen anderen afrikanischen Ländern wäre bei einer vergleichbaren politischen Situation wohl längst ein Bürgerkrieg ausgebrochen.

Aktuelle politische Lage

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© dpa

Am 17. März 2009 hat sich Andry Rajoelina an die Macht in Madagaskar geputscht. Der gewählte vorherige Präsident Marc Ravalomanana flüchtete ins Exil nach Südafrika. Ravalomanana, einer der mächtigsten Geschäftsmänner Madagaskars, hatte eine ultraliberale Wirtschaftspolitik betrieben und eine hohe Inflationsrate in Kauf genommen – Teile der Bevölkerung waren daher zunehmend unzufrieden. Er hatte jedoch gut mit Industrienationen wie den USA und Deutschland zusammengearbeitet und einen Entwicklungsplan für Madagaskar aufstellen lassen – das Land schien auf einem gutem Weg. Die politische Krise begann mit friedlichen Demonstrationen gegen die Schließung eines regierungskritischen Fernsehsenders und eskalierte in landesweiten Ausschreitungen mit Plünderungen, nächtlicher Ausgangssperre und 196 Toten in der Zivilbevölkerung. Der jetzige Präsident Rajoelina nutzte die Krise, um sich an die Macht zu putschen. Unter dem erst 35-jährigen Rajoelina – er war vorher Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo und DJ – hat sich die Lage der madagassischen Bevölkerung aber nicht verbessert. Da er nicht demokratisch gewählt wurde, wird er auf internationaler Ebene nicht anerkannt, viele Entwicklungshilfezahlungen liegen auf Eis. Auch die einheimische Wirtschaft ist in der Krise, viele Firmen mussten ihre Arbeiter entlassen und schließen. Die aufkeimende Tourismusbranche ist am Boden, obwohl die Lage für Touristen inzwischen wieder als sicher gilt. Die Menschen darben. Rajoelina hat sich nach der Entmachtung seines Vorgängers selbst zum Präsidenten ernannt und für 2010 Wahlen versprochen. Um überhaupt zum Präsidenten gewählt werden zu können, wird der 35- Jährige die Verfassung ändern müssen. Diese sieht für das höchste Amt im Staat ein Mindestalter von 40 Jahren vor.

Geschichte und Natur

Madagaskar ist einer der letzten Teile der Erde, die durch den Menschen

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Lemuren sind Halbaffen und kommen nur in Madagaskar vor. © dpa

besiedelt wurden, etwa um 320 vor Christus. Ab dem 13. Jahrhundert entstanden erste Königtümer, 1500 wurde Madagaskar von europäischen Seefahrern entdeckt. Nach einem gescheiterten Kolonialisierungsversuch im 17. Jahrhundert hatten sich die Franzosen 1896 die Herrschaft endgültig erkämpft. Madagaskar stand von 1896 bis 1960 gegen den Widerstand der Madagassen unter französischer Kolonialherrschaft. Als sogenannte „alte Insel“ wurde Madagaskar vor 150 Millionen Jahren von Afrika und vor 90 Millionen Jahren vom indischen Subkontinent getrennt. Durch die lange isolierte Entwicklung ist auf der Insel eine sehr eigenständige Natur mit vielen einzigartigen Tier- und Pflanzenarten entstanden. In Madagaskar gibt es weder Affen noch Giftschlagen, dafür ist z.B. die Halbaffengattung der Lemuren nur hier heimisch. Doch die einzigartige Flora und Fauna der Insel sind bedroht. Von de nursprünglich fast flächendeckenden Regenwäldern sind heute nur noch vier Prozent erhalten.

Humanitäre Lage

Madagaskar zählt zu den ärmsten Ländern der Welt: 61 Prozent der Bevölkerung müssen mit weniger als 1 US-Dollar am Tag auskommen, der Anteil an unterernährten Menschen liegt bei 38 Prozent! Auf dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen (Human Development Index) steht Madagaskar hinter Angola und Nepal auf Platz 145 von 182. Nur 46 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu sauberem Wasser, fast 30 Prozent der Erwachsenen sind Analphabeten. Noch heute reicht die Schulbildung der wenigsten Kinder (vier von 100) über das Grundschulwissen hinaus. Die öffentlichen Bildungsausgaben lagen 2005 bei 3,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die Ausgaben für Gesundheit bei 1,8 Prozent. Jährlich sterben 81 000 Kinder unter fünf Jahren, die meisten an Durchfall, Unterernährung und Infektionskrankheiten.

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