Öffnen Sie Ihr Herz, liebe Leser!

Dieses Huhn kostete Assis fast das Leben

+
Sind in Sicherheit: Assis und seine geliebtes Huhn.

München - Nicht aufgeben, sich immer etwas Neues einfallen lassen, lästig sein. Das alles macht Albert Dietrich, Chef der Stadtinformtion im Münchner Rathaus.

Trostloser kann ein Ort kaum aussehen: Eine rund ein Hektar große Betonfläche, meterhoch eingezäunt, darüber drei Lagen Stacheldraht, Überwachungskameras noch und nöcher. Und doch ist dies ein Platz, an dem die Menschen voller Hoffnung sind.

15 Busse stehen in Reih und Glied und warten zweimal täglich auf Flüchtlinge, die in Zakho aus der Türkei nach Kurdistan einreisen. Manchmal dauert es Stunden, die die Familien aus Syrien oder anderen Gebieten des Iraks ausharren müssen, bis ihre Busse losfahren. Aussteigen ist nicht erlaubt. Jeder wartet in seinem Bus.

Spendenkonten:

Commerzbank:

IBAN: DE78 7008 00000326 900000 BIC: DRESDEFF700

Stadtsparkasse München

IBAN: DE70 7015 00000000 263525

BIC: SSKMDEMM

Zuvor werden sie offiziell in Kurdistan als Flüchtlinge aufgenommen. Während eine Gruppe gerade befragt und registriert wird, lacht ein Sicherheitsmann plötzlich laut. „Hey, schaut mal her. Hier ist ein Huhn.“ Zwischen Plastiktüten, schreienden Babys und aufgeregten Menschen steht Assis (7). Den Bub scheint der ganze Trubel nicht aus der Ruhe zu bringen. Unter dem Arm hat er tatsächlich ein Huhn. Hasna heißt seine Henne, zu Deutsch: die Schöne. Für Assis ist Hasna die Allerschönste. Die IS-Milizen waren schon in seinem Dorf, als die Familie dabei war, Haus und Hof zu verlassen. Assis wollte erst nicht mit, weil er Hasna nicht fand. Nie hätte der Bub seine Heimat ohne sein Huhn verlassen. „Niemals. Sie ist meine Freundin. Und Freunde lässt man nicht im Stich“, sagt Assis.

Sein Vater, ein Landwirt und bis zu jenem Tag Besitzer vieler Hühner, verzweifelte fast, weil Assis nicht gehen wollte. Aber schließlich fand er Hasna. Und die Familie flüchtete. „Irgendwie ist die Henne fast so etwas wie ein Schutzengel“, so Assis Papa Ahmed. Und er kann verstehen, dass sein Sohn die Schöne braucht. „Assis Großvater ist in Kobane ums Leben gekommen, mein Sohn war dabei, als es passiert ist“, so Ahmed weiter. Mehr kann und will er nicht sagen. Vor allem vor seinen fünf Kindern nicht. Die Erinnerung an das Blutbad ist schlimm genug.

Die Menschen hier an der Grenze warten voller Hoffnung. Nach vielen Tagen der Flucht scheinen sie jetzt endlich in Sicherheit zu sein. Wer es über die Grenze nach Kurdistan schafft, hat zumindest schon einmal die Verfolgung durch die IS-Terroristen in der Heimat überlebt.

Gerade kommen wieder Flüchtlinge aus Kobane an. Mitarbeiter von Unicef kümmern sich um die Familien, registrieren die Namen und impfen jedes Kind. „Brechen später in einem Lager zum Beispiel Masern aus, hat das verheerende Folgen“, erklärt Unicef-Nothilfe-Expertin Freya von Groote.

tz-Aktion mit Unicef: Bilder aus den Krisengebieten

tz-Aktion mit Unicef: Bilder aus den Krisengebieten

Ahmeds Familie ist fertig registriert, geimpft und hat von Unicef Decken, Energieriegel und Wasser bekommen. So starten Assis mit Hasna und all die anderen, die an diesem Tag in Zakho angekommen sind in ihre ungewisse Zukunft. Ahmed gibt uns seine Handynummer. Wir wollen wissen, wie es mit der Schönen weitergeht.

Der Bus bringt die Flüchtlinge aus Kobane in ein Verteilungslager nach Erbil. Über 900 Kilometer liegen inzwischen hinter ihnen. Alle sind erschöpft. Und dann bekommen sie keinen Platz im Camp Dara Shakran. Die Odyssee geht weiter. Schließlich kommt Ahmed mit seiner Familie in einer Moschee unweit des Lagers unter.

Assis und Hasna kennt hier schnell das ganze Dorf. Jeder will den Buben kennenlernen, der nur mit seinem Huhn im Arm einschlafen kann. Alle Moschee-Bewohner geben etwas Futter – Reiskörner oder Brotkrumen reichen Hasna. Die Henne weicht nicht von Assis Seite. Der Siebenjährige ist mächtig stolz, dass er es geschafft hat, seine besten Freundin zu retten. Allerdings macht er sich gerade etwas Sorgen: Hasna legt keine Eier mehr. Sein Vater musste ihm ein Versprechen geben: Auch wenn Hasna weiter legefaul bleibt, darf sie nicht geschlachtet werden. Ahmed: „Wenn das Assis einziger Wunsch ist, erfülle ich ihn doch gerne.“

Bitte öffnen Sie Ihr Herz!

Selten hat mich ein Unicef-Projekt so berührt wie unsere Reise in den Nordirak. Die Flüchtlingskinder, die ich dort getroffen habe, sind nicht nur arm. Viele haben Schlimmes erlebt: Elternteile verloren, das Blutvergießen mit eigenen Augen gesehen. Sie stehen da ohne irgendwas. Und sind für jede Kleinigkeit unendlich dankbar. Für jedes Bild, das sie malen dürfen, für jedes Bonbon, für jede Zuneigung und jedes einzelne Kleidungsstück. Weihnachten werden viele der Kinder frieren, manche sogar erfrieren. Am liebsten würde man jedes Einzelne in den Arm nehmen und wärmen. Das können wird nicht. Aber wir können helfen und spenden: Öffnen Sie Ihr Herz und spenden Sie für die unschuldigen Terroropfern des IS.

Dorit Caspary

tz-Aktion für Unicef: Spenden Sie für Flüchtlingskinder

Erfahren Sie mehr über die Aktion der tz mit Unicef auf tz.de/unicef

Wie Sie spenden können, erfahren Sie hier! Und das Angenehme dabei: Sie können sogar einen 218i BMW Active Tourer gewinnen!

Auch interessant

Meistgelesen

31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht

Kommentare