Unser Flughafen der Zukunft

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München - Ein 1,7 Milliarden Euro teures Ausbau-Programm soll dem Münchner Flughafen zusätzlichen Aufwind verleihen. Die tz erklärt das Großprojekt.

Münchens Tor zur Welt wird immer größer: Bestmarken bei Passagierzahlen und Frachtaufkommen, neue Rekorde bereits im Anflug – Flughafen-Chef Dr. Michael Kerkloh schlüpfte in die Rolle von Bayerns oberstem Himmelsstürmer, als er am Montag seine Halbjahresbilanz präsentierte. Und damit ist noch lange nicht die Luft raus: Ein Ausbau-Programm soll Deutschlands zweitwichtigstem Airport zusätzlichen Aufwind verleihen. Die tz erklärt, was im Erdinger Moos in den nächsten Jahren alles passiert.

Andreas Beez

Die OP am offenen Herzen

Dr. Michael Kerkloh ist ein ehrgeiziger Manager – der Mann weiß: Wachstum fliegt einem nicht zu. Deshalb nutzte der Flughafen-Chef am Montag die Präsentation seiner Halbjahresbilanz zu einem leidenschaftlichen Plädoyer für den Bau der dritten Starbahn. Sie soll der wichtigste Einschnitt im Rahmen einer „Operation am offenen Herzen unseres Flughafens“ werden, wie Kerk­loh erläuterte. So sollen am Airport im Erdinger Moos in den nächsten Jahren etwa 1,7 Milliarden Euro verbaut werden. Die tz erklärt, wie es um die wichtigsten Vorhaben bestellt ist:

- Dritte Startbahn: Momentan jetten die Maschinen über zwei Bahnen, dieses System ermöglicht 90 planbare Starts und Landungen pro Stunde. Viel zu wenig, findet Kerkloh: „Aufgrund der Kapazitätsengpässe können wir die Nachfrage nach zusätzlichen Flügen kaum mehr bedienen.“ Der Bau der dritten Startbahn würde 30 weitere Flugbewegungen pro Stunde ermöglichen. Das Planfestellungsverfahren – an dessen Ende die Baugenehmigung steht – befinde sich „auf der Zielgeraden“, berichtete Kerkloh.

Doch auch nach einem positiven Bescheid der Regierung von Oberbayern könnten wohl nicht sofort die Bagger anrollen. Zuvor werden erstmal die Gerichte bemüht, das haben die Ausbau-Gegner bereits angekündigt. Sie fürchten gravierende Schäden an der Natur und massive Lärmbelästigungen. Kerkloh betonte am Montag, dass er die Sorgen der Anrainer ernst nehmen und mit ihnen gemeinsam nach möglichst verträglichen Lösungen suchen wolle. Den Bau als solches sieht er aber nicht gefährdet – und bekommt dabei Rückendeckung von seinem Aufsichtsratsvorsitzenden. Finanzminister Georg Fahrenschon zur tz: „Ich gehe davon aus, dass das Projekt einer gerichtlichen Überprüfung standhalten wird.“ Wenn es nach den Airport-Bossen geht, werden 2015 die ersten Maschinen von der dritten Startbahn abheben. Für den Bau habe der Flughafen eine knappe Milliarde Euro eingeplant, sagte Kerkloh.

- Im selben Jahr will er zudem ein neues Abfertigungsgebäude einweihen. Dieser so genannte Satellit des Terminal 2 soll die Kapazität des Flughafens um elf Millionen auf dann 50 Millionen Fluggäste erhöhen. „Wir setzen dieses Gebäude praktisch auf das Dach einer bestehenden Gepäckhalle drauf“, berichtete Kerkloh. Mit Hilfe einer Art U-Bahn sollen die Passagiere im 90-Sekunden-Takt ins Terminal 2 pendeln können.

In dem neuen Satelliten sollen 52 Gates eingerichtet werden, die Passagiere werden an insgesamt 50 Abstellpositionen direkt vom Gebäude in den Flieger steigen können. Außerdem geplant: Restaurants, Bars und Geschäfte auf 9000 Quadratmetern Fläche. Für das Mammut-Projekt will die Flughafen GmbH etwa 800 Millionen Euro lockermachen. Allerdings übernimmt die Lufthansa als wichtigste Partner-Airline 40 Prozent der Kosten. Ein ähnliches Finanzierungsmodell hatten die Manager bereits beim Bau des Terminal 2 angewandt.

Wo mehr Passagiere starten und landen, werden auch mehr Koffer verräumt. Deshalb soll eine neue Beförderungsanlage im Terminal 2 künftig bis zu 36 Millionen Gepäckstücke jährlich sortieren können.

- Zu den beiden großen Bauprojekten kommen Erweiterungen der Speditionsgebäude und Parkhäuser. Das große Ziel der Airport-Manager: Sie wollen dem großen Bruder weiter auf die Pelle rücken: Kerkloh: „Wir wollen Frankfurt machen – aber mit Münchner Qualität!“

Flughafen sichert fast 100 000 Jobs

tz-Interview mit Georg Fahrenschon, Bayerns Finanzminister und Aufsichtsrats- Chef des Münchner Flughafens

Herr Fahrenschon, wie wichtig ist der Flughafen-Ausbau für den Freistaat?

Georg Fahrenschon: Der volkswirtschaftliche Nutzen macht sich fest an…

…der Verbesserung der Standortbedingungen des Wirtschaftsstandorts Bayern, der auf attraktive Verkehrsanbindung in alle Welt angewiesen ist. Das südliche Drehkreuz Deutschlands muss sich auch in Zukunft in München drehen. …der Ansiedlung international tätiger Unternehmen. Ohne leistungsstarke Luftverkehrs-Infrastruktur wäre die herausragende Stellung Bayerns als weltweit geschätzter Forschungs- und erstklassiger High-Tech-Standort nicht denkbar. Längst ist die Nähe zu dem leistungsfähigen Airport zu einem entscheidenden Kriterium für die Standortentscheidung von Investoren aus dem In- und Ausland, wie zum Beispiel Linde oder Microsoft, geworden.

…an den dadurch generierten zusätzlichen Arbeitsplätzen. Mit insgesamt etwa 30 000 Beschäftigten und über 600 Auszubildenden ist allein der Flughafenstandort München zu einer der größten Arbeits- und Ausbildungsstätten im Freistaat herangewachsen. Dabei kommen auf jeden Arbeitsplatz am Flughafen statistisch betrachtet noch einmal bis zu zwei weitere Arbeitsplätze außerhalb des Airports, die durch die indirekten Beschäftigungs­impulse des Flughafenbetriebs entstehen. Der Betrieb des Luftverkehrs-Drehkreuzes München sichert dadurch nahezu 100 000 Arbeitsplätze.

Der Transrapid zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen liegt auf Eis. Gibt es neue Pläne für eine bessere Anbindung des Airports an die Stadt?

Fahrenschon: Zur besseren Erreichbarkeit des Flughafens sind eine Reihe von Maßnahmen geplant. Zur Verbesserung der Schienenanbindung zählt vor allem das Bahnknotenkonzept der Staatsregierung. Dieses beinhaltet unter anderem eine schnelle und attraktive Anbindung des Flughafens an die Münchner Innenstadt durch eine sogenannte Flughafen-Express-S-Bahn. Für eine solche ist neben der Realisierung der zweiten Stammstrecke der viergleisige Ausbau zwischen Daglfing und Johanneskirchen erforderlich. Zu diesen Maßnahmen befindet sich das Wirtschaftsministerium derzeit in Finanzierungsverhandlungen mit dem Bund. Nach einem Beschluss des Landtags wird vom Wirtschaftsministerium außerdem die Anbindung des Flughafens durch eine Flughafen-Express-S-Bahn „light“ auf der bestehenden Infrastruktur und Trasse der S 8 geprüft.

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