Münchens schlimmste Bombennacht

"Unser Leben lag in Trümmern"

+
Hans D. (84) schaut sich Erinnerungsfotos in der Küche an.

München - Heute vor 70 Jahren war Münchens schlimmste Bombennacht. Die tz sprach mit dem Zeitzeugen Hans D. über den 25. April 1944.

Als die erste Bombe einschlägt, ist die Druckwelle so stark, dass der 14-jährige Hans von den Kellerstiegen gerissen wird. „Es hat gerumst, und plötzlich war das Licht aus – die Frauen im Keller haben geschrien.“ Jedes Jahr, wenn Hans D. (84) auf dem Kalender das Datum „25. April“ erblickt, kommen Erinnerungen an die schlimmste Bombennacht 1944 hoch. Heute ist der Tag, der München in Schutt und Asche legte, genau 70 Jahre her.

Über 130 Münchner sterben und mehrere Tausend werden verwundet, als 400 englische Flugzeuge ab 1 Uhr Hunderttausende Spreng- und Brandbomben abwerfen. Die Residenz, die Bürgersaalkirche, die Heiliggeistkirche, der Alte Peter und andere Bauten werden zerstört. Die Stadt steht in Flammen. 70 000 Menschen stehen ohne Dach überm Kopf da.

Für den Volksschüler Hans kommt die Katas-trophe aus heiterem Himmel. „Ich hatte trotz des Krieges eine recht unbeschwerte Kindheit in Untergiesing. Meine Eltern haben nicht über den Krieg gesprochen. Wir haben auf der Straße gekickt und an der Isar Räuber und Gendarm gespielt.“

In dieser Nacht vor 70 Jahren betreffen die Luftschutzsirenen auch Hans und seine Familie. Etliche Stabbrandbomben fallen auf den Dachboden seines Wohnhauses an der Ecke Oefele-/Untere Weidenstraße, manche schlagen in die Fenster ein. Das Haus brennt! „Meine Eltern sind mit mir hochgerannt, wir haben Wäsche und Kleidung geholt und die Tasche mit den Pässen geschnappt. Alles musste schnell gehen, das Treppengeländer und Omas Wohnung im dritten Stock brannten schon.“

Draußen angekommen, sieht Hans überall Flammen. „Ich habe noch das Bild von meiner Oma vor Augen, wie sie dasitzt auf ihrem Koffer. Das Gesicht versteinert. Hinter ihr brennt unser Haus. Und wir wissen nicht wohin und wie es weitergehen soll.“

In dieser Nacht schläft keiner. Noch einen Tag und eine Nacht verharren die vier wie gelähmt direkt gegenüber vom Wohnhaus auf der Straße. „Wir saßen auf Koffern und lagen auf Pappe. Nachbarn haben uns Decken gebracht.“ Vor ihren Augen brennt ihre Existenz herunter. „Mein ganzes Spielzeug ist auch verbrannt.“

Ein paar Tage wohnt Hans mit Eltern und Großmutter bei Bekannten, dann wird ihnen eine Wohnung um die Ecke zugewiesen. Im Juli 1944 trägt eine Bomben-Druckwelle auch dort das Dach ab und sprengt die Fenster. Lange hängen darin Pappkartons statt Glas.

Heute, 70 Jahre später, hat das Kriegskind Hans D. zwei Söhne, fünf Enkel und einen Urenkel. Er ist seit 65 Jahren mit seiner Frau Berta (88) verheiratet. Und er lebt noch immer in derselben Wohnung.

Nina Bautz

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn-Verbindung zwischen Flughafen und Neufahrn kurzzeitig unterbrochen
S-Bahn-Verbindung zwischen Flughafen und Neufahrn kurzzeitig unterbrochen
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare